Ehrenamt ist das Fundament einer lebendigen Gesellschaft

Würdigungsabend in Neuhausen stellt den Menschen hinter dem Engagement in den Mittelpunkt

bei Georg Kost

Den künstlerischen Höhepunkt des Würdigungsabend für das Ehrenamt setzte Lukas Aue in seiner Soloperformance ENTGLITTEN. Foto Georg Kost

NEUHAUSEN/ENZKREIS/PFORZHEIM, 11.07.2026 (rsr) – Ehrenamt ist weit mehr als freiwillige Arbeit. Es ist gelebte Verantwortung, gelebte Solidarität und der stille Motor einer funktionierenden Gesellschaft. Tag für Tag investieren Menschen ihre Freizeit, ihre Erfahrung und ihre Kraft für andere – oft unbemerkt von der Öffentlichkeit und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ob im Sportverein, in sozialen Einrichtungen, bei den Hilfsorganisationen, in der Kultur, der Jugendarbeit, den Kirchen oder der Nachbarschaftshilfe: Es sind die Ehrenamtlichen, die Gemeinschaft mit Leben füllen und dort Verantwortung übernehmen, wo sie gebraucht werden. Ihnen galt am Donnerstagabend der traditionelle Würdigungsabend des Enzkreises und der Stadt Pforzheim in der Monbachhalle in Neuhausen.

Den künstlerischen Höhepunkt des Abends setzte Lukas Aue. in seiner Soloperformance ENTGLITTEN. Foto Georg Kost

Rund 270 engagierte Frauen und Männer waren der Einladung gefolgt. Der Abend bot ihnen Gelegenheit, einmal selbst im Mittelpunkt zu stehen – nicht als Organisatoren oder Helfer im Hintergrund, sondern als Gäste, denen Politik und Gesellschaft bewusst Danke sagen wollten. Denn das, was Ehrenamtliche täglich leisten, lässt sich weder in Stunden noch in Zahlen messen. Ihr Einsatz schafft Vertrauen, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht vieles überhaupt erst möglich, was das Leben in Städten und Gemeinden lebenswert macht.

Bereits in ihrer Begrüßung stellte Neuhausens Bürgermeisterin Sabine Wagner den Menschen hinter dem Ehrenamt in den Mittelpunkt. Es sei für die Gemeinde eine besondere Freude, Gastgeberin dieses Würdigungsabends zu sein, weil Neuhausen – wie viele Städte und Gemeinden – von Menschen lebe, die sich mit großem persönlichen Engagement einbringen und Verantwortung für andere übernehmen. Gerade das freiwillige Engagement präge das Zusammenleben in vielfältiger Weise.
Besonders beeindruckend sei dabei, dass Ehrenamt häufig mit großer Selbstverständlichkeit gelebt werde. Viele der Engagierten würden ihren Einsatz gar nicht als außergewöhnlich empfinden, sondern schlicht sagen: „Ich mache das einfach gerne.“ Gerade diese Haltung verdiene besondere Anerkennung. Wer freiwillig Zeit, Erfahrung und persönliche Fähigkeiten einbringe, tue dies aus Überzeugung und weil ihm das Wohl anderer am Herzen liege. Dadurch entstünden Begegnungen, Vertrauen und Zusammenhalt – Werte, die für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar seien. Wagner unterstrich, dass vieles, was das Leben in den Kommunen bereichere, ohne diesen freiwilligen Einsatz gar nicht denkbar wäre. Der Würdigungsabend solle deshalb nicht nur Dank ausdrücken, sondern den Ehrenamtlichen zugleich Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen und einen unbeschwerten Abend zu genießen.

Dies Wertschätzung im Ehrenamt griffen Landrat Bastian Rosenau und Pforzheims Bürgermeister Tobias Volle (rechts) auf. Foto Georg Kost

Mit den Worten „Liebe Engel“ knüpfte Landrat Bastian Rosenau unmittelbar an diese Gedanken an. Er zeigte sich erfreut darüber, dass so viele Ehrenamtliche der Einladung von Enzkreis und Stadt Pforzheim gefolgt waren, um gemeinsam diesen besonderen Abend zu feiern.
Der Landrat machte deutlich, dass das Ehrenamt an jedem einzelnen Tag des Jahres unverzichtbare Arbeit leiste. Was die Frauen und Männer in den unterschiedlichsten Bereichen für die Gesellschaft erbrächten, sei unbezahlbar. Sie seien da, wenn Hilfe gebraucht werde, organisierten Veranstaltungen, unterstützten Menschen in schwierigen Lebenslagen, sorgten für Gemeinschaft und übernähmen Verantwortung, lange bevor andere überhaupt bemerkten, dass Hilfe notwendig sei. Für diesen täglichen Einsatz, für diese Ausdauer und diesen Kraftakt wolle man bewusst Danke sagen – auch im Namen der Freiwilligenagentur Pforzheim|Enzkreis. Zugleich brachte Rosenau seinen Stolz darüber zum Ausdruck, dass sich so viele Menschen mit Herzblut für ihre Mitmenschen und die Region engagierten.

Pforzheims Bürgermeister Tobias Volle griff diesen Gedanken auf und spannte zugleich den Bogen zum kulturellen Höhepunkt des Abends. Die Ehrenamtlichen, so seine Botschaft, seien die eigentlichen Artisten der Gesellschaft. Was sie täglich leisteten, gleiche oftmals einer artistischen Höchstleistung. Sie jonglierten zwischen Beruf, Familie, privaten Verpflichtungen und ihrem freiwilligen Engagement. Dabei brauche es Organisationstalent, Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen, Geduld und starke Nerven. Vor allem aber seien Idealismus und die Bereitschaft gefragt, sich immer wieder für andere einzusetzen.

Das Ehrenamt sei dabei oft von einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit geprägt, sagte Bürgermeisterin Sabine Wagner. Foto Georg Kost

Manchmal, so Volle weiter, habe es sogar den Anschein, als könnten Ehrenamtliche zaubern. Nicht mit spektakulären Kunststücken, sondern indem sie Hoffnung schenken, Menschen auffangen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ihr größtes Geschenk sei dabei nicht Geld oder materieller Einsatz, sondern ihre Zeit, ihre Verlässlichkeit und ihr Herzblut – Leistungen, die häufig im Stillen erbracht würden und dennoch das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts bildeten.

Wie treffend diese Worte gewählt waren, zeigte sich wenig später auf der Bühne. Mit seinem Solostück „Entglitten – Eine Geschichte der Hoffnung“ begeisterte der erst vor wenigen Tagen mit dem Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis 2026 ausgezeichnete Akrobat, Pantomime und Schauspieler Lukas Aue das Publikum.

Zwischen Schauspiel, zeitgenössischem Zirkus und poetischer Körperkunst „erzählt“ Aue die Geschichte eines Menschen, der trotz aller Rückschläge die Hoffnung nicht aufgibt. Selbst ein gewöhnlicher Stuhl entwickelt dabei ein Eigenleben, fordert den Protagonisten immer wieder heraus und zwingt ihn, neue Wege zu suchen. Taumelnd zwischen Wut, Trauer, Sehnsucht und Zweifel eröffnet sich Schritt für Schritt ein neuer Blick auf das Leben.
Gerade darin entstand eine bemerkenswerte Verbindung zum Ehrenamt. Denn auch freiwilliges Engagement bedeutet häufig, Hindernisse zu überwinden, Rückschläge auszuhalten, Verantwortung zu übernehmen und dennoch den Mut nicht zu verlieren. Es verlangt Beharrlichkeit, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen immer wieder Hoffnung und Zuversicht zu geben. Lukas Aues poetische Inszenierung machte diese Botschaft eindrucksvoll sichtbar und verlieh dem Würdigungsabend eine ebenso nachdenkliche wie inspirierende Note.

Den künstlerischen Höhepunkt des Abends setzte Lukas Aue. in seiner Soloperformance ENTGLITTEN. Foto Georg Kost
Den künstlerischen Höhepunkt des Abends setzte Lukas Aue. in seiner Soloperformance ENTGLITTEN. Foto Georg Kost

Gastgeber des Abends waren der Enzkreis und die Stadt Pforzheim, die gemeinsam mit Neuhausens Bürgermeisterin Sabine Wagner sowie dem Team der Freiwilligenagentur Pforzheim|Enzkreis (FRAG) die rund 270 Ehrenamtlichen in der Monbachhalle willkommen hießen.
Nach einem kleinen Imbiss stellte Anne von der Vring die Neuhausener Theaterschachtel vor und warb für das engagierte Kulturprojekt, bevor Lukas Aue mit seiner preisgekrönten Soloperformance den Schlusspunkt eines Abends setzte, der ganz den Menschen gewidmet war, die das gesellschaftliche Leben in Stadt und Enzkreis Tag für Tag mit ihrem freiwilligen Engagement tragen.