Beschäftigte erhalten deutlich mehr Geld

Steuerfreie Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro

bei Georg Kost

Tarifergebnis in der Edelmetallindustrie

Symbolfoto: IG Metall

PFORZHEIM/ENZKREIS, 25.01.2023 (pm) – Wie die IG Metall Pforzheim mitteilt, haben die Tarifvertragsparteien in der baden-württembergischen Schmuck-, Uhren- und Edelmetallindustrie am Montagabend nach einem 8-stündigen Verhandlungsmarathon bereits in der ersten Verhandlung einen Tarifabschluss erzielt. Demnach steigen die Entgelte für die rund 10.000 Beschäftigten ab 1. September 2023 um 5,2 Prozent, ab dem 1. August 2024 um weitere 3,3 Prozent.
Zudem erhalten die Beschäftigten eine steuerfreie Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro. Diese wird in zwei Schritten ausbezahlt, 1500 Euro spätestens im März 2023, weitere 1500 Euro spätestens im März 2024. Auszubildende und dual Studierende erhalten 1100 Euro, 550 Euro spätestens im März 2023 und weitere 550 Euro spätestens im Januar 2024. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. Dezember 2024.

Barbara Resch, Verhandlungsführerin der IG Metall, sagte nach dem Abschluss: „Wir haben hart und lange verhandelt, aber nun liegt ein gutes Ergebnis vor. Die Kolleginnen und Kollegen bekommen nun endlich die dauerhafte prozentuale Entgelterhöhung, die ihnen zusteht. Es ist uns gelungen, ein Gesamtpaket zu schnüren, das hilft, die Belastungen abzufedern und die Kaufkraft zu stärken. Insbesondere die unteren Entgeltgruppen profitieren überproportional von dem Ergebnis.“ Eine Umfrage unter Betriebsräten in der Edelmetallindustrie hatte zuvor bestätigt, dass die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen gut sei und die Krisen der letzten Jahre gut gemeistert wurden.
Darüber hinaus haben sich die Tarifparteien auf ein Verfahren bei einem Energienotstand verständigt (sog. Energienotfallklausel), die Ankündigungsfrist Kurzarbeit angepasst sowie eine Gesprächsvereinbarung zum Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen vereinbart.
„Nach dem gelungenen Tarifergebnis für die Metall- und Elektroindustrie und vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten war es wichtig auch für die Beschäftigten der Edelmetallindustrie möglichst zeitnah ein gutes Tarifergebnis zu erzielen. Das ist der Verhandlungskommission in der letzten Nacht gelungen“ so Liane Papaioannou, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim.
Justin Ludäscher, Betriebsratsvorsitzender Inovan GmbH & Co. KG und Mitglied in der Verhandlungskommission „Unverhofft kommt oft, das passt glaub ganz gut zu Montagabend. Ich bin positiv überrascht und freue mich über das Verhandlungsergebnis. Auf der anderen Seite finde ich es auch etwas schade, dass wir nun die Pfeifen und Fahnen wieder in den Keller packen müssen. Die Warnstreiks wären großartig geworden. Aus diesem Grund, möchte ich jeder Edelmetallerin und jedem Edelmetaller meinen persönlichen Dank aussprechen, denn ohne euch Mitglieder wären solche Abschlüsse gar nicht erst denkbar, ihr seid großartig“.
Auch Peter Marincek, Betriebsratsvorsitzender DODUCO Contacts and Refining und ebenfalls Mitglied in der Verhandlungskommission „Tarifverhandlungen sind meistens wie Überraschungseier. Da weiß man nicht was raus kommt. Die Verhandlungen fanden aber in vertrauensvollen, konstruktiven und gut vorbereiteten Gesprächen statt. Das Erstangebot der Arbeitgeber war so gut, dass man sitzen bleiben kann und ernsthaft in Verhandlungen übergeht, was schlussendlich zu diesem guten Ergebnis geführt hat. Uns Tarifkommissionsmitgliedern ist die Verantwortung für die Entgeltgestaltung von 10.000 Beschäftigten der Edelmetallindustrie stets bewusst. Und davon partizipieren aber auch ebenso viele Beschäftigte von nicht tarifgebundenen Betrieben, da im Zuge des Facharbeitermangels und des derzeit guten Arbeitsmarktes, auch diese mit ihrer Lohngestaltung nachziehen müssen. Wir, die IG Metall, waren aber auch auf Warnstreiks und andere Aktionen vorbereitet. Nach diesem schnellen Abschluss können wir aber bis zur nächsten Tarifrunde Ende 2024 unsere Trillerpfeifen einpacken. Schade eigentlich.“
Die Tarifkommission der IG Metall hat dem Tarifergebnis bereits zugestimmt.

Für die Beschäftigten bei Chopard – Karl Scheufele GmbH in Birkenfeld ist das Bangen allerdings noch nicht vorbei „Eine mehr wie konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen der Tarifverhandlungskommission Edelmetall hat ein sehr gutes Ergebnis ergeben. Schade, dass dieses Ergebnis für die Karl Scheufele GmbH nicht gilt. Durch den Austritt und die bisherige Verweigerung der Firma von Tarifverhandlungen müssen die Mitarbeiter nun hoffen, dass auch in ihrem Betrieb das Ergebnis Umsetzung findet. Da wir aber grundsätzlich eine sehr soziale Einstellung der Eigentümer kennen, geht der Betriebsrat trotzdem von einer schnellen Umsetzung des Ergebnisses aus.“ So Jürgen König, Betriebsratsvorsitzender Karl Scheufele GmbH und Verhandlungsmitglied.

Der Tarifabschluss im Detail:

Entgelt:

  • Die Entgelte steigen ab 1. September 2023 um 5,2 Prozent und ab 1. August 2024 um weitere 3,3 Prozent.
  • Um der Preissteigerung entgegenzuwirken, gibt es eine Inflationsprämie in Höhe von 3000 Euro. Diese wird in zwei Schritten ausbezahlt: 1500 Euro spätestens im März 2023, sowie weitere 1500 Euro spätestens im März 2024. Auszubildende und dual Studierende erhalten 1100 Euro, 550 Euro spätestens im März 2023 und weitere 550 Euro spätestens im Januar 2024.

Differenzierung:

  • Der Zusatzbetrag (ZUB), den es seit 2018 gibt, wird dauerhaft von 12,3 Prozent der EG 7 auf 18,5 Prozent der EG 7 erhöht.
  • Bei Vorliegen einer schwierigen wirtschaftlichen Situation kann der Arbeitgeber in den Kalenderjahren 2023 und 2024 bis spätestens vier Wochen vor Fälligkeit des Zusatzbetrags eine Verschiebung bis zum 30. April des jeweiligen Folgejahres vornehmen. Liegt die Nettoumsatzrendite unter 2,3 % oder würde sie unter 2,3 % sinken, wenn der Zusatzbetrag ausgezahlt würde, kann der Arbeitgeber durch einfache Erklärung den Anspruch entfallen lassen. Liegt die Nettoumsatzrendite über 2,3 %, ist der Anspruch zum späteren Fälligkeitszeitpunkt auszuzahlen.

Weitere Vereinbarungen:

  • Die Tarifparteien haben sich auf ein Verfahren bei einem Energienotstand verständigt (sog. Energienotfallklausel).
  • Die Ankündigungsfrist Kurzarbeit wurde angepasst.
  • Es wurde eine Gesprächsvereinbarung zum Tarifvertrag über betriebliche Sonderzahlungen vereinbart.