Zukunft für die Hohe Warte

Ideenwettbewerb soll Fortbestand des Wahrzeichens sichern

bei Georg Kost

Die Hohe Ware mit dem verbliebenen Turmrest. Foto: Georg Kost

PFORZHEIM-HOHENWART, 18.04.2026 (rsr) – Die Zukunft der Hohe Warte nimmt konkrete Formen an. Mit der Vorbereitung eines Ideenwettbewerbs für einen neuen Aussichtsturm setzt die Stadt Pforzheim ein erstes Signal für den Erhalt dieses traditionsreichen Ausflugsziels. Ziel ist es, am bestehenden Standort eine sichere, nachhaltige und architektonisch überzeugende Lösung zu realisieren und damit die langfristige Nutzung des Areals zu sichern.

Der Aussichtsturm im Pforzheimer Stadtteil Hohenwart wurde im Jahr 2001 in Holzbauweise mit einer markanten Stahlspindeltreppe errichtet. Wie für derartige Bauwerke vorgeschrieben, erfolgten in regelmäßigen Abständen Prüfungen zur Standsicherheit. Die letzte Begutachtung fand 2015 statt; festgestellte Mängel wurden 2017 behoben, zudem erhielt der Turm einen neuen Schutzanstrich. Im Spätjahr 2024 veranlasste das Gebäudemanagement eine erneute Überprüfung, die für das Jahr 2025 beauftragt wurde.

Im November 2024 kam es am Aussichtsturm zu tragischen Suizidfällen, woraufhin das Bauwerk umgehend gesperrt wurde. Parallel dazu prüfte das Gebäudemanagement, ob eine künftige Nutzung durch geeignete bauliche Maßnahmen unter Ausschluss entsprechender Gefährdungen möglich wäre.
Das Gutachten der beauftragten Fachingenieure, das am 30. Juli 2025 vorlag, zeichnete jedoch ein ernüchterndes Bild. Der bauliche Zustand erwies sich als deutlich schlechter als angenommen. Die statische Integrität der Holztragkonstruktion war in Teilen erheblich beeinträchtigt, sodass eine Freigabe zur weiteren Nutzung ausgeschlossen werden musste. Tragende Bauteile waren beschädigt und konnten im eingebauten Zustand nicht ersetzt werden, zudem war die Konstruktion nicht für zusätzliche Lasten durch Schutzmaßnahmen ausgelegt.

Als Hauptursachen wurden konstruktive Schwächen identifiziert. Insbesondere unzureichend geschützte Anschlussstellen führten zu Feuchtigkeitseintritt und Fäulnisschäden. Dieser Zustand wurde durch eine unzureichende Instandhaltung begünstigt, da während der gesamten Nutzungsdauer lediglich zwei Schutzanstriche erfolgten. Darüber hinaus wurde ein Schaden an einem tragenden Holzbauteil festgestellt, der vermutlich auf ein Sturmereignis zurückzuführen ist. Insgesamt war die Standsicherheit des Turms laut Gutachten nicht mehr gewährleistet.

Nach Vorlage der Expertise stimmten sich die zuständigen Fachämter über das weitere Vorgehen ab. Das Baurechtsamt stellte fest, dass die erforderliche Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben war. Am 23. September 2025 wurde daher beschlossen, den Aussichtsturm weiträumig abzusperren und ein Rückbaukonzept zu erarbeiten. Dieses wurde am 21. Oktober 2025 vorgestellt und sah einen Teilrückbau vor, um die Gefahrenlage kurzfristig zu beseitigen und gesperrte Bereiche wieder zugänglich zu machen.

Der Teilrückbau erfolgte vom 1. bis 6. Dezember 2025. Dabei wurde der Turm auf eine Höhe von etwa 15 Metern reduziert. Die demontierten Holzbauteile wurden vor Ort gelagert und teilweise zur Schadensanalyse zerlegt. Ein abschließendes Gutachten bestätigte die erheblichen Schäden an der Konstruktion. Am 5. März 2026 wurden die Ergebnisse dem Gemeinderat, dem Ortschaftsrat Hohenwart sowie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Untersuchungen ergaben, dass die Holzbauteile nicht weiterverwendet werden können. Der verbliebene Turmrest wird daher vollständig zurückgebaut, um die Fläche freizugeben. Die Finanzierung erfolgt aus dem konsumtiven Budget des Gebäudemanagements. Parallel prüft die Verwaltung eine temporäre Nutzung einzelner Konstruktionsteile. Vorgesehen ist, die verbliebene Grundstruktur in reduzierter Höhe von etwa 3,5 bis 4,0 Metern als Unterstand mit wiederaufgesetztem Dach zu nutzen.
Ergänzend könnten aus geeigneten Bauteilen Sitzgelegenheiten entstehen. Diese Lösung steht unter dem Vorbehalt naturschutz- und forstrechtlicher Genehmigungen. Positiv bewertet wurden hingegen das vorhandene Fundament, das sich als tragfähig und in sehr gutem Zustand erwiesen hat, sowie die Stahlspindeltreppe, die fachgerecht demontiert und eingelagert wurde und grundsätzlich wiederverwendet werden kann.

Zur Entwicklung eines neuen Aussichtsturms ist die Durchführung eines Ideenwettbewerbs vorgesehen. Dieser soll unterschiedliche architektonische und konstruktive Lösungsansätze hervorbringen und zugleich belastbare Kostenansätze liefern.
Berücksichtigt werden der bestehende Standort sowie die noch nutzbaren Bauteile, insbesondere Fundament und Stahlspindeltreppe. Ein zentrales Ziel ist die Gewährleistung eines hohen Sicherheitsniveaus. Entsprechende bauliche Maßnahmen sollen Abstürze und gezielte Sprünge weitestgehend verhindern, etwa durch konstruktive Sicherungen.

Die Kosten für den Neubau werden – abhängig von Konstruktion und Ausführung – auf rund 1,0 bis 3,0 Millionen Euro geschätzt. Für die Durchführung des Wettbewerbs sind etwa 120.000 Euro vorgesehen, die sich aus Aufwendungen für Wettbewerbsbetreuung, Preisgelder, Preisgericht und organisatorische Leistungen zusammensetzen. Die Finanzierung erfolgt aus dem Budget des Gebäudemanagements. Da der Wettbewerb voraussichtlich im Jahr 2027 abgeschlossen wird, ist eine Finanzierung aus den Haushaltsmitteln dieses Jahres geplant.

Der Aussichtsturm Hohenwart gilt als beliebtes Ausflugsziel und trägt gemeinsam mit den umliegenden Wanderwegen wesentlich zur Attraktivität der Stadt Pforzheim und ihrer Ortsteile bei. Eine Wiedererrichtung würde nicht nur die touristische Entwicklung stärken, sondern auch die Identifikation der Bürgerschaft mit ihrem Wahrzeichen fördern.

Die Verwaltung wurde mit der Vorbereitung und Durchführung des Ideenwettbewerbs beauftragt. Das Wettbewerbsergebnis soll die Qualität eines Vorentwurfs erreichen und eine belastbare Kostenschätzung enthalten. Es wird dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt und bildet die Grundlage für einen Grundsatzbeschluss einschließlich Finanzierungskonzept.
Mit dem Wettbewerb befassen sich der Planungsausschuss des Gemeinderats am 22. April, der Ortschaftsrat Hohenwart am 6. Mai sowie der Gemeinderat am 20. Mai.

Mit diesem strukturierten Verfahren wird der Weg für die Zukunft der Hohen Warte geebnet und die Grundlage für eine nachhaltige sowie sichere Wiedererrichtung geschaffen.