Zehn Jahre Neunzehn03

Wie aus einer Vereinsidee ein Stück Mühlhausen wurde

bei Georg Kost

Die Geschichte des Neunzehn03 beginnt im Jahr 2006. Das Gebäude wurde dann 2016 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und feiert jetzt sein zehnjähriges Bestehen. Foto Georg Kost

TIEFENBRONN-MÜHLHAUSEN, 26.09.2026 (rsr) –  Zehn Jahre Betrieb, zehn Jahre voller Arbeit, Entscheidungen und Verantwortung – und davor bereits ein Jahrzehnt Vorbereitung, Planung und Bau: Das Neunzehn03 am Würmtalradweg zwischen Weil der Stadt und Pforzheim feiert sein zehnjähriges Bestehen. Was heute als etablierte Vereinsgaststätte in Tiefenbronn-Mühlhausen seinen festen Platz hat, steht für zehn Jahre Engagement, unzählige Arbeitsstunden und viel ehrenamtliche Arbeit. Besonders die Corona-Pandemie brachte den Verein an den Rand dessen, was ehrenamtlich noch zu stemmen war.

Die Geschichte des Neunzehn03 beginnt im Jahr 2006. In einem Workshop des TSV Mühlhausen entstand damals das Ziel, das in die Jahre gekommene „Clubhäusle“ durch ein modernes Vereinszentrum zu ersetzen. Bis aus der Idee Realität wurde, sollten allerdings noch viele Jahre vergehen.

„Die konkreten Planungen begannen, als sich unsere Überlegungen mit den Planungen für das Seniorenheim Tiefenbronn überschnitten“, erinnert sich TSV-Vorsitzender Uwe Carl. Mitte 2010 fasste der Gemeinderat erstmals den Beschluss, das Vorhaben des TSV Mühlhausen zu unterstützen. Im Juni 2014 wurden die Planungen schließlich endgültig auf den Weg gebracht. Am 6. Dezember desselben Jahres verabschiedete sich der Verein mit einer Abrissparty vom alten Clubhäusle. Noch im Dezember rückten die Helfer an.

Was anschließend folgte, war Vereinsarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. 90 Menschen packten während der 22-monatigen Bauzeit an insgesamt 135 Einsatztagen mit an. Rund 5.000 Arbeitsstunden kamen dabei zusammen. Es wurde gebaut, organisiert, koordiniert und immer wieder improvisiert. Hinter den Zahlen stehen Menschen, die ihre Freizeit investierten, weil sie an ein gemeinsames Ziel glaubten.

Am 30. September 2016 konnte schließlich die Eröffnung gefeiert werden. Einen Tag später, am 1. Oktober, öffnete das Neunzehn03 erstmals offiziell seine Türen für Gäste. Aus dem alten Clubhäusle war ein modernes Vereinszentrum mit Vereinsheim und Gaststätte geworden.

Zwischen Aufbruch und Existenzangst
Die folgenden zehn Jahre waren allerdings alles andere als ein geradliniger Erfolg. Es gab gute Zeiten, aber auch Rückschläge, Kritik, finanzielle Risiken und immer wieder Situationen, in denen Lösungen gefunden werden mussten.

„Es lief nicht alles rund in den ersten Jahren“, sagt Uwe Carl rückblickend. Die wohl schwierigste Phase begann mit der Corona-Pandemie. Die Zwangsschließungen trafen die Vereinsgaststätte hart. Einnahmen brachen weg, während Verpflichtungen bestehen blieben. Für die ehrenamtlich Verantwortlichen ging es längst nicht mehr nur um die Frage, wie ein Restaurant durch eine schwierige Zeit kommt. Im Raum stand die Existenz des Neunzehn03 – und möglicherweise sogar die Zukunft des gesamten TSV Mühlhausen.

Rund um das TSV-Vereinszentrum ist in den vergangenen Jahren an attraktives Freizeitangebot entstanden. Foto. Georg Kost

Die Sorgen waren entsprechend groß. Entscheidungen mussten getroffen werden, obwohl niemand sicher sagen konnte, wie lange die Einschränkungen dauern würden und wann sich der normale Betrieb wieder aufnehmen lassen würde. Die Pandemie sorgte bei den Verantwortlichen für schlaflose Nächte.

Dass das Neunzehn03 diese Zeit überstand, hatte auch mit der Unterstützung aus dem Umfeld zu tun. Mitglieder des TSV Mühlhausen sowie Bürgerinnen und Bürger aus Tiefenbronn und darüber hinaus hielten der Gaststätte die Treue. Der Außer-Haus-Verkauf wurde angenommen und damit zu einer wichtigen Stütze in einer Zeit, in der der reguläre Gastronomiebetrieb nicht möglich war. Diese Solidarität trug entscheidend dazu bei, dass der Verein den Weg aus der Krise fortsetzen konnte.

Vom Vereinsheim zum wichtigen Arbeitgeber
Dabei hat sich das Neunzehn03 in den vergangenen zehn Jahren deutlich entwickelt. Im Oktober 2016 startete die Gaststätte mit vier Angestellten. Diese Personalstärke entsprach den damaligen Erwartungen an Gästezahlen und Umsatz.

Heute sieht die Situation anders aus. Zehn Festangestellte und etwa ebenso viele Aushilfskräfte arbeiten mittlerweile im Neunzehn03. Damit gehört die Gaststätte zu den größeren Arbeitgebern in Mühlhausen.
Dazu kommt eine Zahl, die sich nicht in einer klassischen Personalstatistik wiederfindet: die vielen Ehrenamtlichen, die den Betrieb organisatorisch begleiten, sich um das Vereinszentrum kümmern und dafür sorgen, dass hinter den Kulissen vieles funktioniert.

Eine besondere Rolle schreibt Uwe Carl Wolfgang Zwiener zu. Er sei von Anfang an eine treibende Kraft bei Planung, Umsetzung und Leitung des Neunzehn03 gewesen.

Das zehnjährige Bestehen ist damit auch ein Rückblick auf viele Menschen, die Zeit, Kraft und Verantwortung in ein Projekt investiert haben, das ihnen nicht als berufliche Aufgabe übertragen wurde.

Genau darin liegt die vielleicht wichtigste Geschichte hinter den zehn Jahren Neunzehn03: Vereinsarbeit besteht nicht nur aus Training, Spielbetrieb und Vorstandssitzungen. Sie kann bedeuten, ein Bauprojekt über Jahre voranzutreiben, Tausende Arbeitsstunden zu organisieren, wirtschaftliche Risiken auszuhalten und in einer Krise gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Und sie bedeutet manchmal auch, morgens aufzustehen, obwohl man in der Nacht zuvor lange über die Zukunft des Vereins nachgedacht hat.

Fünf Tage Geburtstag
Nach zehn Jahren soll nun gefeiert werden. Unter der Leitung von Restaurantleiterin Anja Schmidt-Waldherr und TSV-Küchenchef Pascal Pfannenstill haben der Wirtschaftsausschuss um Holger Seibert und der TSV Mühlhausen ein Festwochenende vorbereitet, das vom Donnerstag, 1. Oktober, bis Montag, 5. Oktober 2026, dauert.

Geplant sind unter anderem ein „All you can vesper“, ein musikalischer Frühschoppen, Live-Musik und eine Oktoberfest-Party. Dazu kommt die Küche des Neunzehn03.

Zehn Jahre nach der Eröffnung ist die Vereinsgaststätte längst mehr als der gastronomische Teil eines Vereinszentrums. Sie ist das Ergebnis eines Projekts, das 2006 als Idee begann, 2014 mit dem Abriss des alten Clubhäusles sichtbar wurde und zwei Jahre später Realität war. Und sie steht beispielhaft dafür, was entstehen kann, wenn viele Menschen über Jahre hinweg in der Vereinsfamilie ihre Zeit und ihr Können für eine gemeinsame Sache einsetzen.