
Wertvolle Informationen vermittelte Volker Kugel bei seinem Vortrag beim OGV Neuhausen zum Thema Klimawandel im Garten. Foto: Georg Kost
NEUHAUSEN, 26.09.2026 (rsr) – Der Sommer hat vielen Gartenbesitzern in diesem Jahr eindrücklich vor Augen geführt, wie sehr sich die Bedingungen im heimischen Garten verändern. Wo über Wochen kaum Regen fällt und die Temperaturen ungewöhnlich hoch sind, geraten selbst robuste Pflanzen an ihre Grenzen. Rasenflächen werden braun, der Boden trocknet aus und bei Obst und Gemüse stellt sich zunehmend die Frage, welche Pflanzen mit solchen Bedingungen künftig noch gut zurechtkommen.
Damit traf der Obst- und Gartenbauverein Neuhausen mit seinem Vortrag genau den Nerv der Zeit. Rund 100 Gartenfreunde kamen am Freitagabend ins „Schwalbennest“, um den Gartenexperten Volker Kugel zu erleben. Dass das Thema eine solche Aktualität bekommen würde, war bei der Planung des Abends noch nicht abzusehen, wie die Vorsitzende des OGV Neuhausen, Annette Schmid, bei der Begrüßung anmerkte. Nun konnten viele Besucher ihre eigenen Erfahrungen aus dem ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer unmittelbar mit den Ausführungen des Referenten verbinden.
Kugel führte locker und unterhaltsam durch den Abend. Ein Manuskript benötigte der erfahrene Gartenfachmann dabei nicht. Sein profundes Wissen und die jahrzehntelange Beschäftigung mit Pflanzen, Gärten und deren Gestaltung ermöglichten ihm, frei zu referieren und immer wieder auf konkrete Beispiele einzugehen. So wurde aus dem Fachvortrag schnell ein lebendiger Austausch über die ganz praktischen Fragen des Gärtnerns unter veränderten klimatischen Bedingungen.

Schon vor seinem Vortrag hatte Volker Kugel (Mitte) gemeinsam mit Annette Schmid (rechts) und Günter Mayer den Pfarrgarten im Herzen Neuhausens in Augenschein genommen. Foto: Georg Kost
Schon vor seinem Vortrag hatte Kugel gemeinsam mit Annette Schmid den Pfarrgarten im Herzen Neuhausens in Augenschein genommen. Das kleine Gartenareal im Ortskern, in dem Kräuter, Obst und Gemüse ebenso ihren Platz haben wie andere Pflanzen, bot dafür ein passendes Beispiel. Besonders die gelungene Zusammensetzung und die Vielfalt des Gartens fanden die Anerkennung des Experten. Zugleich zeigte der Blick vor Ort, wie wichtig die richtige Auswahl und Kombination von Pflanzen angesichts veränderter Wetterbedingungen werden.
Denn Hitze und Trockenheit wirken sich nicht auf alle Pflanzen gleichermaßen aus. Hohe Temperaturen erhöhen die Verdunstung, der Boden verliert schneller Feuchtigkeit und der Wasserbedarf steigt. Pflanzen mit flachem Wurzelwerk oder hohem Wasserbedarf geraten deshalb bei längeren Trockenperioden besonders unter Stress. Kommt nach einer langen Dürre schließlich viel Regen in kurzer Zeit, kann auch dieser nicht ohne Weiteres vom ausgetrockneten Boden aufgenommen werden.
Für den Hobbygärtner bedeutet das nicht, den bisherigen Garten grundsätzlich aufgeben zu müssen. Vielmehr kommt es darauf an, bei neuen Pflanzungen genauer hinzuschauen. Standort, Boden, Licht und Wasserbedarf sollten ebenso berücksichtigt werden wie die Frage, ob eine Pflanze mit Hitze und längeren Trockenphasen zurechtkommt. Geeignete Arten und Sorten können den Pflegeaufwand erheblich reduzieren.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Umgang mit dem Wasser. Es geht nicht allein darum, mehr zu gießen, sondern darum, die vorhandene Feuchtigkeit möglichst lange im Boden zu halten. Eine gute Bodenpflege und eine bedeckte Erdoberfläche können die Verdunstung verringern. Auch eine sinnvolle Zusammenstellung von Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen ermöglicht eine gezieltere Bewässerung und bietet gleichzeitig Insekten zusätzlichen Lebensraum.
Auch im Obst- und Gemüsegarten eröffnen die veränderten Temperaturen neue Möglichkeiten. Wärme kann bestimmten Kulturen durchaus entgegenkommen, während extreme Hitze für andere Pflanzen zum Problem werden kann. Umso wichtiger wird die Auswahl geeigneter Sorten und die Frage, welche Pflanzen zum jeweiligen Standort passen.
Kugels Ansatz war dabei ausdrücklich nicht, Gartenbesitzer mit immer neuen Regeln zu überfordern. Oft können bereits kleine Veränderungen Wirkung zeigen – bei der Pflanzenauswahl, der Bodenpflege, der Bewässerung oder der Gestaltung. Wer die natürlichen Bedingungen seines Gartens stärker berücksichtigt, kann ihn an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen und zugleich den Pflegeaufwand verringern.
Dass Kugel solche Zusammenhänge anschaulich vermitteln kann, hat viel mit seiner langjährigen Erfahrung zu tun. Der gebürtige Calwer und heute in Weissach-Flacht lebende Gartenbauexperte war mehr als 25 Jahre Direktor des Blühenden Barock Ludwigsburg und wurde einem breiten Publikum auch durch seine Tätigkeit als Gartenexperte in der SWR-Sendung „Grünzeug“ sowie durch Gartentipps bei SWR4 bekannt. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand Ende 2022 ist er als selbstständiger Gartenexperte, Referent und Berater tätig.
Im „Schwalbennest“ ging es an diesem Abend allerdings weniger um die berufliche Laufbahn des Referenten als um die Gärten der Besucher und deren ganz konkrete Fragen. Kurze Videoclips ergänzten die Ausführungen, im Mittelpunkt stand jedoch Kugels frei vorgetragenes Fachwissen. Für den Obst- und Gartenbauverein Neuhausen, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, war der gut besuchte Abend ein aktueller und praxisnaher Beitrag zu aktuellen Themen und gleichzeitig ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr.
