
Aufmerksam wurde die Haushaltsrede von Bürgermeisterin Sabine Wagner vom Gemeinderat und Besuchern der Gemeinderatsitzung am Dienstag verfolgt. Foto Georg Kost
NEUHAUSEN, 05.03.2026 (rsr) – Mit einem klar strukturierten Sechs-Punkte-Programm hat Bürgermeisterin Sabine Wagner in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in der Schwarzwaldhalle die Leitlinien des Haushaltsentwurfs und der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 vorgestellt.
Vor dem Hintergrund eines bestehenden Investitionsstaus und einer angespannten Finanzlage sei es erneut eine große Herausforderung gewesen, gemeinsam mit dem Gemeinderat die richtigen Schwerpunkte zu setzen, bestehende Ansätze zu überprüfen und dabei alle Beteiligten einzubinden. Der Haushaltsplan bilde als zentrales Steuerungsinstrument die Grundlage für Ausgaben und zukünftige Verpflichtungen und markiere einen weiteren Schritt in Richtung der langfristigen Entwicklungsziele der Gemeinde.
Im ersten Schwerpunkt steht der Bereich Bildung. Mit der Eröffnung des Kinderbildungszentrums im August vergangenen Jahres wurde der zweite Baustein des Bildungscampus Biet abgeschlossen. Der ambitionierte Zeitplan konnte eingehalten und der kalkulierte Kostenrahmen von 3,9 Millionen Euro leicht unterschritten werden. Insgesamt flossen in den Bildungscampus bislang 9,7 Millionen Euro, darunter 3,2 Millionen Euro für die Erweiterung der Gemeinschaftsschule, 1,4 Millionen Euro für den Bau der Mensa sowie 1,2 Millionen Euro für den Ausbau der Ganztagesbetreuung.
Mit dem ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise eingeführten Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder sieht sich die Gemeinde räumlich gut vorbereitet.

In diesem Jahr der Bau der neuen Schulsportanlage beginnen. Foto: Georg Kost
Als dritter Baustein soll in diesem Jahr der Bau der neuen Schulsportanlage beginnen. Die kalkulierten Kosten liegen bei rund 1,8 Millionen Euro. Förderzusagen von Bund in Höhe von 766.676 Euro und vom Land in Höhe von 120.000 Euro sind beantragt.
Der Baubeginn ist für den Sommer vorgesehen. Nach Abriss des bestehenden Tartanplatzes sollen auf der freiwerdenden Fläche dringend benötigte Parkplätze entstehen. Die Gesamtkosten hierfür belaufen sich auf rund 420.000 Euro, wovon die Gemeinde 280.000 Euro trägt, verteilt auf die Jahre 2026 und 2027, während 140.000 Euro auf den Schulverband entfallen, so Sabine Wagner.
Im Handlungsfeld Gemeindeentwicklung schreitet das Neubaugebiet „Falter“ weiter voran. Auf rund fünf Hektar entstehen 66 Baugrundstücke, deren Erschließung derzeit vor dem Zeitplan liegt. Mit einer Fertigstellung bis zu den Sommerferien wird gerechnet.
Neun Bauplätze wurden bereits verkauft und erzielten Einnahmen von rund 1,9 Millionen Euro. Weitere neun Grundstücke sind reserviert und stehen kurz vor dem Notartermin, was zusätzliche Einnahmen von rund 1,8 Millionen Euro erwarten lässt. Vier Bauplätze sind noch verfügbar. Hinzu kommen zwei Grundstücke für Mehrfamilienhäuser mit einem Erlöspotenzial von knapp einer Million Euro. Insgesamt könnten bei vollständigem Verkauf aller gemeindeeigenen Grundstücke im Jahr 2026 rund 5,3 Millionen Euro erzielt werden.
Im Bereich Infrastruktur plant die Gemeinde bis 2029 erhebliche Investitionen. Nach der Erneuerung besonders schadenanfälliger Wasserleitungen soll das Tempo angesichts der Haushaltslage reduziert werden. Für das zweite Halbjahr 2026 ist die Sanierung der Blumenstraße mit 718.000 Euro vorgesehen, für das erste Halbjahr 2027 die Gartenstraße mit 863.000 Euro.
2027 soll gemeinsam mit dem Landratsamt die Ortsdurchfahrt Hamberg mit einem Volumen von 600.000 Euro saniert werden, 2028 folgt in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium die Ortsdurchfahrt Neuhausen im Bereich Pforzheimer und Furtstraße mit 1,29 Millionen Euro.
Der Glasfaserausbau soll mit Ausnahme der Gartenstraße bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein; dort erfolgt die Umsetzung im Zuge der Straßensanierung 2027.
Auf dem Neuhausener Friedhof wurden im vergangenen Jahr Wege unter größtmöglichem Schutz der alten Winterlinden erneuert. In diesem Jahr sind die Sanierung des Vorplatzes der Aussegnungshalle für 76.500 Euro, die Erneuerung der Treppenanlage für 25.000 Euro sowie der frostsichere Umbau der Toilettenanlage für 17.500 Euro vorgesehen.
Vergleichbare Maßnahmen seine in den kommenden Jahren auf allen Friedhöfen geplant ergänzte die Rathauschefin.
Für das Freibad sind 5.000 Euro für Sonnenschutzvorrichtungen und 120.000 Euro für die Beckenwassererwärmung eingeplant. Angesichts eines seit 2014 beziehungsweise 2016 vorliegenden Sanierungskonzepts mit bislang nicht umgesetzten Maßnahmen soll die schrittweise Sanierung beginnen, zunächst mit dem Kinderbecken. Die hierfür veranschlagten Kosten von rund 1,5 Millionen Euro sind in der Finanzplanung für 2027 bis 2029 berücksichtigt.
Der vierte Schwerpunkt betrifft Energie und Umwelt. Mit der Gründung einer neuen Energiegesellschaft, für die 13.000 Euro veranschlagt sind, soll eine nachhaltige und regional verankerte Energieversorgung gestärkt werden. Neben klassischen energiewirtschaftlichen Aufgaben wird geprüft, inwieweit weitere kommunale Bereiche wie die Straßenbeleuchtung übertragen werden können, um Synergien zu nutzen und Zuständigkeiten zu bündeln. Zudem soll die fachliche Expertise für Energiekonzepte unter anderem für Freibad und Rathaus genutzt werden.

Symbolfoto: infopress24.de
Für die Umrüstung kommunaler Gebäude auf LED-Technik sind 30.000 Euro eingeplant, zusätzlich 15.000 Euro für neue LED-Außenleuchten im Reparaturfall, nachdem der Hersteller das bisher verwendete Leuchtmittel eingestellt hat. Im Rathaus ist in Zusammenarbeit mit der Energiegesellschaft die Installation einer Photovoltaikanlage mit notstromfähigem Energiespeicher für 50.000 Euro vorgesehen.
Im Bereich Wirtschaft soll das dritte Wirtschaftsforum am 12. März in der Schwarzwaldhalle Impulse zur Stärkung des Standorts setzen. Ziel ist die bestmögliche Unterstützung von Industrie, Handel, Handwerk, Land- und Forstwirtschaft sowie Dienstleistungssektor.
Mit dem Bebauungsplan „Heumade III“ wurden im vergangenen Jahr die Voraussetzungen zur Erweiterung des Hamberger Gewerbegebiets geschaffen. Zudem wurden die planungsrechtlichen Grundlagen für die Ansiedlung eines Lebensmittel-Vollsortimenters im Gewerbegebiet „West II“ im Ortsteil Neuhausen geschaffen; der erste Spatenstich für den Neubau eines Edeka-Marktes ist in den kommenden Wochen vorgesehen. Im Gewerbegebiet stehen derzeit noch vier Grundstücke zur Verfügung.

Der Neubau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses soll bis Ende 2028 Anfang 2029 realisiert werden. Foto: Georg Kost
Im sechsten Schwerpunkt Sicherheit und Ordnung stellte Bürgermeister Sabine Wagner die Investitionen in die Feuerwehr im Mittelpunkt ihrer Rede. Auf Grundlage des Feuerwehrbedarfsplans sollen die empfohlenen Maßnahmen schrittweise umgesetzt werden. Für ein neues Löschfahrzeug LF 16 sind in diesem Jahr noch rund 640.000 Euro zu zahlen. Für ein neues Mannschaftstransportwagen sind 75.000 Euro im Jahr 2026 und 53.000 Euro im Jahr 2027 vorgesehen.
Der Neubau eines zentralen Feuerwehrgerätehauses soll nach Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen bis Ende 2028 beziehungsweise Anfang 2029 realisiert werden und den Haushalt mit rund neun Millionen Euro belasten.
Die Beschaffung eines Gerätewagens Logistik II wird hingegen aus Haushaltsgründen auf das kommende Jahr verschoben, so Wagner weiter.
Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse sowie möglicher Gefahrenlagen wie Terrorangriffe, Hackerangriffe oder großflächige Stromausfälle wurden professionelle Strukturen im Notfall- und Krisenmanagement aufgebaut. Vorgesehen ist die Anschaffung einer mobilen Sirene für 5.300 Euro.
Für das Ordnungsamt ist zudem der Kauf einer Geschwindigkeitsmesstafel für rund 1.600 Euro geplant.
Bürgermeisterin Sabine Wagner erinnerte in ihrer Rede, dass trotz angespannter Haushaltslage der Entwurf gezielte Zukunftsinvestitionen insbesondere in Infrastruktur, Tiefbau und energetische Sanierung vorsehe. Zugleich weist die mittelfristige Finanzplanung auf anhaltende Herausforderungen durch steigende Umlagen, wachsende Personalkosten, Tarifsteigerungen und erhöhte kommunale Anforderungen hin.
Das veranschlagte Defizit im Ergebnishaushalt sowie der hohe investive Finanzierungsbedarf erfordern eine Priorisierung der Maßnahmen, die konsequente Nutzung von Fördermitteln und Effizienzsteigerungen in der Verwaltung, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde dauerhaft zu sichern, so Wagner.
