Neue „Mobile Küche“ bringt Ernährungsbildung direkt ins Klassenzimmer

Moderner Küchenblock an der Grundschule Wurmberg eingeweiht – Sparkasse ermöglicht Ersatz für 15 Jahre altes Modell

bei Georg Kost

Die neue moderner „Mobile Küche“ des Landwirtschaftsamts beim Landratsamt Enzkreis wurde am Mittwoch an der Grundschule Wurmberg eingeweiht. Foto: Georg Kost

WURMBERG, 02.07.2026 (rsr) – Gesunde Ernährung entsteht nicht allein durch theoretisches Wissen, sondern vor allem durch eigenes Erleben. Wer bereits im Kindesalter lernt, frische Lebensmittel zu erkennen, zuzubereiten und gemeinsam Mahlzeiten zu kochen, legt einen wichtigen Grundstein für ein gesundes Leben. Genau hier setzt die „Mobile Küche“ des Landwirtschaftsamts beim Landratsamt Enzkreis an.
Mit einem neuen, modernen Küchenblock kann das seit vielen Jahren erfolgreiche Bildungsangebot nun fortgeführt werden.
Die offizielle Einweihung fand am Mittwoch an der Grundschule Wurmberg statt, wo die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3b die neue Ausstattung unmittelbar in der Praxis erprobten.

Während des Pressetermins verwandelte sich das Klassenzimmer in eine kleine Lehrküche. Gemeinsam bereiteten die Kinder einen frischen Gemüseeintopf zu und lernten dabei den sachgerechten Umgang mit verschiedenen Lebensmitteln. Begleitet wurden sie von der Fachreferentin der Mobilen Küche, Kerstin Bauer, die das Projekt pädagogisch betreut, sowie ihrer Klassenlehrerin Constanze Rau. Beim Schneiden, Rühren und Abschmecken wurde deutlich, worauf das Konzept der Mobilen Küche setzt: Ernährungsbildung soll nicht abstrakt vermittelt, sondern durch eigenes Tun erfahrbar gemacht werden.

Der neue Küchenblock ersetzt die bisherige mobile Küche, die bereits 2008 angeschafft worden war und nach rund 15 Jahren intensiver Nutzung ihre technischen Grenzen erreicht hatte. Ermöglicht wurde die Neuanschaffung durch eine Spende der Sparkasse Pforzheim Calw in Höhe von 7.000 Euro.

Zur offiziellen Einweihung kamen Vertreter aus Schule, Verwaltung, Gesundheitswesen und den Projektpartnern in der Grundschule Wurmberg zusammen. Begrüßt wurden unter anderem Holger Nickel, Dezernent für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung beim Landratsamt Enzkreis, Bürgermeister Jörg-Michael Teply, Claus Bannert, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, Schulleiterin Beate Bischoff, die Vorsitzende des Elternbeirats Simone Hurlebaus sowie Mira Neuß vom Forum Ernährung und Hauswirtschaft des Landwirtschaftsamts.
Gemeinsam unterstrichen sie die Bedeutung einer frühzeitigen Ernährungsbildung und eines praxisnahen Unterrichts.

Schulleiterin Beate Bischoff hob die große Begeisterung hervor, mit der die Kinder das Angebot der Mobilen Küche jedes Mal annähmen. Der handlungsorientierte Unterricht eröffne den Schülerinnen und Schülern einen unmittelbaren Zugang zu gesunder Ernährung und ergänze den regulären Unterricht auf besonders anschauliche Weise.

Auch Bürgermeister Jörg-Michael Teply bezeichnete die Mobile Küche als wichtigen Baustein der Gesundheitsförderung. Insbesondere dort, wo Schulen über keine eigene Lehrküche verfügen oder die räumlichen Voraussetzungen fehlen, schließe das Angebot eine wichtige Lücke.

Gerade in einer Zeit, in der in vielen Familien immer seltener gemeinsam gekocht werde, erhielten Kinder hier die Möglichkeit, grundlegende Kenntnisse im Umgang mit frischen Lebensmitteln zu erwerben und deren Wert für eine ausgewogene Ernährung unmittelbar zu erfahren.

Holger Nickel, Dezernent für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung beim Landratsamt Enzkreis, ließ sich von den Wurmberger Grundschülern ihre Arbeit erklären. Foto: Georg Kost

Holger Nickel dankte ausdrücklich der AOK Nordschwarzwald für die langjährige fachliche und finanzielle Unterstützung des Projekts sowie der Sparkasse Pforzheim Calw für ihre Spende, durch die die Ersatzbeschaffung des inzwischen veralteten Küchenblocks ermöglicht worden sei. Damit könne das erfolgreiche Bildungsangebot auch künftig mit einer zeitgemäßen Ausstattung an Schulen im Enzkreis und in Pforzheim fortgeführt werden.

Die Bedeutung einer frühzeitigen Gesundheitsförderung stellte Claus Bannert in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Rund 98 Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen flössen in die Behandlung von Krankheiten, während lediglich etwa zwei Prozent für Prävention aufgewendet würden. Dieses Missverhältnis verdeutliche, wie wichtig Investitionen in die Gesundheitsbildung bereits im Kindesalter seien. Kindergärten und Grundschulen seien die richtigen Orte, um nachhaltige Impulse für einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu setzen. Die Mobile Küche sei deshalb weit mehr als ein Kochprojekt. Sie verstehe sich als Bestandteil einer umfassenden Gesundheitsförderung an Schulen, die sowohl den Unterricht als auch Fortbildungsangebote für Lehrkräfte einschließe.

Im Gespräch mit der Elternbeiratsvorsitzenden Simone Hurlebaus interessierte Bannert besonders, ob die Kinder das Gelernte auch in ihre Familien mitnähmen. Hurlebaus berichtete von einer großen Begeisterung der Schülerinnen und Schüler. Die Erfahrungen aus dem Unterricht wirkten vielfach bis in den Familienalltag hinein.

Diese Beobachtungen bestätigte auch Mira Neuß vom Forum Ernährung und Hauswirtschaft. Die Mobile Küche werde von den Kindern mit großer Freude angenommen. Besonders die wiederholte Teilnahme trage dazu bei, dass sich wichtige Kompetenzen nachhaltig entwickelten. Die Schülerinnen und Schüler lernten schrittweise den sicheren Umgang mit Küchenwerkzeugen, verschiedene Schneidetechniken, die sachgerechte Verarbeitung frischer Lebensmittel sowie die Zubereitung ausgewogener Speisen. Viele dieser Fähigkeiten blieben dauerhaft erhalten und stärkten zugleich das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung.

Auch Kerstin Bauer, Fachreferentin der Mobilen Küche, versteht das Bildungsangebot als konsequente Verbindung von Theorie und Praxis. Inhalte der Ernährungsbildung aus dem Unterricht würden unmittelbar angewendet und durch eigenes Handeln vertieft. Die Kinder erlebten Lebensmittel mit allen Sinnen, entwickelten Freude am Kochen und sammelten zugleich wertvolle Alltagskompetenzen, die ihnen weit über die Schulzeit hinaus zugutekämen.

Seit 2009 ist die Mobile Küche ein fester Bestandteil des Forums Ernährung und Hauswirtschaft des Landwirtschaftsamts beim Landratsamt Enzkreis. Inhaltlich und finanziell wird das Projekt von der AOK Nordschwarzwald unterstützt. Wie Claus Bannert hervorhob, wurde auch der neue Küchenblock von einem Fachbetrieb aus dem Enzkreis gefertigt. Damit bleibe die Wertschöpfung in der Region. Zugleich verwies er auf eine Besonderheit des Projekts: Die Mobile Küche sei in dieser Form die einzige ihrer Art auf Landkreisebene in Baden-Württemberg.

Das Bildungsangebot richtet sich an Grund- und Förderschulen sowie Gymnasien der Klassenstufen drei bis zehn in Pforzheim und dem Enzkreis. Jede teilnehmende Klasse erhält an drei Unterrichtstagen jeweils drei Schulstunden mit der Mobilen Küche. Organisation, Transport sowie Auf- und Abbau übernimmt das Landwirtschaftsamt. Voraussetzung für den Einsatz sind ein barrierefrei erreichbarer Unterrichtsraum oder eine vorhandene Lehrküche sowie die Beteiligung mehrerer Klassen.

Rund 20 Schulen nutzen das Angebot in jedem Schuljahr. Gerade dort, wo keine eigene Lehrküche vorhanden ist oder die räumlichen Möglichkeiten fehlen, schließt die Mobile Küche eine wichtige Versorgungslücke in der Ernährungsbildung. Sie vermittelt nicht nur Wissen über gesunde Ernährung, sondern stärkt zugleich Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln – Kompetenzen, die weit über den Kochunterricht hinausreichen und einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheitsförderung junger Menschen leisten.