Kindertagesbetreuung im Wandel

Enzkreis informiert über aktuelle Entwicklungen und neue Strukturen

bei Georg Kost

Als kommunale Familie werden wir den neuen Rechtsanspruch gemeinsam als Verantwortungsgemeinschaft stemmen“, ist Sozialdezernentin Katja Kreeb überzeugt. Foto: LRA Entkreis, Sebastian Seibel

ENZKREIS, 18.08.2026 (enz) –  Mit dem Ganztagesförderungsgesetz (kurz: GaFöG) ist am 1. August ein erweiterter Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft getreten. Das Jugendamt hatte dazu im Vorfeld bei den 28 Städten und Gemeinden den Bedarf abgefragt. „Die große Anstrengung, die unsere Kommunen und die Träger bei der Vorbereitung auf den Ganztagsanspruch leisten, ist beeindruckend“, kommentiert Landrat Bastian Rosenau die Ergebnisse und verspricht: „Wir werden auf diesem Weg weiterhin tatkräftig unterstützen.“

Die Schulzeitbetreuung, so eine der Erkenntnisse, ist im Enzkreis überwiegend gesichert: Insgesamt stehen rund 3.300 Betreuungsplätze zur Verfügung. Lücken gibt nur in vier Kommunen. Anders stellt sich die Situation in der Ferienbetreuung dar: Hier besteht in vielen Kommunen noch Handlungsbedarf, sei es bei der täglichen Betreuungsdauer oder den Schließzeiten.

Als zentrale Herausforderungen wurden in der Befragung räumliche Engpässe, Fachkräftemangel und Finanzierungsfragen genannt. Gewünscht werden mehr Vernetzung und fachliche Beratung, insbesondere zu den Themen Kindeswohl, herausforderndes Verhalten und Inklusion. Das Jugendamt plant daher, mit den Gemeinden und den Trägern in Qualitätsdialoge zu gehen, um passgenaue Lösungen zu entwickeln. „Als kommunale Familie werden wir den neuen Rechtsanspruch gemeinsam als Verantwortungsgemeinschaft stemmen“, ist Sozialdezernentin Katja Kreeb überzeugt.

Das gilt auch für den Wandel, in dem sich die Kindertagesbetreuung im Enzkreis befindet und der eine aktualisierte Bedarfsplanung erforderlich macht. Denn auch im Enzkreis sinken die Kinderzahlen: Die Vorausrechnungen des Statistischen Landesamts zeigen landesweit bis 2035 einen Rückgang von rund acht Prozent bei den unter 3-jährigen und fast 10 % bei den 3- bis unter 6-Jährigen.

Sinkende Kinderzahlen, steigender Qualitätsanspruch
Das bedeutet aus Sicht des Jugendamts jedoch nicht automatisch, dass der Bedarf sinkt. „Was wir brauchen, ist eine kleinräumige, differenzierte Planung, die dem tatsächlichen Bedarf vor Ort gerecht wird“, betont der stellvertretende Jugendamtsleiter Paul Renner: „Längere Betreuungszeiten, höhere pädagogische Ziele und komplexere soziale Bedarfe führen dazu, dass der Personalbedarf nicht im gleichen Maß sinkt wie die Kinderzahlen.“ Zudem gehe die Nachfrage nach starren Ganztagsangeboten zurück, während der Wunsch nach flexibleren Betreuungszeiten wachse.
„Die Kindertagespflege, heute schon eine wichtige Säule der Kindertagesbetreuung, gewinnt dabei als ergänzendes und flexibles Betreuungsangebot weiter an Bedeutung“, wie Renner erklärt. Auch hier unterstützt der Enzkreis bereits seit längerem, beispielsweise indem er Kindertagespflegepersonen fördert und den Verein Tagesmütter Enztal finanziert. Als Freier Träger übernimmt der Verein die Qualifizierung, die Vermittlung von Plätzen und die Beratung von Eltern.