Holzeinschlag an der L 572

Verkehrssicherheit hat Vorrang

bei Georg Kost

Die Landesstraße 572 zwischen Tiefenbronn und Neuhausen-Steinegg bleibt noch bis zum 21. September gesperrt. Foto: Georg Kost

TIEFENBRONN, 16.09.2026 (rsr) – Die Landesstraße 572 zwischen Tiefenbronn und Neuhausen-Steinegg bleibt auch nach der öffentlichen Besichtigung der Forstarbeiten am Montag weiterhin gesperrt. Voraussichtlich bis einschließlich 21. September ist die rund drei Kilometer lange Strecke wegen des umfangreichen Holzeinschlags nicht befahrbar. Bei einem Vor-Ort-Termin am Montag informierten die Gemeinde Tiefenbronn und das Forstamt des Enzkreises über die Hintergründe der Arbeiten, die Anforderungen an die Verkehrssicherung und die besonderen Bedingungen im teilweisen steilen Gelände.

Bürgermeisterstellvertreter Stefan Kunle begrüßte die Teilnehmer am Regenüberlaufbecken am Ende der Mühlstraße. Gemeinsam mit Mitgliedern des Gemeinderats, Vertretern des Forstamts und dem Dezernenten für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung, Holger Nickel, ging es anschließend in den betroffenen Waldabschnitt oberhalb der L 572. Jan Heckmann von Malotka, stellvertretender Forstamtsleiter im Enzkreis und Revierleiterin Simone Häuber, erläuterten vor Ort die notwendigen Maßnahmen.

Geschwächte Bäume entlang einer stark befahrenen Straße
Der Holzeinschlag ist insbesondere aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich. Rund 1700 Fahrzeuge sind täglich auf der Würmtalstraße unterwegs. Nach Angaben des Forstamts haben Dürre und die Folgen des Klimawandels dazu geführt, dass Bäume zunehmend geschwächt, krank oder sturmgefährdet sind. Entlang öffentlicher Straßen besteht für den Waldeigentümer eine besondere Verkehrssicherungspflicht. Gefährliche Bäume müssen deshalb erkannt und entfernt werden.

Von außen wirken die Bäum gesund, im Kern jedoch verfaulen sie langsam. Foto: Georg Kost

Revierleiterin Simone Hauber erläuterte, dass die Bäume im betroffenen Bereich einzeln auf Schäden und Krankheiten überprüft worden seien. Dabei seien auch Exemplare festgestellt worden, von denen eine unmittelbare Gefahr für den Straßenverkehr ausgegangen sei und die deshalb gefällt werden mussten.

Von einer flächendeckenden Rodung kann jedoch keine Rede sein. Nach Angaben des Forstamts wurde für jeden Baum differenziert entschieden, ob er aus Sicherheitsgründen entfernt werden musste oder erhalten werden konnte. Gesunde und stabile Exemplare blieben stehen. Ein Mitarbeiter des Kreisforstamts erklärte, ein Sicherheitsabstand von mindestens einer Baumlänge zur Straße wäre zwar ideal. Wegen der Hanglage sei dies entlang der L 572 jedoch an vielen Stellen nicht umzusetzen.

Schwierige Arbeiten im steilen Gelände
Wie aufwendig die Maßnahme ist, wurde beim Rundgang durch den betroffenen Waldabschnitt deutlich. Fünf Forstwirte waren mit Motorsägen im teilweise unwegsamen Gelände unterwegs. Wo die örtlichen Bedingungen es zuließen, kam ein Harvester zum Einsatz. Mit seinem Greifarm konnte die Maschine besser zugängliche und dünnere Bäume fassen, absägen und entasten. Eine Rückemaschine zog die gefällten Bäume anschließend aus dem Bestand.

Begehung im Gemeindewald oberhalb der Würmtalstraße. Foto: Georg Kost
Von außen wirkt die Fichte gesund, im Kern jedoch verfault sie langsam. Foto: Georg Kost
Wie aufwendig die Maßnahme ist, wurde beim Rundgang durch den betroffenen Waldabschnitt deutlich. Foto: Georg Kost
Zusammen mit Jan Heckmann von Malotka (Mitte), dem stellvertretenden Forstamtsleiter im Enzkreis und Revierleiterin Simone Häuber, wurden vor Ort die notwendigen Maßnahmen erläutert. Foto: Georg Kost
Bei einem Vor-Ort-Termin informierten die Gemeinde Tiefenbronn und das Forstamt des Enzkreises über die Hintergründe der Arbeiten. Foto: Georg Kost
Zusammen mit Jan Heckmann von Malotka (Mitte), dem stellvertretenden Forstamtsleiter im Enzkreis und Revierleiterin Simone Häuber, wurden vor Ort die notwendigen Maßnahmen erläutert. Foto: Georg Kost

Auch für das anfallende Restholz waren weitere Arbeitsschritte erforderlich. Ein Hacker zerkleinerte Äste und anderes Schnittmaterial, damit daraus Brennstoff beziehungsweise Hackschnitzel gewonnen werden können. Für die erforderlichen Arbeiten an den Wegen war zudem ein Bagger im Einsatz, während ein Mulcher den Bewuchs beseitigte. Die verschiedenen Maschinen und Arbeitsschritte mussten dabei eng aufeinander abgestimmt werden.

Zuletzt konzentrierten sich die Arbeiten auf den Bereich rund um das Wasserwerk. Die Hanglage und die unmittelbare Nähe zur Straße stellten dabei auf der gesamten rund drei Kilometer langen Strecke besondere Anforderungen an die Durchführung. Das trockene und milde Wetter erleichterte die Arbeiten bislang.

L 572 seit 31. August voll gesperrt
Die Arbeiten unmittelbar neben der Fahrbahn konnten nicht unter laufendem Verkehr durchgeführt werden. Deshalb wurde die L 572 am 31. August vollständig gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen dem Abzweig nach Tiefenbronn über die K 4564 und dem Abzweig nach Neuhausen-Steinegg auf die L 573.
Für Pendler und andere Verkehrsteilnehmer zwischen Weil der Stadt, Tiefenbronn, Neuhausen und Pforzheim bedeutete die Sperrung zusätzliche Wege und längere Fahrzeiten. Der Verkehr wird über die ausgeschilderte Umleitungsstrecke geführt. Zeitweise musste dieser Tage zudem die Schwarzwaldstraße nach Tiefenbronn gesperrt werden. Zwischen der L 573 und der L 572 war ein temporärer Ampelbetrieb eingerichtet.

Nach derzeitigem Stand soll die L 572 noch bis einschließlich Montag, 21. September, gesperrt bleiben. Erst wenn die erforderlichen Arbeiten abgeschlossen und der Straßenbereich gereinigt ist, kann die Strecke wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Holzlager auf der Würmtalstraße bis zum Abtransport. Foto: Georg Kost

Viele Beteiligte an der Maßnahme
Der Aufwand beschränkt sich dabei nicht auf die Arbeiten im Wald. Straßenmeisterei und Bauhof sind für die Sperrung und Ausschilderung gefordert. Das Forstamt begleitet die Maßnahme und ist neben den eigentlichen Forstarbeiten auch mit dem Holzverkauf befasst. Auch das Vermessungsamt nutzte die verkehrsfreie Zeit für eigene Arbeiten.

Mit dem Fällen der Bäume ist die Maßnahme ebenfalls noch nicht vollständig abgeschlossen. Das Stammholz sollte in den folgenden Tagen abtransportiert werden. Weiteres Schnittmaterial und Reisig werden zu Hackschnitzeln verarbeitet. Kronenreisig bleibt teilweise im Wald liegen und dient dort als Nährstoffquelle. Nach dem Abtransport des Holzes muss zudem der Straßenbereich abschließend gereinigt werden. Dafür kommt noch eine Straßenkehrmaschine zum Einsatz.

Für die Gemeinde Tiefenbronn ist der außerplanmäßige Holzeinschlag zugleich eine finanzielle Herausforderung. „Wir schlagen jetzt Bäume, die wirtschaftlich noch nicht eingeplant gewesen wären – aber die Verkehrssicherheit hat Vorrang“, sagte Bürgermeisterstellvertreter Stefan Kunle.