Wenn die Zimmerdecke plötzlich Feuer fängt

Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen

bei Georg Kost

Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost

TIEFENBRONN, 23.09.2026 (rsr)  – Plötzlich schlägt das Feuer unter der Decke zusammen. Die Temperatur steigt, dichter Rauch nimmt die Sicht, innerhalb kürzester Zeit kann sich ein Raum vollständig entzünden. Was im mobilen Brandübungscontainer der Netze BW simuliert wird, gehört zu den gefährlichsten Situationen, auf die sich Feuerwehrleute vorbereiten müssen: ein Flash-Over, eine schlagartige Durchzündung der aufgeheizten Rauchgase. Für die Atemschutzgeräteträger ist das kein spektakuläres Schauspiel, sondern eine Übung für den Ernstfall.

Seit vergangenem Freitag steht die mobile Brandübungsanlage auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Tiefenbronn und wird täglich intensiv genutzt. Noch bis Freitag haben die ehrenamtlichen Einsatzkräfte Gelegenheit, unter Bedingungen zu trainieren, die sich bei einer gewöhnlichen Feuerwehrübung kaum darstellen lassen. Bis zu 14 Atemschutzgeräteträger durchlaufen die Anlage pro Abend, insgesamt sind es 104 Einsatzkräfte aus Tiefenbronn und mehreren benachbarten Feuerwehren.

Im Inneren des zweigeschossigen, knapp 20 Quadratmeter großen Containers wird es heiß. Je nach Übungsszenario erreichen die Temperaturen zwischen 300 und 600 Grad Celsius. Foto: Georg Kost

Im Inneren des zweigeschossigen, knapp 20 Quadratmeter großen Containers wird es tatsächlich heiß. Je nach Übungsszenario erreichen die Temperaturen zwischen 300 und 600 Grad Celsius. Dunkelheit, dichter Rauch und offene Flammen erschweren die Orientierung. Eine „heiße Tür“ sowie Geräusch- und Rauchsimulatoren verstärken den realitätsnahen Eindruck. Simuliert werden unter anderem Zimmer- und Treppenbrände, Brände an Verteilerkästen, Transformatoren und Gasleitungen sowie die gefürchtete Rauchgasdurchzündung.

Gerade für jüngere Atemschutzgeräteträger ist die Erfahrung besonders wertvoll. Sie können hier unter kontrollierten Bedingungen erleben, wie sich ein Brand entwickelt und wie sich Hitze, Rauch und Flammen auf die eigene Wahrnehmung und das Arbeiten unter Atemschutz auswirken. Aber auch erfahrene Einsatzkräfte nutzen die Gelegenheit, Abläufe zu trainieren und ihre Reaktion auf außergewöhnliche Einsatzsituationen zu überprüfen.

„Zunächst kostet es schon etwas Überwindung, zum ersten Mal in den Brandcontainer zu gehen“, schildert ein junger Atemschutzgeräteträger seine Erfahrung. Nach mehreren Durchgängen entwickle sich jedoch zunehmend ein Gespür dafür, worauf es ankomme. Genau diese Erfahrung ist einer der Gründe, weshalb die Feuerwehr auf solche Trainingsmöglichkeiten angewiesen ist.

Sicherheit aus dem Kontrollraum
Während sich die Einsatzkräfte im Container den Übungsszenarien stellen, wird jeder Durchgang aus dem Kontrollraum überwacht. Martin Stehle, Manuel Weiss, Sven Baumbach, Marcel Regelmann, Sebastian Fix und Sascha Burkard gehören zum Team, das den Ablauf kontrolliert und bei Bedarf eingreift. Geleitet wird die Ausbildung von Julian Reinelt, Simon Gabler, Simon Jost, Michael Maurer und Kommandant Andreas Gerlich.

Jeder Durchgang aus dem Kontrollraum überwacht. Foto: Georg Kost

Das Training ist ausschließlich ausgebildeten Atemschutzgeräteträgern vorbehalten. Voraussetzung sind neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung auch die vorgeschriebenen gesundheitlichen Voraussetzungen. Im Einsatz sind diese Feuerwehrleute diejenigen, die unter schwerem Atemschutz in brennende Gebäude vordringen, Menschen suchen und die Brandbekämpfung unmittelbar im Gefahrenbereich übernehmen.
Für Andreas Gerlich ist die mobile Brandübungsanlage deshalb ein wichtiger Bestandteil der Aus- und Fortbildung. Die Einsatzbedingungen würden zunehmend anspruchsvoller, gleichzeitig seien Möglichkeiten, solche Situationen realitätsnah zu trainieren, begrenzt.

Die Netze BW stellt die Anlage für eine komplette Woche kostenlos zur Verfügung. Lediglich das für die Flammenerzeugung benötigte Gas muss von der Feuerwehr beziehungsweise der Gemeinde übernommen werden.
Als Betreiber der Strom- und Gasverteilnetze hat die Netze BW ein besonderes Interesse daran, Feuerwehren auf Gefahren vorzubereiten, die mit Strom- und Gasanlagen verbunden sein können. Insgesamt stehen fünf solcher mobilen Brandübungsanlagen zur Verfügung. Für die Tiefenbronner Feuerwehr ist es deshalb keine Selbstverständlichkeit, eine der Anlagen für eine komplette Woche vor Ort einsetzen zu können. Nach Angaben von Gerlich besteht diese Möglichkeit in der Regel nur etwa alle zwei Jahre.

Auch Nachbarwehren nutzen die seltene Gelegenheit
Um möglichst vielen Einsatzkräften die Fortbildung zu ermöglichen, wird in Tiefenbronn nicht nur zu den üblichen Übungszeiten gearbeitet. Die Ausbildung beginnt bereits am frühen Nachmittag und reicht bis in die späten Abendstunden. Auch das Wochenende wurde vollständig für die Übungsdurchgänge genutzt. Eingebunden sind neben den Tiefenbronner Einsatzkräften auch Atemschutzgeräteträger aus Neuhausen, Wurmberg, Wiernsheim, Heimsheim und Bad Liebenzell.

Die Zusammenarbeit mit den Nachbarwehren hat dabei einen praktischen Hintergrund. Im Einsatzgeschehen treffen die Feuerwehren immer wieder aufeinander und arbeiten gemeinsam an Schadensstellen. Eine möglichst einheitliche Ausbildung und das gemeinsame Sammeln von Erfahrungen unter realitätsnahen Bedingungen sind deshalb auch für die Zusammenarbeit im Ernstfall von Bedeutung.

Für die Freiwillige Feuerwehr Tiefenbronn bedeutet die Brandübungswoche neben dem Ausbildungsgewinn allerdings auch einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Übungsgruppen müssen eingeteilt, Zeiten koordiniert und die einzelnen Durchgänge personell begleitet werden. Hinzu kommt die Betreuung der Anlage und die permanente Überwachung der Übungen.

Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost
Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost
Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost
Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost
Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost
Im Brandcontainer trainieren Atemschutzgeräteträger unter nahezu realen Bedingungen. Foto Georg Kost

Einen unmittelbaren Eindruck davon, was Atemschutzgeräteträger bei einem Brandeinsatz leisten müssen, erhalten auch Mitglieder des Tiefenbronner Gemeinderats bei einer Besichtigung der Anlage am Mittwochabend. Dabei soll sichtbar werden, unter welchen körperlichen und psychischen Belastungen Feuerwehrleute arbeiten, wenn sie unter schwerem Atemschutz in einen verrauchten und aufgeheizten Brandraum vordringen müssen.