Verkehrsunfallbilanz für 2021 vorgestellt

Drei Radfahrer wurden getötet, zwei davon trugen keinen Helm

bei Georg Kost

Zahl der Verletzten und Getöteten ging zurück

Im Jahr 2021 wurden 15.220 Verkehrsunfälle (VU) im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim registriert. Symbolfoto: infopress24.de

PFORZHEIM/ENZKREIS/CALW/FREUDENSTADT, 08.03.2022 ( pol) – Im Jahr 2021 wurden 15.220 Verkehrsunfälle (VU) im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim registriert. Dies bedeutet einen Zuwachs um 6,5 Prozent  gegenüber dem Vorjahr. Dieser Trend ist sowohl in den Landkreisen Calw, Freudenstadt und im Enzkreis als auch im Stadtkreis Pforzheim zu erkennen. Dennoch liegen die Unfallzahlen deutlich unter denen der Jahre 2017 bis 2019. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden präsidiumsweit auf 1.644 (-3,5 Prozent) gesunken ist.

Bei diesen Unfällen verunglückten insgesamt 2.154 Menschen. Die meisten davon wurden leicht verletzt (2021: 1.684; 2020: 1.691), 439 Personen wurden schwer verletzt (2020: 455).  Bei 29 Verkehrsunfällen verloren 31 Menschen ihr Leben (2020: 35).  Von den tödlichen Verkehrsunfällen ereigneten sich vier innerorts und 25 auf Außerortsstrecken (davon drei auf der Autobahn 8).

Drei Radfahrende wurden getötet, zwei davon trugen keinen Helm. Symbolfoto infopress24.de

Drei Radfahrende wurden getötet, zwei davon trugen keinen Helm. „Trotz des zahlenmäßigen Rückgangs der Verkehrstoten darf nicht vergessen werden, welches Leid mit den Unfällen einhergeht“, betonte Polizeivizepräsident Christian Dettweiler.
Als Hauptunfallursachen gelten bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden zu schnelles Fahren und das Nichtbeachten der Vorfahrt mit einem Anteil von jeweils rund 15 Prozent.
Der Anstieg der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrenden konnte im Jahr 2021 gestoppt werden. Ihre Zahl ging von 333 auf 294 zurück. „Offensichtlich trägt die Konzeption zur Bekämpfung von Fahrradunfällen erste Früchte.
Mit der Aktion „Schütze Dein BESTES“ weisen wir die Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen auf die Notwendigkeit eines Fahrradhelmes hin. Ergänzend stellen wir den Fahrradeinzelhändlern in unserer Region Aufklärungs- und Informationsmaterial der Verkehrssicherheitsaktion GIB ACHT IM VER-KEHR zur Verfügung“, so der Leiter der Schutzpolizeidirektion, Leitender Polizeidirektor Andreas Bjedov.
Gleichwohl ist weiterhin zu beobachten, dass insbesondere Pedelec-Unfälle weiter deutlich über dem Drei-Jahres-Trend liegen. Hier spielt sicherlich auch ihr Zuwachs bei den Kaufentscheidungen eine Rolle.

Bei über 60 Prozent  der Unfälle mit Radfahrenden sind diese selbst Verursacher, bei rund der Hälfte davon sind die Radfahrenden alleinbeteiligt. „Um die Zielgruppe der Pedelec-Fahrer präventiv anzusprechen, werden durch die Kreisverkehrswacht Pforzheim-Enzkreis in enger Kooperation mit dem Referat Prävention Pedelec-Fahrsicherheitskurse angeboten. Diese erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit“, sagte Bjedov.

Deutlich rückläufig war die Zahl der Motorradunfälle. Sie nahm gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent  ab. (2020: 317, 2021: 279). Von den 279 Motorradunfällen wurden 172 von den Motorradnutzenden selbst verursacht, was einem Anteil von knapp 62 Prozent  entspricht. Die Zahl der getöteten Motorradfahrenden hat sich von acht im Jahr 2020 auf zehn im Jahr 2021 erhöht.

In 2021 gab es vier Schulwegunfälle mit Verletzten und somit einen weniger als im Vorjahr. Der Drei-Jahres-Durchschnitt (2017 bis 2019) liegt bei 14. Mitursächlich für den Rückgang ist vermutlich auch die Coronapandemie. „Gleichwohl wurde in unserer Region der Schuljahresbeginn mit der Aktion „Sicherer Schulweg“ ein Maßnahmenpaket der Verkehrsunfallprävention begleitet. Die Verkehrsteilnehmer wurden über mehrere Wochen mit Spannbändern und Plakaten zu einem rücksichtsvollen Verhalten im Straßenverkehr aufgefordert. An vielen Schulen haben wir verstärkt kontrolliert“, so Dettweiler.

Im Bereich „Junge Fahrer“ (18 bis 24 Jahre) sind die Unfallzahlen von 1.212 (2020) auf 1.296 (2021) gestiegen. Häufigste Ursache waren Geschwindigkeitsüberschreitungen mit einem Anteil von 24 Prozent. Die Gruppe der jungen Erwachsenen ist überproportional an Unfällen beteiligt. „Mit der Aktion „Schutzengel Pforzheim-Enzkreis“ konnten auch während der Pandemie zahlreiche junge Fahrer über die Gefahren im Straßenverkehr präventiv aufgeklärt werden. Es ist geplant, dieses erfolgreiche Projekt im Jahr 2022 auf den Landkreis Calw auszudehnen.
Leicht gestiegen ist die Zahl der Unfälle mit älteren Menschen (ab 65 Jahren). Elf Unfälle mehr als im Vergleich zum Vorjahr wurden registriert (2020: 1.125, 2021: 1.136). Die häufigste Unfallursache stellen hier mit 24Prozent  Vorfahrtsverletzungen dar.
Bei 271 Unfällen (2020: 280, Drei-Jahres-Vergleich: 276) war mindestens ein Unfallbeteiligter alkoholisiert. Rund 50 Prozent  der Blutentnahmen im Zusammenhang mit Alkoholunfällen wiesen eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr auf. Die Zahl der Getöteten bei diesen Unfällen erhöhte sich von zwei auf fünf.
Drogenunfälle stiegen von 22 (2020) auf 47 (2021) an. Die Zahl der dabei Verunglückten stieg von sieben auf 26.

Einzelne Aspekte für den Stadtkreis Pforzheim
Im Stadtkreis Pforzheim blieb die Anzahl der Verkehrsunfälle von 2020 (4.701) auf 2021 (4.740) nahezu gleich (+0,8 Prozent). Die Anzahl der bei einem Verkehrsunfall Getöteten stieg von zwei auf drei. Bei Radfahrunfällen ist im Stadtgebiet eine Zunahme von etwa 6Prozent  festzustellen (2020: 81, 2021: 86). Unfälle mit Beteiligung von Senioren nahmen von 336 (2020) auf 313 (2021) ab.

Einzelne Aspekte für den Enzkreis
Im Enzkreis ist ein Anstieg der Unfallzahlen um 6,4Prozent  zu verzeichnen. Im Jahr 2021 ereigneten sich insgesamt 3.947 Unfälle (2020: 3.708). Die Zahl der bei Unfällen Getöteten sank von elf (2020) auf fünf (2021). Nach einem Rückgang der Alkoholunfälle in der Statistik 2020 (2019: 86) war in 2021 wieder ein Anstieg zu verzeichnen (2020: 64, 2021: 70).

Einzelne Aspekte für den Landkreis CalwI
m Landkreis Calw erhöhte sich die Gesamtzahl der Unfälle um 4,7 Prozent  auf 3.084 (2020: 2.945). Der Negativtrend aus dem Vorjahr bei den Unfällen mit Motorradfahrenden setzte sich nicht fort. Nach dem Anstieg um rund 30Prozent  in 2020 ist jetzt ein Rückgang von 15Prozent  zu verzeichnen (2020: 127, 2021: 108).

Einzelne Aspekte für den Landkreis Freudenstadt
Auch im Bereich des Landkreises Freudenstadt stiegen die Unfallzahlen. Nachdem 2020 2.096 Unfälle registriert wurden, waren es im Jahr 2021 2.405 (Anstieg um 14,7 Prozent). Bei den Unfällen mit Fußgängern ist im Landkreis Freudenstadt im Gegensatz zu den anderen Kreisen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim eine Zunahme festzustellen. Die Anzahl stieg von 2020 (27) auf 2021 um acht. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Radfahrunfälle rückläufig ist.

Einzelne Aspekte für den Bereich der Bundesautobahn 8
In der Unfallstatistik ist für das Polizeipräsidium Pforzheim auch der 70 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen den Anschlussstellen Karlsbad und Heimsheim (beide Fahrtrichtungen) relevant. Hier stiegen die Verkehrsunfälle insgesamt um 23,7 Prozent  auf 1.044 (2020: 844). Nach einem Rückgang bei den LKW-Unfällen im Vorjahr (Minus von etwa 37 Prozent) stiegen die Zahlen in 2021 um 39,3Prozent  an (2020: 117, 2021: 163). Sie liegen den-noch deutlich unter dem Drei-Jahres-Schnitt (195). Im Hinblick auf die noch länger andauernden Baumaßnahmen auf der Autobahn 8 im Bereich der Enztalquerung wurde im März 2021 eine integrierte Stauwarnanlage in Betrieb genommen.

Ausblick: Schwerpunkte 2022
Polizeivizepräsident Dettweiler: „Es gilt, die Verkehrssicherheit im Stadtkreis Pforzheim und den Landkreisen Calw, Freudenstadt und dem Enzkreis weiter voranzutreiben. Ein Schwerpunkt der Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen wird die Hauptunfallursache Geschwindigkeit sein. Hierbei wird auch der Enforcement-Trailer, ein Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung in Form eines Anhängers, das nach Abstellen und Ausrichten eigenständig arbeitet, zum Einsatz kommen.“