VdK warnt vor sozialen Einschnitten und fordert Verantwortung für Beitragsgelder

Kreisverbandssitzung in Hamberg: Mitgliederzahlen entwickeln sich positiv, sozialpolitische Forderungen und Kritik an riskanten Finanzgeschäften der Krankenkassen stehen im Mittelpunkt

bei Georg Kost

Im Mittelpunkt der Kreisverbandssitzung standen Berichte von Werner Raab Bezirksvorstand des VdK, Bürgermeisterin Sabine Wagner, Kreisvorsitzende Ursula Hutmacher und Dirk Wenz BV-Geschäftsführer. (v.l).  Foto privat

NEUHAUSEN-HAMBERG, 20.10.2026 (rsr) – Steigende Mitgliederzahlen, Veränderungen in der Sozialpolitik und die Verantwortung für die Gelder der Versicherten: Mit diesen Themen beschäftigte sich der Sozialverband VdK Pforzheim-Enzkreis bei seiner Kreisverbandssitzung am Samstag in der Halle des St. Wolfgangs Zentrum in Hamberg. Neben dem Tätigkeitsbericht der Kreisvorsitzenden Ursula Hutmacher standen Nachwahlen zum Vorstand, Informationen zur Mitgliederentwicklung und die sozialpolitischen Positionen des Verbands auf der Tagesordnung.

Ursula Hutmacher berichtet über ein arbeitsreiches Jahr
Die Kreisvorsitzende Ursula Hutmacher aus Königsbach-Stein blickte in ihrem Tätigkeitsbericht für die Jahre 2025 und 2026 auf zahlreiche Aufgaben und Termine zurück. Seit der letzten Kreisverbandskonferenz am 18. Oktober 2025 in Illingen hatte der Kreisvorstand drei Sitzungen abgehalten. Darüber hinaus war Hutmacher als Mitglied im Bezirks- und Landesvorstand in weitere Sitzungen, Konferenzen und Tagungen eingebunden. Auch zu Verhandlungen vor dem Landessozialgericht Karlsruhe war sie zweimal bestellt worden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Unterstützung und Weiterentwicklung der Ortsverbände. Im März und April 2025 fanden an drei Terminen Schulungen zur Pflege der jeweiligen Internetauftritte statt. Zudem berichtete Hutmacher über personelle Veränderungen in mehreren Ortsverbänden. In Wiernsheim-Großglattbach wurde Tanja Dingler am 14. März 2026 zur Vorsitzenden gewählt. Für Mühlacker-Illingen-Sternenfels wurde bei einer außerordentlichen Sitzung am 27. Juni 2026 mit Marie-Luise Ziegler an der Spitze eine neue Vorstandschaft bestimmt. Auch in Straubenhardt-Dennach und Ispringen hatte es bereits 2025 Veränderungen gegeben.

Eine weitere Neuerung betrifft die Verwaltung des Verbands. Seit dem 2. Mai 2026 wird das Mitgliederverwaltungsprogramm SODALIS eingesetzt. Ein neues Kassenprogramm befand sich laut Tätigkeitsbericht in Stuttgart in der Entwicklung.

Auch die Rechtsschutzservicestelle war von personellen Veränderungen betroffen. Dirk Wenz wechselte als Geschäftsführer zum Bezirksverband Nordbaden. Das Rechtsreferententeam mit Anna Freudenreich und Markus Clemens wird von den Sekretärinnen Anja Blume, Petra Bischoff und seit dem 1. September auch Frau Kulhanek unterstützt. Hutmacher dankte dem Team für seine Arbeit.

Besonders hob die Kreisvorsitzende das ehrenamtliche Engagement hervor. Im Kreisverband seien mehr als 140 Ehrenamtliche aktiv. Landesweit engagierten sich nach ihren Angaben mehr als 10.000 Menschen für den VdK, bundesweit seien es über 60.000. Die Arbeit der Ortsverbände und ihrer Vorstände sei eine wichtige Grundlage für die Angebote und die Interessenvertretung des Sozialverbands. Hutmacher dankte den Vorstandsmitgliedern sowie den Ortsverbänden für das entgegengebrachte Vertrauen und die Zusammenarbeit. Sie erinnerte zudem an langjährige Mitglieder und Funktionsträger, deren Engagement bei Ehrungen gewürdigt werde.

Mitgliederzahlen entwickeln sich positiv
Über die Mitgliederentwicklung im Bezirksverband Nordbaden informierte Werner Raab, Bezirksvorstand des VdK. Zum 1. Januar 2026 zählte der Verband 71.436 Mitglieder. Inzwischen seien es 74.466. Das entspricht einem Zuwachs von 3.030 Mitgliedern beziehungsweise rund 4,24 Prozent.

Auch im Kreisverband Pforzheim-Enzkreis ist die Zahl der Mitglieder gestiegen. Zum 1. Januar 2026 waren 7.107 Menschen organisiert, zum 30. September 2026 bereits 7.406. Damit kamen innerhalb von neun Monaten 299 Mitglieder hinzu. Das entspricht einem Zuwachs von rund 4,21 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass der VdK in der Region weiterhin Menschen für seine Arbeit gewinnt. Zugleich bleibt die Betreuung der Mitglieder und die Unterstützung der Ortsverbände eine wichtige Aufgabe.

Nach den Grußworten von Bürgermeisterin Sabine Wagner und Werner Raab gedachten die Teilnehmer der verstorbenen Mitglieder. Bei den Nachwahlen für ausgeschiedene Beisitzer wurde Tanja Dingler, Vorsitzende des Ortsverbands Wiernsheim-Großglattbach, in den Kreisvorstand gewählt.

VdK nimmt soziale Sicherung in den Blick
Dirk Wenz, Geschäftsführer des Bezirksverbands Nordbaden, informierte über sozialpolitische Themen und die Positionen des Verbands. Der VdK setze sich für ein inklusives und solidarisches Miteinander ein. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf die soziale Absicherung von Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Kritisch sieht der Verband Überlegungen, die eine Krankschreibung erst ab dem ersten Krankheitstag vorsehen. Der VdK warnt in diesem Zusammenhang vor möglichen längeren Fehlzeiten. Auch Einschränkungen bei der Förderung altersgerechter Umbauten beschäftigen den Verband. Solche Maßnahmen seien gerade für Menschen wichtig, die möglichst lange selbstständig in ihrer Wohnung leben möchten.

Weitere Kritik betrifft geplante Kürzungen bei den Rentenbeiträgen. Der VdK warnt davor, dass Einschnitte in der sozialen Sicherung das Risiko von Altersarmut erhöhen könnten. Auch in der Pflege dürften Veränderungen nicht dazu führen, dass Pflegebedürftige schlechter gestellt werden.

Kritik an riskanten Geschäften mit Beitragsgeldern
Deutlich kritische Töne enthält die vom VdK vorgetragene Stellungnahme zu den Finanzgeschäften gesetzlicher Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Seit Monaten werde laut Bezirksvorstand Werner Raab über die schwierige finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert. Veränderungen und zusätzliche Belastungen für Versicherte, darunter steigende Zusatzbeiträge, würden als notwendig dargestellt. Vor diesem Hintergrund seien Berichte über Verluste aus riskanten Finanzgeschäften besonders problematisch.

Nach den in der Stellungnahme genannten Angaben sollen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung durch Anlagen am Kapitalmarkt mindestens 170 Millionen Euro verloren haben. Für die Kassenärztliche Vereinigung wird ein Verlust von rund 50 Millionen Euro genannt. Als Anlageprodukt werden Schuldverschreibungen mit der Bezeichnung „Securo ProLux“ angeführt.

Der VdK stellt die Frage, wie es zu solchen Verlusten kommen konnte und wer dafür Verantwortung trägt. Schließlich handele es sich um Gelder, die von Unternehmen und Versicherten aufgebracht worden seien. Der Verband verlangt Aufklärung darüber, welche Entscheidungen zu den Anlagen führten und welche Rolle die zuständigen Aufsichtsbehörden spielten. Dabei richtet sich die Kritik auch auf die Bankenaufsicht BaFin sowie auf Banken und Sparkassen, die solche Produkte vermittelt haben sollen.

Die Stellungnahme fordert, die Vorgänge umfassend aufzuarbeiten und die Verantwortlichkeiten zu klären. Dabei geht es aus Sicht des Verbands nicht nur um die Frage, wie es zu den Verlusten kommen konnte, sondern auch darum, welche Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen müssen. Die Gelder der Solidargemeinschaft dürften nicht ohne ausreichende Prüfung aufs Spiel gesetzt werden.

Die Vorwürfe und Verlustsummen stammen aus der vorgetragenen Stellungnahme. Eine unabhängige Bestätigung der konkreten Zahlen, der Abläufe und der Verantwortlichkeiten liegt den vorliegenden Angaben nicht bei.

Informationen zum Versicherungsschutz
Zum Abschluss stellte Antonio Cannova den Versicherungsschutz für die Mitglieder des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg vor. Damit erhielten die Teilnehmer einen Überblick über die entsprechenden Angebote für Mitglieder.

Die Kreisverbandssitzung verband damit organisatorische Themen und die Entwicklung des Verbands mit einer Bestandsaufnahme sozialpolitischer Herausforderungen. Im Mittelpunkt stand die Interessenvertretung der Mitglieder, die Arbeit der ehrenamtlichen Funktionsträger und die Frage, wie die soziale Absicherung auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen gewährleistet werden kann.