
Menschenrettung unter schwierigen Bedingungen. Foto: Georg Kost
TIEFENBRONN, 18.10.2026 (rsr) – Zersplitterte Scheiben, verformte Karosserien und eingeschlossene Unfallopfer: Was sich am frühen Samstagvormittag auf dem Parkplatz bei der Würmtalhalle im Tiefenbronner Ortsteil Mühlhausen abspielte, war glücklicherweise kein echter Verkehrsunfall. Für die Freiwillige Feuerwehr Tiefenbronn bot das realitätsnah vorbereitete Szenario jedoch anspruchsvolle Bedingungen, um die technische Hilfeleistung zu trainieren.
Rund 50 Feuerwehrangehörige aus den Abteilungen Tiefenbronn, Mühlhausen und Lehningen waren mit sieben Einsatzfahrzeugen beteiligt. Angenommen wurde ein schwerer Unfall auf der Verbindungsstraße zwischen Mühlhausen und Lehningen. Zwei Pkw waren mit einem Tanklastwagen zusammengestoßen. Dabei wurde der Tank beschädigt, sodass Heizöl austrat und die Fahrbahn zu verunreinigen drohte.



Sechs Verletzte mussten aus den drei Unfallfahrzeugen gerettet werden. Gleichzeitig galt es, den Brandschutz sicherzustellen, das auslaufende Heizöl einzudämmen und eine Verunreinigung der Umwelt zu verhindern. Die verschiedenen Aufgaben liefen parallel und verlangten eine enge Abstimmung zwischen den Einsatzkräften.
Menschenrettung unter schwierigen Bedingungen
Besonders anspruchsvoll war die Rettung aus einem Cabrio, das auf der Seite an einer kleinen Böschung zum Liegen gekommen war. Drei Personen befanden sich darin. Zwei waren verletzt, aber ansprechbar, eine weitere Person auf dem Rücksitz bewusstlos. Weil sich das Fahrzeug leicht bewegte, mussten die Feuerwehrleute zunächst die Lage beurteilen und den Wagen stabilisieren.

Wo Türen verklemmt sind oder verformte Karosserien den Zugang versperren, kommen hydraulische Rettungsgeräte zum Einsatz. Foto: Georg Kost
Mit vereinten Kräften richteten sie das Cabrio wieder auf. Anschließend trennten sie das Dach mit hydraulischen Rettungsgeräten ab und klappten es weg, um einen geeigneten Zugang zum Innenraum zu schaffen. Die bewusstlose Person wurde über die Heckklappe im Rahmen einer sogenannten Crash-Rettung befreit. Die beiden ansprechbaren Insassen retteten die Einsatzkräfte mithilfe eines Rettungsbretts über die geschaffene Dachöffnung.
Auch im Führerhaus des Tanklastwagens waren zwei Personen eingeschlossen. Um Fahrer und Beifahrerin möglichst schonend zu befreien, setzten die Feuerwehrleute eine Rettungsplattform ein.
Wo Türen verklemmt sind oder verformte Karosserien den Zugang versperren, kommen hydraulische Rettungsgeräte zum Einsatz. Mit Schere und Spreizer können die Einsatzkräfte Metallteile durchtrennen, Fahrzeugstrukturen auseinanderdrücken und Öffnungen schaffen. Dabei müssen sie das Fahrzeug sichern, die Rettungsschritte aufeinander abstimmen und die Lage fortlaufend beurteilen.
Die anschließende Übergabe der Verletzten an den Rettungsdienst war Teil des dargestellten Einsatzablaufs. Bei der Übung selbst war jedoch kein Rettungsdienst vor Ort.
Auslaufendes Heizöl erfordert zusätzliche Sicherungsmaßnahmen
Während ein Teil der Mannschaft die Verletzten rettete, kümmerten sich weitere Kräfte um den beschädigten Tank. Zunächst dichteten sie die undichte Stelle mit Dichtungskeilen ab. Einen Kanaleinlauf sicherten sie mit hydraulischen Dichtungskissen, damit kein Heizöl in die Kanalisation gelangen konnte. Anschließend pumpten sie den ausgetretenen Betriebsstoff mit einer Mehrzweckpumpe in Behälter um.

Sechs Verletzte mussten aus den drei Unfallfahrzeugen gerettet werden. Foto: Georg Kost
Auch der Brandschutz musste während der gesamten Übung gewährleistet bleiben. Dafür setzte die Feuerwehr Schaum ein. Lichtmasten leuchteten die Einsatzstelle aus, sodass die verschiedenen Arbeitsbereiche ausreichend beleuchtet waren.
Das Szenario machte deutlich, wie eng Menschenrettung, technische Hilfeleistung und Umweltschutz bei einem größeren Schadensereignis zusammenhängen. Während an den Fahrzeugen Rettungsöffnungen geschaffen wurden, mussten andere Einsatzkräfte den Tank sichern und die Ausbreitung des Heizöls verhindern.
Einsatzleitung behält den Überblick
Damit die einzelnen Maßnahmen ineinandergreifen, kommt der Einsatzleitung eine zentrale Rolle zu. Bei der Übung übernahm der Mannschaftstransportwagen (MTW) der Abteilung Mühlhausen die Funktion des Einsatzleitwagens. Von dort aus wurden die Arbeiten koordiniert und dokumentiert.
Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Fachstellen war im Szenario berücksichtigt. Im Ernstfall wären wegen des ausgetretenen Heizöls der Gefahrstoffzug des Enzkreises und das Umweltschutzamt des Landratsamts nachgefordert worden. Bei der Übung am Samstag waren beide Stellen nicht beteiligt. Gleiches galt für den Rettungsdienst, der bei einem tatsächlichen Unfall die medizinische Versorgung übernommen hätte.
Nach der unmittelbaren Gefahrenabwehr müssten im Ernstfall außerdem die weiteren Maßnahmen zur Aufnahme und fachgerechten Entsorgung des Heizöls organisiert werden. Dazu gehörte auch die Übergabe der Einsatzstelle an die zuständigen Stellen und Fachfirmen.
Kreisbrandmeister beobachtet den Übungsablauf
Kreisbrandmeister Carsten Sorg verschaffte sich am Samstagvormittag gemeinsam mit den Führungskräften der Feuerwehr Tiefenbronn einen Eindruck vom Vorgehen der Einsatzkräfte. Im Mittelpunkt standen die Organisation der verschiedenen Aufgaben und die praktische Umsetzung der Rettungsmaßnahmen.
Solche Übungen dienen dazu, erlernte Handgriffe zu festigen, technische Fähigkeiten zu trainieren und die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Führungskräften zu verbessern. Klare Absprachen, eine funktionierende Kommunikation und die richtige Einschätzung der Lage sind gerade dann entscheidend, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden müssen.

An der Übung beteiligten sich alle drei Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Tiefenbronn. Foto: Georg Kost
Zudem lassen sich bei Übungen Schwierigkeiten erkennen, Abläufe überprüfen und Erkenntnisse für künftige Einsätze gewinnen. Die anschließende Auswertung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.
Drei Abteilungen, ein gemeinsamer Auftrag
An der Übung beteiligten sich alle drei Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Tiefenbronn. Die Abteilung Tiefenbronn stellte 18 Einsatzkräfte mit einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 10), einem Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSF-W) und einem weiteren, in der Aufstellung als GTW bezeichneten Fahrzeug.
Aus Mühlhausen kamen 14 Feuerwehrangehörige mit einem Löschgruppenfahrzeug (LF 8/8) und einem Mannschaftstransportwagen. Die Abteilung Lehningen war mit 18 Kräften, einem Löschgruppenfahrzeug (LF 10) sowie einem Mannschaftstransportwagen mit Anhänger vertreten.
Dank an die beteiligten Unternehmen
Zum Abschluss der Übung bedankte sich Feuerwehrkommandant Andreas Gerlich bei den Unternehmen, die das Szenario durch die Bereitstellung der Fahrzeuge ermöglicht hatten. Die Firma Kurz stellte den Tankwagen zur Verfügung, die beiden als Unfallfahrzeuge eingesetzten Pkw kamen von der Firma Bastian & Wein.
Die Unterstützung ermöglichte es den Feuerwehrleuten, die technische Rettung und die Sicherungsmaßnahmen unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Gerade bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten oder eingeschlossenen Menschen müssen die Einsatzkräfte technische Geräte sicher beherrschen und ihre Arbeitsschritte präzise aufeinander abstimmen.
Die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Tiefenbronn leisten ihren Dienst ehrenamtlich. Neben der Bereitschaft zu Einsätzen investieren sie einen erheblichen Teil ihrer Freizeit in Ausbildung und Übungen. Das trainierte Zusammenspiel ist entscheidend, wenn im Ernstfall Menschen aus zerstörten Fahrzeugen gerettet und weitere Gefahren für Mensch und Umwelt verhindert werden müssen.
