Schellbronn taucht ein in die Nacht der Narretei

Schneegestöber beherrschte die 25. Auflage des Nachtumzugs beim Schellau

bei Georg Kost

In Neuhausen-Schellbronn startete der Narrenbund Schellau mit dem 25. Nachtumzug in die Fasnet. Foto. Georg Kost

NEUHAUSEN-SCHELLBRONN, 11.01.2026 (rsr) – Schellau und Narri-Naaro! In Neuhausen-Schellbronn startete der Narrenbund Schellau in die Fasnet. Glanz, Klang und ein Hauch Gänsehaut prägten die Dunkelheit – Schellbronn feierte den 25. Nachtumzug mit großem Zuspruch und jener Mischung aus Tradition und Ausgelassenheit, die das närrische Brauchtum im Biet so unverwechselbar macht. Die Narren liefen zur Hochform auf und feierten die fünfte Jahreszeit ausgelassen. In Schellbronn herrschte am Samstagabend ein Ausnahmezustand der freudvollen Art – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Wetterkapriolen und Vorfreude: Schnee als närrische Kulisse
Hexen, Teufel, finstere Sagengestalten und fröhlich verkleidete Narren vereinten sich im Schneegestöber, um gemeinsam das Jubiläum des 25. Nachtumzugs des Narrenbundes Schellau zu begehen. Amtliche Wetterwarnungen kündigten starken Schneefall an und sorgten zuweilen für Sorgenfalten beim Veranstalter hinsichtlich der Besucherzahlen, die einige vom Besuch abhielten. „Für das Wetter können wir nichts, dafür sorgen wir für jede Menge Narrenspaß“, erklärten die Umzugssprecher Fabian Kramer und Nico Theurer vor der Haupttribüne an der Umzugsstrecke an der Unterreichenbacher Straße.

Schon lange vor dem Start herrschte gespannte Erwartung: Aktive rüsteten sich, Besucherinnen und Besucher suchten sich die besten Plätze, Kinder verfolgten mit großen Augen das Treiben – ein fühlbares Knistern lag über dem Ort. Als sich die Nacht über Schellbronn legte, Fackeln ihr warmes Licht warfen und tiefe Trommelschläge durch die Straßen hallten, entfaltete sich jene besondere Atmosphäre, die Nachtumzüge so einzigartig macht.

Fabian Kramer (links) und Nico Theurer mit Schellau-Prinzessin. Foto Georg Kost

Auftakt in der Schwarzwaldhalle: närrisches Vorspiel zum Jubiläum
Bereits am späten Nachmittag setzte in der Schwarzwaldhalle das närrische Vorspiel ein. Die teilnehmenden Gruppen nutzten den Empfang zum Austausch mit befreundeten Zünften, zur Pflege gewachsener Kontakte und zur Einstimmung auf die Jubiläumsnacht. Narrenbund-Präsidentin Sandra Hehn hieß gemeinsam mit Prinzessin Chantal I. und den Ehrenpräsidenten die zahlreichen Abordnungen willkommen – eine ebenso herzliche wie traditionsreiche Geste, die das Gemeinschaftsgefühl der Narrenzünfte einmal mehr bekräftigte.

Um 18.11 Uhr erfolgte das Startsignal. Wie ein leuchtender Lindwurm schlängelte sich der Zug über die Unterreichenbacher Straße und durch angrenzende Seitenstraßen. Die kürzere Streckenführung, bleibt auch zwei Jahre nach Umsetzung Gesprächsthema – erweist sich jedoch organisatorisch als vorteilhaft.
Für das Publikum bot sich ein eindringliches Bild: Hexen, Narren und dunkle Figuren suchten spielerisch die Nähe zu den Zuschauenden, erzeugten Momente zwischen Schauer und herzhaftem Lachen und ließen die Straßenfasnet im nächtlichen Ambiente intensiv aufleben. Anfangs zögerliche Kinder fanden schnell Freude am Geschehen und wurden zu kleinen Akteuren mitten im Treiben.

Rund 2000 Maskenträger aus etwa 80 Zunftgruppen bevölkerten die Straßen. Foto: Georg Kost

Farben, Klänge, Masken: Schellbronn als närrische Bühne
Der Ruf der Fasnet zog durch die Straßen, als der närrische Tross pünktlich nach 18 Uhr seinen Weg durch die Gassen antrat – angeführt vom Narrenbund Schellau, der seinem Heimatort einmal mehr ein stimmungsvolles Fest bereitete. Das beschauliche Schellbronn verwandelte sich in eine Bühne der Farben und Klänge. Der Nachtumzug bestätigte seine Rolle als Anziehungspunkt der regionalen Fastnacht eindrucksvoll.
Rund 2000 Maskenträger aus etwa 80 Zunftgruppen bevölkerten die Straßen, so der Veranstalter. Hästräger, Hexen, Dämonen und kraftvolle Guggenmusiken verschmolzen zu einem eindrucksvollen, stetig strömenden Bild. Die Guggenmusiken setzten den klanglichen Rahmen: markante Rhythmen, wuchtige Trommeln und kraftvolle Bläser heizten die Stimmung an. Masken leuchteten im Scheinwerferlicht, Besen wirbelten, Funken stoben – alles fügte sich zu einem bewegten Panorama, das die Nacht pulsieren ließ.

Die Gruppen: Vielfalt als Herzstück des Jubiläums
Der 25. Nachtumzug lebte von Vielfalt und Präsenz. Insgesamt 80 Gruppen aus nah und fern gestalteten das Straßenspektakel mit. Hinter dem Narrenbund Schellau reihten sich unter anderem die Obergrombacher Guggenmusik „Die Nashörner“, die Walfdhufen Dämonen, die Flachter Strudelbachhexen, die Hurassel Wimsheim, Mix Tour aus Weil der Stadt, die Köhlerhexen Büchenbronn, die Schleglerhexen Heimsheim, die Pforzheimer Höllen-Hexen, s’Schwarzwälder Mutesheer, die Schömberger Narren, die Kräheneck Hexen Dillweißenstein, die Keibelhexen Huchenfeld, die Ruina Hexen aus Hirsau sowie zahlreiche weitere Formationen ein – ein facettenreiches Tableau gelebter Fastnachtstradition.
Besonderes Gewicht im Zugbild erhielten die Narrengruppen aus Tiefenbronn mit Präsident Marcel Wild, der von der Ehrentribüne grüßte. Mit über 500 Hästrägern stellten sie die zahlenmäßig stärkste Gruppe und prägten den Gesamteindruck maßgeblich. Ebenfalls markant präsentierte sich der Hau-Hu Neuhausen unter Vize-Präsidentin Melanie Bourges mit Elferrat und kraftvollen närrischen Akzenten.

Der 25. Nachtumzug in Schellbronn war von Vielfalt und Herzlichkeit geprägt. Foto Georg Kost

Sicherheit, Ordnung und närrische Disziplin
Für Sicherheit und geordneten Ablauf sorgten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste – darunter auch die DLRG/Bezirk Enz unter der Einsatzleitung von Aylin Hirth. Rund zwei Stunden dauerte der Umzug, der laut Polizeipräsidium Pforzheim weitgehend störungsfrei verlief. Der DLRG-Rettungsdienst verzeichnete insgesamt elf Patienten, wovon bei einem Patienten der Transport in ein Krankenhaus erforderlich wurde, wie Aylin Hirth auf Anfrage bestätigte. Insgesamt waren von der DLRG-Bereitschaft 16 Einsatzkräfte vor Ort.
Seitens der Polizeidirektion in Pforzheim teilte deren Pressestelle mit, dass ein Platzverweis und eine daraus resultierende polizeiliche Personengewahrsam vollzogen werden musste. Zudem verzeichnete die Polizei, die mit 24 Beamtinnen und Beamten vor Ort war, eine Streitigkeit. Insgesamt gesehen sei der Nachtumzug weitgehend störungsfrei verlaufen. Verstöße gegen den Jugendschutz blieben ebenso aus. Etwa 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer begleiteten nach Polizeiangaben das Spektakel.

Ausklang im Narrendorf – die Nacht gehört den Narren
Im Narrendorf setzte sich die Feier fort und erreichte ihren zweiten Höhepunkt, als Aktive und Gäste sich bis weit in die Nacht vermischten und die Fastnachtsfreude ihren Lauf nahm. Nach Zugende zogen Vizepräsidentin Kyra Hönig und Vizepräsident Nico Theurer ein positives Fazit. Organisation, Stimmung und Resonanz hätten die Erwartungen gerade im Hinblick auf die Wetterkapriolen erfüllt.  < Zur Fotogalerie >