
Besuch bei der Thomas Waidner GmbH . Foto: LRA Enzkreis, Jochen Enke
TIEFENBRONN/ENZKREIS, 24.03.2026 (enz) – Ob hochkomplexe Stanzteile für die Automobilindustrie oder handwerkliche Backkunst auf modernstem Niveau – der jüngste Firmenbesuch von Landrat Bastian Rosenau und Bürgermeister Frank Spottek in Tiefenbronn verdeutlichte einmal mehr die enorme Bandbreite und Innovationskraft des heimischen Mittelstands. Begleitet von Wirtschaftsförderer Jochen Enke, Björn Lörch vom Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) und Karoline Schmidt vom Jobcenter Enzkreis standen zwei Familienunternehmen im Fokus, die den Spagat zwischen Tradition und notwendiger Transformation erfolgreich meistern.
Thomas Waidner GmbH: Generationenwechsel und moderne Fertigung
Den ersten Stopp legte die Delegation bei der Thomas Waidner GmbH ein. Das traditionsreiche Unternehmen für Stanztechnik, Werkzeugbau und Baugruppenmontage wird bereits in zweiter Generation von den beiden Geschäftsführerinnen Sandra Struck und Jasmin Waidner geleitet. „Es war mir ein besonderes Anliegen, diesen Betrieb zu besuchen, da hier die Übergabe an die Töchter beispielhaft vollzogen wurde“, wie Spottek betonte.
Das Unternehmen hat erst kürzlich einen bedeutenden Meilenstein erreicht: Der Neubau ist fertiggestellt, Maschinen und Belegschaft sind bereits umgezogen. Aktuell wird noch an der Feinabstimmung der Abläufe auf den neuen Flächen gefeilt. Die Geschäftsführerinnen machten jedoch deutlich, dass die Auflagen und Vorgaben – insbesondere mit Blick auf das Statistische Landesamt – kleine Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellen. „Wir sind oft tagelang mit der Datensammlung beschäftigt und könnten hier gut Unterstützung gebrauchen“, so der Tenor der beiden Chefinnen. Damit stießen sie bei Landrat Rosenau auf offene Ohren: In vielen Betreiben, die er besuche, würden ihm die Hemmnisse der Bürokratie als großes Problem geschildert: „Wir werden nicht müde, das in die Politik weiterzutragen, denn nur so lässt sich hier langfristig und nachhaltig etwas verbessern“, so der Kreischef.
Auch eine lokale verkehrliche Herausforderung wurde noch adressiert: Ein immer wieder auftretendes Problem bei der Zufahrt auf der Rückseite des Betriebsgeländes erschwere laut den Geschäftsführerinnen die Anlieferung. Bürgermeister Spottek versprach hier eine zügige Prüfung mit dem Verkehrsamt.
Trotz globaler Marktverwerfungen blickt Waidner optimistisch in die Zukunft und plant, vor allem den Bereich der kompletten Baugruppenfertigung weiter auszubauen. Björn Lörch und Jochen Enke boten hier insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Zugang zu neuen Märkten und bei der Fördermittel-Akquise ihre Unterstützung an; hierzu wurde eine erneute Kontaktaufnahme vereinbart.

Blick hinter die Kulissen bei der Bäckerei Böss. Foto LRA Enzkreis, Jochen Enke
Bäckerei-Confiserie Böss: Wo Hightech auf Backstube trifft
Der zweite Termin führte die Gruppe zur Bäckerei Böss. Wer hier eine klassische kleine Backstube erwartete, wurde von einer hochmodernen Produktionsanlage überrascht. „Die Investitionen in diesen Maschinenpark brauchen sich hinter denen eines Metallbaubetriebs nicht zu verstecken“, stellte die Delegation fest.
Das Ehepaar Böss schilderte eindrücklich den Wandel in der Branche. Trotz steigender Energiekosten und Preisdruck setze der Betrieb auf Innovation: Dank optimierter Prozesse könne Böss mittlerweile der Hälfte des Personals am Wochenende frei geben – ein „Schmankerl“, um die Belegschaft im Bäckerhandwerk zu halten. „Dafür stehe ich dann eben selbst in der Produktion, aber es macht mir nach wie vor großen Spaß“, so der Chef mit einem Augenzwinkern. Auch seine Frau ist voll in die Prozesse integriert und hat sich intensiv in das Filial-Management eingearbeitet.
Sorge bereitet aber auch in der Bäckerbranche nach wie vor der Fachkräftemangel. „Einen Bäcker zu finden, der sein Handwerk wirklich noch von Grund auf gelernt hat, wird immer schwieriger“, so der Bäckerei-Chef. „Wir müssen nach außen noch deutlicher machen, wie viel echtes Handwerk in unseren modernen Abläufen steckt. Denn darauf legt auch die Kundschaft großen Wert“, sind sich die Eheleute Böss einig. Auch bei diesem Betrieb wird es im Nachgang nochmals Kontakt mit dem Wirtschaftsförderer geben, um alle Möglichkeiten der Fachkräftegewinnung und Fördermittel aufzuzeigen.
Fazit
Landrat Rosenau und Bürgermeister Spottek zogen auf jeden Fall eine positive Bilanz der Firmenbesuche in Tiefenbronn: „Ob in der Präzisionstechnik oder im Lebensmittelhandwerk – Unternehmen wie Waidner und Böss sind das Rückgrat unserer Kommunen und sorgen dafür, dass wir als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben. Sie zeigen Mut zur Investition und zur Veränderung. Unser Ziel als Verwaltung muss es sein, diesen Betrieben bei Themen wie Bürokratieabbau und Fachkräftesicherung partnerschaftlich zur Seite zu stehen.“
