
Die Ortsmitte in Neuhausen wird nicht mit Beton-Pflastersteinen in Grau sondern mit den höherwertigen Pflasterstein „Arconda“ ausgebaut. Symbolfoto: infopress24.de
NEUHAUSEN, 04.02.2026 (rsr) – Es sind oft die scheinbar kleinen Entscheidungen, an denen sich große kommunalpolitische Fragen entzünden. So auch am Dienstagabend in der Schwarzwaldhalle in Schellbronn, wo der Neuhausener Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeisterin Sabine Wagner über die künftige Gestaltung des Gehwegs entlang der Pforzheimer Straße beriet. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Auswahl der Pflastersteine, sondern grundsätzlicher die Frage, wie viel gestalterischer Anspruch sich die Gemeinde angesichts angespannter Finanzen leisten will.
Konkret ging es um zwei Varianten: graues Betonpflaster zu Kosten von rund 45 Euro pro Quadratmeter oder den höherwertigen Pflasterstein „Arconda“ in braunem Farb-Mix, der mit etwa 60 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt. Die Differenz entfachte eine leidenschaftliche Diskussion im Gremium. Alle Fraktionen bewegte dabei derselbe Zielkonflikt: Einerseits sollten zusätzliche Belastungen für den ohnehin stark verschuldeten Gemeindehaushalt vermieden werden, andererseits wollte niemand riskieren, dass sich die Ortsmitte künftig als gestalterischer Flickenteppich präsentiert.
Entsprechend intensiv wurden Argumente ausgetauscht, Vor- und Nachteile abgewogen und Kompromisslinien ausgelotet. Während die einen auf Kostendisziplin pochten, verwiesen andere auf die langfristige Wirkung hochwertiger Materialien im zentralen Bereich der Gemeinde.
Am Ende sprach sich eine deutliche Mehrheit für den teureren Belag aus: 16 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte stimmten für den Pflasterstein Arconda braun-mix. Fünf Ratsmitglieder votierten für das günstigere graue Betonpflaster, zwei enthielten sich der Stimme.
Ein seltener Moment der Einigkeit ergab sich bei einer weiteren Detailfrage. Anders als von der Verwaltung empfohlen, sollen die Pflastersteine quer und nicht längs verlegt werden. Hier folgte das Gremium geschlossen der Auffassung, dass die Querverlegung gestalterisch und funktional die bessere Lösung darstellt.
Einen Tag später erhielt die Debatte rückblickend eine neue Facette. Am heutigen Mittwoch erreichten Bürgermeisterin Sabine Wagner gute Nachrichten aus dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen: Der Aufstockungsantrag für das Sanierungsgebiet Ortsmitte Neuhausen wurde bewilligt. Die Gemeinde erhält im Rahmen des Städtebauförderprogramms 2026 zusätzliche 170.000 Euro. „Schade, dass das erst heute bekannt wurde, sonst hätte ich das gestern schon bei der Gemeinderatssitzung verkünden können“, kommentierte Wagner am Mittwochnachmittag. Und tatsächlich hätte diese Zusage wohl manche Diskussion relativiert, insbesondere im Hinblick auf die Mehrkosten bei der Pflasterauswahl.
Das Land Baden-Württemberg unterstützt mit dem Städtebauförderprogramm 2026 insgesamt 319 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 283 Städten und Gemeinden. Dafür stehen rund 270,63 Millionen Euro zur Verfügung, davon ein erheblicher Anteil aus Bundesmitteln.
In Neuhausen fließen die bewilligten Gelder gezielt in die laufende Sanierung der Ortsmitte und stärken damit den finanziellen Spielraum für Maßnahmen wie die Umgestaltung der Pforzheimer Straße.
So zeigt sich im Rückblick: Die Entscheidung über Pflastersteine war mehr als eine Frage von Farbe und Preis. Sie steht exemplarisch für den Anspruch der Gemeinde, ihre Ortsmitte trotz finanzieller Herausforderungen nachhaltig und gestalterisch überzeugend weiterzuentwickeln – nun flankiert von zusätzlicher Unterstützung aus Stuttgart.
