Narren übernehmen die Macht: Schellau regiert Schellbronn

Mit technischem Trotz, närrischem Scharfsinn und glibberiger Taufe startet die Fasnet im höchstgelegenen Ort des Biets

bei Georg Kost

Narrenbund Schellau feiert unterm Narrenbaum. Foto: Georg Kost

NEUHAUSEN-SCHELLBRONN, 07.01.2026 (rsr) – Am Dreikönigstag genügte ein Blick in den Schellbronner Ortskern, um zu erkennen: Die gewohnte Ordnung hat für die fünfte Jahreszeit Pause. Wo sonst die Ortswappen der vier Ortsteile still und würdevoll die kommunale Identität repräsentieren, leuchten nun die Zeichen der Schellau-Zunftgruppen. Der Narrenbund Schellau hat die Macht übernommen – nicht mit Paukenschlag, sondern mit einem umso deutlicheren Symbol. Fast lautlos, aber weithin sichtbar wurde der Herrschaftswechsel vollzogen.

Der offizielle Fasnetsauftakt geriet dabei von Beginn an zu einem Schauspiel, das der Narrenseele alle Ehre machte. Schon das Abhängen der bisherigen Wappen und das anschließende Anbringen der närrischen Tafeln entwickelte sich zu einer Prüfung der besonderen Art. Der Hubsteiger zeigte sich störrisch und widerspenstig, fast so, als wolle er sich dem närrischen Ansinnen entgegenstellen. Ein technisches Eigenleben, das den Moment dramatisch zuspitzte und den Verdacht nährte, jemand oder etwas wolle den Machtwechsel verhindern.

Zeremonienmeister Marcel Kommerau und Schellau-Vizepräsident Nino Theurer lieferten sich am Dienstagabend einen hartnäckigen, aber letztlich erfolgreichen Schlagabtausch mit der Technik bei dem sie von  Schellau- Präsidentin Sandra Hehn unterstützt wurden.  (v.l.n.r) Foto: Georg Kost

Doch gegen närrischen Scharfsinn ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Schellau-Vizepräsident Nino Theurer und Zeremonienmeister Marcel Kommerau lieferten sich am Dienstagabend einen hartnäckigen, aber letztlich erfolgreichen Schlagabtausch mit der Technik. Mit Geduld, Improvisation und einer guten Portion Fasnetsgeist wurde der Hubsteiger schließlich überlistet – sehr zur Erleichterung aller Beteiligten und zur Freude der wartenden Zunftmitglieder.

Mit leichter Verspätung, aber umso größerem Jubel fanden schließlich alle sieben Wappenschilder ihren Platz am stählernen Narrenbaum mitten in der Ortsmitte. Fast schon dramaturgisch passend, im Schutz der Nacht war das Werk vollbracht – und zugleich der Beweis erbracht, dass sich selbst moderne Technik dem unerschütterlichen Willen der Fasnet beugen muss.

Rund um den Narrenbaum hatte sich währenddessen das närrische Volk versammelt. Die Zunftgruppen des Narrenbunds Schellau bildeten einen farbenfrohen Rahmen, als Präsidentin Sandra Hehn und Prinzessin Chantal I. begrüßt wurden. Jede Gruppe steuerte ihren Teil, in närrischer Reimform Wissenswertes zur Gruppe bei. So entstand bei Glühwein und Wurst eine lebhafte, ausgelassene Stimmung, die dafür sorgte den Ortskern endgültig zur närrischen Bühne zumachen.

Bis Aschermittwoch werden die Wappenschilder nun weithin sichtbar über der Kreuzung von Hohenwarter und Unterreichenbacher Straße hängen. Sie verkünden unmissverständlich, wer in diesen Wochen das Sagen hat, und lassen keinen Zweifel daran, dass in der fünften Jahreszeit andere Regeln gelten als im restlichen Jahr.

Den krönenden Abschluss des Abends gestalteten einmal mehr die Schellehexen mit ihrer traditionellen Hexentaufe. In einer urigen und bewusst etwas schaurig-närrischen Zeremonie wurden gleich sieben Täuflinge feierlich in die Reihen aufgenommen. Ein glibberiger Brei auf dem Kopf markierte den symbolischen Übergang, bevor die neuen Hexen erstmals offiziell ihre Masken aufsetzen durften. Spätestens in diesem Moment war klar: Die Fasnet ist endgültig angekommen – und Schellbronn fest, fröhlich und unwiderruflich in närrischer Hand. Und dies wird am Samstag, 10. Januar 2026 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zum 25. Mal zieht der Schellbronner Nachtumzug durch den Ort – ein Jubiläum, das nicht nur närrische Tradition, sondern auch organisatorische Erfahrung widerspiegelt. Mehr als 2000 Hästräger aus ganz Baden-Württemberg haben ihr Kommen angekündigt und machen das kleine Schellbronn erneut zu einem Zentrum des schwäbisch-alemannischen Brauchtums.  < Fotogalerie >