Kriminalstatistik 2021 für die Region Nordschwarzwald

bei Georg Kost

Kriminalität auf historischem Tiefstand

Symbolfoto: infopress24.de

PFORZHEIM, 17.03.2022 (pol) – Kriminalität in den Landkreisen und der Stadt Pforzheim auf einem historischen Tiefstand. Zehnjahreshoch bei der Aufklärungsquote.
Im Jahr 2021 hat das Polizeipräsidium Pforzheim 21.290 Straftaten polizeilich registriert (2020: 24.228). Dies stellt einen Rückgang um 12,1% und damit einen historischen Tiefstand dar. Landesweit war ein Rückgang der Fallzahlen um 9,7% zu verzeichnen.

„Erfreulich ist, dass sich der Rückgang der Straftaten in allen drei Landkreisen und im Stadtkreis Pforzheim zeigt“, so Polizeipräsident Wolfgang Tritsch. „Der größte Rückgang ist im Landkreis Freudenstadt (-15,4%) gefolgt vom Landkreis Calw (-13,4%) und dem Stadtkreis Pforzheim (-13,2 %) festzustellen. Im Enzkreis gingen die Fallzahlen um 6,5 % zurück. Damit verzeichnen das gesamte Präsidium sowie der Landkreis Freudenstadt und der Stadtkreis Pforzheim ein Zehnjahrestiefstand bei der polizeilich registrierten Kriminalität.“

Die Kriminalitätsbelastung, die über die Häufigkeitszahl zum Ausdruck gebracht wird, sank von 4.018 Straftaten (2020) pro 100.000 Einwohner auf 3.523. Sie liegt damit weiterhin deutlich unter der landesweiten Häufigkeitsziffer von 4.380. Das Polizeipräsidium Pforzheim nimmt wie im Vorjahr landesweit den vierten Platz im Vergleich der 13 regionalen Polizeipräsidien ein. Die Stadt Pforzheim ist beim Ranking mit den neun kreisfreien Städten des Landes wie in 2020 auf Platz 2, hinter Heilbronn. Unter den 35 Landkreisen nimmt der Enzkreis erneut Platz 2 ein und die Landkreise Calw und Freudenstadt haben sich auf die Ränge 7 (Vorjahr Platz 11) und 8 (Vorjahr Platz 13) verbessert.

„Mit der Steigerung der Aufklärungsquote um 1,7 Prozentpunkte auf 65,9% erreicht der Anteil der aufgeklärten Straftaten ein Zehnjahreshoch und liegt knapp über dem Landesdurchschnitt (65,3%). Für den tagtäglichen Einsatz und die erfolgreiche Ermittlungsarbeit danke ich all unseren Polizistinnen und Polizisten, die während der Corona-Pandemie gerade in diesem Aufgabenfeld hervorragende Arbeit geleistet haben“, sagt Tritsch.

„Das Sinken der Fallzahlen geht trotz höherer Aufklärungsquote mit einem Rückgang bei den Tatverdächtigen einher“, führt der Polizeipräsident aus. „Waren es 2020 insgesamt 11.777 Tatverdächtige, so sank deren Anzahl auf 10.710. Knapp 80% der Tatverdächtigen waren männlich. Die Altersverteilung bei den 10.710 ermittelten Tatverdächtigen sieht wie folgt aus: 8.417 Erwachsene, 948 Heranwachsende, 1.013 Jugendliche und 332 Kinder. Der Anteil Nichtdeutscher Tatverdächtiger blieb unverändert bei 37%.“

Bei den als „Opferdelikte“ bezeichneten Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre, sexuelle Selbstbestimmung wurden 4.785 (2020: 5.157) Opfer erfasst. Das bedeutet ein Minus von 7,2%. Mit 77,4% stellt die Gruppe der Erwachsenen gegenüber den Heranwachsenden, Jugendlichen und Kindern den mit Abstand größten Anteil dar. Rund 60% der Opfer sind männlich. Der Anteil nichtdeutscher Opfer liegt bei knapp 30%.

Bei der Kriminalitätsverteilung auf die sogenannten Deliktsgruppen (zum Beispiel Straftaten gegen das Leben, die sexuelle Bestimmung, die persönliche Freiheit sowie Vermögens-/Fälschungsdelikte und Diebstahl) entsprachen die prozentualen Anteile in etwa denen des Vorjahres.

Straftaten gegen das Leben
Die Straftaten gegen das Leben liegen mit 19 Fällen (-26,9 %) deutlich unter dem Vorjahresniveau (2020: 26). Diese rückläufige Fallzahlenentwicklung spiegelt nicht den Landestrend (+1,8%). „Auffällig ist, dass von den 29 Tatverdächtigen 15 Personen unter 21 Jahre alt waren“, stellt die Leiterin der Kriminalpolizeidirektion, Frau Sandra Zarges fest. „Die Aufklärungsquote liegt bei 84,2%. Der Anteil Nichtdeutscher ist von rund 23% auf zirka 52% gestiegen; in Zahlen: von sieben auf 15.“

Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Die Zahl der Straftaten gegen die persönliche Freiheit nimmt seit einigen Jahren stetig zu (Bedrohung, Nachstellung, Nötigung und Freiheitsberaubung). Auffällig ist hierbei der Anstieg von strafrechtlich relevanten Bedrohungen, die über Mobiltelefone, Internet und soziale Medien verübt werden. Es wurden 139 Fälle mehr als im Vorjahr (2020: 933) registriert.

„Gründe hierfür dürften unter anderem in einem sensibleren Anzeigeverhalten und der verstärkten Nutzung der Möglichkeit zur online Anzeigenerstattung liegen. Auch die 2021 erfolgte Gesetzesänderung beim Tatbestand der Bedrohung führt zu erhöhten Fallzahlen. Bei den Körperverletzungsdelikten ist ein deutlicher Rückgang um 15,6% zu verzeichnen. Die Anzahl der zur Anzeige gebrachten Delikte sank von 2.918 (2020) auf 2.464. Dieser Rückgang lässt sich nach unserer Analyse wesentlich auf die massiven pandemiebedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens (u. a. Schließung von Diskotheken, Ausfall von Großveranstaltungen etc.) zurückführen,“ so die Kripochefin.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
Erneut sind die Fallzahlen in diesem Deliktsbereich erheblich angestiegen, um 40,3% auf nunmehr 822 Fälle. Intensivierte Ermittlungen konnten 2021 das Dunkelfeld im Bereich der Verbreitung kinderpornografischer Schriften weiter aufhellen. So führte auch die Zusammenarbeit mit der halbstaatlichen US-amerikanischen Organisation „NCMEC“ zu deutlich mehr Hinweisen und Ermittlungsansätzen. Auch dadurch war im Bereich Kinderpornografie erneut ein massiver Zuwachs um 92,8% auf insgesamt 509 Fälle zu verzeichnen. Leitende Kriminaldirektorin Zarges: „Die Einrichtung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe der Schutz- und Kriminalpolizei im März 2021 hat sich absolut bewährt: Im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben wir im letzten Jahr fast 92% der Fälle aufgeklärt. Dies stellt ein Zehnjahreshoch dar. Und fast jeder aufgeklärte Fall führt uns zu weiteren Fällen. Da uns die Bearbeitung dieses sensiblen Deliktsfeldes in den nächsten Jahren weiter erheblich fordern wird, werden wir die bisherige Ermittlungsgruppe zum 01.04.2022 in einen eigenen Arbeitsbereich Kinderpornografie bei der Kriminalinspektion 1 integrieren.“

Rauschgiftkriminalität
Insgesamt 1.509 Fälle wurden im Jahr 2021 in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Dies bedeutet einen präsidiumsweiten Rückgang um 330 Fälle (-17,9%). Im Stadtkreis Pforzheim (-20,8%) sowie den Landkreisen Freudenstadt (-38,3%) und Enzkreis (-19,1%) sind die Zahlen dem landesweiten Trend entsprechend rückläufig. Einzig im Landkreis Calw ist eine Zunahme der Fälle um 12,1% zu verzeichnen.

Diebstahldelikte
Die Anzahl der Diebstähle sinkt im dritten Jahr in Folge. Der Rückgang erstreckt sich sowohl über die drei Landkreise als auch das Stadtgebiet Pforzheim. Eine Erklärung wird in der Reduzierung der Tatgelegenheiten während der pandemiebedingten Beschränkungen gesehen. „Im Jahr 2014 musste noch 961 Wohnungseinbrüche polizeilich bearbeitet werden. Im vergangenen Jahr waren es 179. Dieser historische Tiefstand ist ein Beleg für die erfolgreiche Arbeit der Polizei nicht nur im Bereich der Ermittlungen, sondern auch in der Kriminalpolizeilichen Beratung“, fasst der Leiter der Schutzpolizeidirektion, Herr Andreas Bjedov die Entwicklung des Wohnungseinbruchsdiebstahls zusammen. „Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote um 4,6 Prozentpunkte auf nunmehr 22,9% gesteigert werden“, führte Herr Bjedov weiter aus. Beim Polizeipräsidium Pforzheim eröffnete im Oktober 2021 die technisch modern eingerichtete Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in der Bahnhofstraße 13. Hier oder auch bei einem Vorort-Termin zu Hause besteht für Interessierte die Möglichkeit, sich umfassend und produktneutral durch Polizeibeamte zum Thema Einbruchschutz beraten zu lassen.

Vermögens-/Fälschungsdelikte
Dieser Deliktsbereich verzeichnet einen Rückgang um knapp 15% auf 3.988 Fälle. Des stellt den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre dar. Innerhalb der Vermögens-/Fälschungsdelikte ragen die Urkundenfälschungen heraus. Sie sind mit einem Anstieg von knapp 21% (+81 Fälle auf 470) auf einem Zehnjahreshoch. Dieser Anstieg ist ähnlich zum Rückgang bei den Diebstahlsdelikten mit der Pandemie in Zusammenhang zu bringen. Lediglich im Landkreis Freudenstadt ist bei Urkundenfälschungen ein Rückgang der Fallzahlen zu erkennen. Andreas Bjedov: „Die bereits hohe und nochmals gesteigerte Aufklärungsquote um 6,7 % auf 87,4 % bei Fälschungsdelikten zeigt, dass die Investitionen in die polizeiliche Aus- und Fortbildung aber auch in die technische Ausstattung, insbesondere in Dokumentenprüfgeräte, Früchte trägt.“ Mit einer Schadenssumme von 252.286 Euro schlagen 29 unberechtigt beantragte Corona-Soforthilfen im Bereich des Subventionsbetrugs zu Buche. Die Masche „Angeblicher Polizeibeamter“ stieg um 34,1% auf 401 Fälle an (2020: 299). In 52 Fällen (2020: 20) kam es zu einer vollendeten Tat. Dem gegenüber stehen sieben aufgeklärte Fälle. Die Schadenssumme hat sich auf 446.073 Euro mehr als verdoppelt (2020: 202.228 Euro). Eine weitere Anrufstraftat stellt der „Enkeltrick“ dar. Hier ergab die Auswertung ein Rückgang um 100 Taten im Jahr 2020 auf jetzt 92 (2021). Sieben Mal kam es zur Vollendung durch die Täter (2020: 17 Fälle). Die restlichen Fälle blieben im Versuchsstadium stecken. Vier Fälle konnten aufgeklärt werden. Die Schadenssumme beläuft sich auf 421.904 Euro (2020: 619.505 Euro). Ein Rückgang von knapp 32%.

Gewalt gegen Polizeibeamte
Nachdem im Jahr 2020 die Delikte zum Nachteil von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten mit 217 Fällen und 476 verletzten Kolleginnen und Kollegen einen bis dahin traurigen Spitzenwert erreicht hatten, ist in diesem Jahr bei der Anzahl der Fälle Stagnation eingetreten (217 Fälle) und die Zahl der Verletzten leicht auf 442 Opfer gesunken. „Ich bringe es auf den Punkt. Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte aber auch gegen Einsatzkräfte der Hilfsdienste und der Feuerwehren ist nicht zu akzeptieren. Wir werden dagegen weiterhin konsequent vorgehen“, so Leitender Polizeidirektor Andreas Bjedov.

Straßenkriminalität
Unter Straßenkriminalität werden Delikte wie Raub, Vergewaltigung, Gefährliche Körperverletzung auf Straßen und Sachbeschädigung im öffentlichen Raum zusammengefasst. Das Zehnjahrestief des letzten Jahres wird in 2021 mit einem Rückgang um 4,9 Prozent nochmals getoppt. Die Fallzahlen entwickeln sich von 3.215 (2020) auf 3.056 (2021). „Die Entwicklung der Straßenkriminalität zeigt, dass die starke polizeiliche Präsenz im öffentlichen Raum nicht nur das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig stärkt, sondern auch zu einer erheblichen Steigerung der Aufklärungsquote auf rund 29% mit einem Zehnjahreshoch geführt hat“, so der Leiter der Schutzpolizeidirektion.

Häusliche Gewalt
Seit 2015 ist ein kontinuierlicher Fallzahlenanstieg festzustellen. 2021 waren 580 Fälle zu verzeichnen (2020: 497). Beim Polizeipräsidium Pforzheim wurde zum 1. Februar 2021 die Koordinierungsstelle häusliche Gewalt (KoSt hG) eingerichtet. Neben pandemiebedingten Einschränkungen in der Öffentlichkeit trägt die KoSt hG durch ihre Sensibilisierung auch zur Erhöhung der Fallzahlen und Erhellung des Dunkelfelds bei.

Präventionsmaßnahmen
Das für die Region Nordschwarzwald zuständige Polizeipräsidium Pforzheim war mit verschiedenen öffentlichkeitswirksamen Präventionsveranstaltungen am Start. Neben digitalen Formaten, einem Aktionstag gegen Kinderpornographie, Präsenz in den Mitteilungs-/Gemeindeblättern und Medien wurden Themen wie Einbruchschutz, Fahrradsicherung, Taschendiebstahl, Delikte zum Nachteil älterer Menschen, aber auch Zivilcourage über den Social-Media-Bereich aufbereitet. „Im Jahr 2022 kommen weitere Präventionsprojekte zur Umsetzung, damit sich die Polizei auch auf diesem Wege nah bei den Menschen zeigt und der Entstehung von Kriminalität entgegenwirkt“, verspricht Polizeipräsident Wolfgang Tritsch. „Auf dem Weg zum sichersten Polizeipräsidium werden wir in 2022 bei der Kriminalitätsbekämpfung ein besonderes Augenmerk auf die Bereiche Organisierte Kriminalität, Cybersicherheit, politisch motivierte Kriminalität und Sicherheit im öffentlichen Raum legen. Ferner kommt der Bewältigung von herausragenden Einsatzlagen und eine Reduzierung von Angriffen auf Polizeibeamte/innen eine besondere Bedeutung zu“, teilte der Polizeipräsident zum Abschluss mit.