
Wo aus Holz, Beton und Formen Kunst entsteht. Foto: Stadt Pforzheim Monika Knödler
PFORZHEIM, 02.09.2026 (pm(rsr) – Der Hagenschieß wurde für zwei Wochen zum Atelier unter freiem Himmel. In der Lettenbrunnenhütte arbeiteten die Bildhauer Martin Pöll und Maximilian Bernhard vom 3. bis zum 20. August an ihren Skulpturen. Statt abgeschirmt in einem Atelier entstanden die Werke mitten im Wald. Besucher konnten den Künstlern bei der Arbeit zusehen, Fragen stellen und erleben, wie aus Holz und Beton Schritt für Schritt plastische Formen entstehen.
Aufgenommen wurden die beiden Tiroler Künstler von den Naturfreunden, die ihnen während ihres Aufenthalts die Lettenbrunnenhütte als Unterkunft zur Verfügung stellten. Für ihre Arbeit brauchten Pöll und Bernhard vor allem Zeit und Raum. Sie gruben, verschalten und mischten Beton. Kettensäge und Stechbeitel kamen zum Einsatz. Die Hütte wurde damit vorübergehend zu einer Werkstatt, in der die Entstehung der Skulpturen unmittelbar sichtbar wurde.
Zahlreiche Besucher nutzten diese Möglichkeit bereits. Sie konnten nicht nur fertige Kunst betrachten, sondern den Entstehungsprozess verfolgen und mit den Bildhauern ins Gespräch kommen. Gerade diese unmittelbare Begegnung gehört zu den Besonderheiten der Residenz: Kunst entstand dort, wo sie später auch zu sehen sein wird – im Landschaftsraum rund um das Seehaus.
Zeichnungen werden zu plastischen Formen
Maximilian Bernhard arbeitet unter anderem mit Beton und hat dafür eine eigene Technik entwickelt. Er formt selbst angemischte Betonmassen zu fragmentarischen Bauteilen. Ihre Oberflächen tragen zeichenhafte Strukturen, die an Holzschnitte erinnern.
Dafür nutzt Bernhard beschnitzte Druckstöcke, die er in Tonmasse presst oder als Matrizen im Formenbau verwendet. Die ursprünglich geschnittene Zeichnung wird dadurch aus der Fläche in den Raum übertragen. Aus einer zweidimensionalen Struktur entsteht eine plastisch erfahrbare Oberfläche.
Bernhards Arbeiten bewegen sich dabei zwischen Zeichnung und Skulptur, Fläche und Raum. Geplante technische Abläufe treffen auf freie Formen. Stahlelemente werden als Ergänzung eingesetzt und stellen zugleich die Eigenständigkeit der einzelnen Formen infrage.
Raben aus einer Eiche
Martin Pöll wählte einen Eichenstamm als Ausgangsmaterial für seine Arbeit in der Lettenbrunnenhütte. Aus dem Holz formte er Raben. Naturmaterialien bilden grundsätzlich einen wichtigen Ausgangspunkt seiner bildhauerischen Arbeit. Dabei geht es ihm um das Verhältnis von Material und Form.
Seine Arbeiten basieren auf geometrischen Strukturen der Ausgangsmaterialien. Aus diesen entwickelt Pöll kombinierbare Formen, die unterschiedliche Zusammenstellungen ermöglichen. Das Material gibt dabei nicht nur den Werkstoff vor, sondern wird selbst zum Ausgangspunkt der Formensprache.
Pöll und Bernhard verbindet auch ihre Ausbildung: Beide studierten an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Professor Harald Klingelhöller.
Die während der Bildhauerresidenz entstandenen Arbeiten werden künftig am Skulpturenweg in der Nähe des Seehauses aufgestellt. Sie bleiben Eigentum der Künstler, sind dort jedoch für eine begrenzte Zeit öffentlich zu sehen. Der Besuch des Skulpturenwegs ist kostenfrei.
Veranstaltet wurde die Bildhauerresidenz vom Skulpturenweg am Seehaus e. V. in Kooperation mit dem Kulturamt Pforzheim. Damit wurde die Lettenbrunnenhütte für einige Wochen zu einem Ort, an dem Kunst nicht nur ausgestellt, sondern unmittelbar erlebt werden konnte.
Weitere Informationen finden Interessierte unter folgendem Link: https://www.sculp.de/
Hintergrund:
Die Tiroler Bildhauer Maximilian Bernhard und Martin Pöll lernten sich an der Kunstakademie Karlsruhe kennen und pflegen seitdem eine enge Künstlerfreundschaft. In ihrer Ausstellung „Martin & Max: Reginas Reise nach Tirol“ im Kulturraum Pforzheim im März 2026 erkundeten sie gemeinsam mit Kuratorin Regina M. Fischer die Möglichkeiten eines künstlerischen Dialogs. Die Ausstellung war vom 6. bis 22. März zu sehen.
Die Bildhauerresidenz von Bernhard und Pöll in der Lettenbrunnenhütte ist eine Fortsetzung dieser Ausstellung.
