Wenn der Rathausschlüssel klimpert: Pforzheims Narren übernehmen das Kommando

bei Georg Kost

Narren aus Pforzheim und Umgebung stürmen erfolgreich Neues Rathaus. Foto: Stadt Pforzheim, Ljiljana Berakovic

PFORZHEIM, 07.02.2026 (pm) – Mit Pauken, Trompeten und jeder Menge Narretei ist das Neue Rathaus am Samstag erneut gefallen. Was als Verteidigungsversuch begann, endete traditionsgemäß mit einem Machtwechsel auf Zeit: Die Karnevalsgesellschaften aus Pforzheim und der Region haben dem Rathaussturm die Krone aufgesetzt – und sich den goldenen Schlüssel gesichert. Schon am Vormittag füllte sich die Fußgängerzone mit Hästrägern, Narrengruppen und närrischem Gefolge. Statt Oberbürgermeister Peter Boch erwartete die Angreifer in diesem Jahr jedoch dessen alter ego: ein „Uni-Absolvent“ Boch, der gemeinsam mit seinen „drei Musketieren“ versuchte, die Bastion der Verwaltung zu verteidigen. Der Widerstand währte allerdings nur kurz. Nach einem symbolischen Schlagabtausch wechselte der Rathausschlüssel den Besitzer – zur Freude der versammelten Narren.

Im Foyer des Neuen Rathauses nahm der nunmehr „abgesetzte“ Rathauschef die Niederlage mit Humor. In einer launigen Ansprache erklärte der als Student kostümierte Peter Boch, er wolle künftig an einer möglichen „Pforzes Uni“ studieren und am Ende vielleicht sogar promovieren. Zugleich rief er augenzwinkernd zur Unterstützung einer zehnten Landesuniversität in Pforzheim auf, bevor er den Chefsessel offiziell bis Aschermittwoch räumte.

Damit liegt die Regentschaft über die Stadt symbolisch in den Händen der Karnevalsgesellschaft „Hochburg 1972“ Pforzheim e. V. Präsident Mario Romeiko und Vizepräsident Harald Götz führen nun bis zum Ende der närrischen Zeit das Zepter – zumindest auf dem Papier.

Zum Ausklang des Rathaussturms lud der entmachtete Oberbürgermeister alle Beteiligten zu einem kleinen Umtrunk mit Imbiss ins Foyer ein. Ein friedlicher Abschluss eines närrischen Umsturzes, der einmal mehr zeigte: In Pforzheim hat die fünfte Jahreszeit fest das Rathaus im Griff.