Wenn der Narrenbaum kopfüber grüßt

Tiefenbronner Schmellenhopfer eröffnen die heiße Phase der Fasnet

bei Georg Kost

Schmellenprinz Alexander I. sorgte bei der 17. Narrenbaumtaufe am Samstag am Forcheneck für einen perfekten Auftakt. Foto: Georg Kost

TIEFENBRONN, 04.01.2026 (rsr) – Eisigkalt bei Minusgraden vollzog sich am Samstagabend die Narrenbaumtaufe am Forcheneck. Während der Himmel winterlich verschneit war, ließen sich die Narren davon nicht beeindrucken: Mit der Taufe des Tiefenbronner Narrenbaums setzten die Schmellenhopfer unübersehbar das Signal – ab jetzt regieren die Narren. Der Baum, mit den Wurzeln keck nach oben in den Himmel gereckt, wurde nicht nur aufgestellt, sondern feierlich und mit einem Augenzwinkern in sein närrisches Amt eingeführt.

Schon früh sammelte sich rund um die Narrhalla am Forcheneck alles, was Rang, Maske und gute Laune hatte. Sämtliche Zunftgruppen waren vertreten, dazu zahlreiche Gäste aus nah und fern. Die Narren trotzten der Kälte – nicht zuletzt dank der Guggenmusiker, die dem Abend ordentlich einheizten. Die Kieselbronner Gugge Gaiße sowie die Zichfätzer Guggemüsig aus Endingen am Kaiserstuhl sorgten mit flotter, lauter Musik für eine Atmosphäre, die schnell vergessen ließ, dass das Thermometer deutlich unter null lag.

TCV Präsident Marcel Wild bei der Begrüßung zur 17. Narrenbaumtaufe. Foto: Georg Kost

Schon zum zweiten Mal eröffnete TCV-Präsident Marcel Wild gegen 18 Uhr offiziell die Narrenbaumtaufe am Forcheneck, nachdem in der Ortsmitte das Gelände rund um die Gemmingenhalle wegen deren Sanierung gesperrt ist. Wild betonte, dass die örtlichen Gegebenheiten am Forcheneck sehr gut seien, sodass auch nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Gemmingenhalle vermutlich weiterhin dieser Platz erste Wahl für die Narrenbaumtaufe bleiben werde. Noch nicht ganz schlüssig sei man hingegen bei der Schneemannsverbrennung – diese werde in diesem Jahr auf jeden Fall am Forcheneck durchgeführt.

Unterstützung erhielt der Präsident vom eingespielten Narrenbaum-Kompetenzteam um Joachim Kirste, Dirk Anders, Andreas Gerlich und Oliver Jost, das für einen reibungslosen Ablauf sorgte. Fast alle Zunftzeichen hingen bereits am Baum – eine pragmatische Entscheidung, die weniger der Eile als vielmehr der närrischen Lebensfreude geschuldet war. Schließlich sollte mehr Zeit bleiben für das, was Fasnet ebenfalls ausmacht: gemeinsames Feiern im kleinen Narrendorf.

Ein entscheidendes Zeichen fehlte dennoch zunächst: das des Schmellenprinzen. Joachim Kirste höchstpersönlich komplettierte den Baum mit dem Bild von Schmellenprinz Alexander I. Dann gehörte die Bühne dem Prinzen selbst. Mit dem traditionellen Ruf „Hibbele Hoi“ und einem kraftvollen Schlag vollzog Alexander I. die Taufe des Narrenbaums. Ein Moment, der Seltenheitswert hat und vom närrischen Publikum entsprechend gefeiert wurde.

Der Tiefenbronner Narrenbaum, mit den Wurzeln keck nach oben in den Himmel gereckt. Foto: Georg Kost

Rund um das Geschehen genossen Hunderte von Zunftmitgliedern und Besuchern den stimmungsvollen Auftakt der Straßenfasnet. Für das leibliche Wohl sorgten die Tiefenbronner Zunftgruppen gemeinschaftlich – vom klassischen Vesper bis zu wärmenden Getränken blieb kaum ein Wunsch offen. Traditionell im Kern, aber mit modernem Partyflair in der Ausprägung.

Das Narrenbaumstellen gilt als fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fasnet: Ein geschmückter Baum als sichtbares Zeichen der närrischen Herrschaft, der bis zum Ende der Fasnet – und manchmal auch ein wenig darüber hinaus – stehen bleibt. Dass dabei längst nicht mehr nur ehrfürchtige Brauchtumspflege betrieben wird, sondern auch ausgelassen gefeiert, gehört zum Zeitgeist der jungen Narren. Ein leiser Appell schwingt dennoch mit: Bei aller Ausgelassenheit soll der Respekt vor den alten Bräuchen und ihrem Sinn nicht verloren gehen.

Der Name „Schmellenhopfer“ selbst erinnert an diese Wurzeln. Der Überlieferung nach sprangen Bauern einst über die wachsende Ackerfrucht, um deren Reife zu prüfen. War der Sprung nicht mehr möglich, galt die Ernte als bereit – ein wohl recht amüsanter Anblick, der den Tiefenbronnern ihren Spitznamen einbrachte und bis heute ein Schmunzeln hervorruft.

Seit 2007 feiern die Schmellenhopfer die Narrenbaumtaufe in dieser Form. Anpassungen an die Zeit blieben nicht aus. So wurde der Termin im vergangenen Jahr bewusst vorverlegt und an den offiziellen Auftakt der schwäbisch-alemannischen Fasnet angelehnt. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte der Samstagabend eindrucksvoll.

Der Narrenbaum steht, die Taufe ist vollzogen – und Tiefenbronn weiß nun endgültig: Die närrischen Tage können kommen.

< Fotogalerie 17. Narrenbaumtaufe in Tiefenbronn >