„So viel Gutes“: Joyful lässt die Basilika erklingen und leuchten

bei Georg Kost

Chorgesang, Solostimmen und unterschiedliche Klangfarben verschmolzen beim Konzert des Tiefenbronner Chores Joyful  zu einem stimmungsvollen Gesamterlebnis. Foto: Georg Kost

TIEFENBRONN 05.10.2026 (rsr) – Es gibt Konzertabende, an denen Musik nicht nur zu hören ist, sondern einen Raum verändert. In der Basilika St. Maria Magdalena war dies am Abend der Deutschen Einheit besonders eindrucksvoll zu erleben. Rund 250 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zum Konzert des Tiefenbronner Chores Joyful und erlebten einen musikalischen Abend, der Chorgesang, Solostimmen und unterschiedliche Klangfarben zu einem stimmungsvollen Gesamterlebnis verband. Unter dem Titel „So viel Gutes“ wurde das Konzert dabei zu weit mehr als einer Folge einzelner Lieder. Musik, Gedanken über das Leben, den Glauben und das Miteinander begleiteten den Abend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Zum 30-jährigen Bestehen hatte der Chor Joyful unter der musikalischen Leitung von Sabine Widmann ein Programm zusammengestellt, das vor allem von geistlicher und christlicher Chormusik geprägt war, zugleich aber in zeitgemäßen Arrangements eine große musikalische Offenheit zeigte.
Knapp 40 Sängerinnen und Sänger formten im Altarraum ein harmonisches Klangbild. Dazu kam eine Lichttechnik, die den Kirchenraum immer wieder in unterschiedliche Stimmungen tauchte und den Chorgesang auch optisch in Szene setzte. Licht und Musik ergänzten sich dabei, ohne miteinander zu konkurrieren.

Schon mit den ersten Tönen wurde deutlich, wie breit die musikalische Palette angelegt war. Auf den gemeinsamen Chorgesang folgten immer wieder fein gesetzte instrumentale und solistische Akzente. Frank Förschler am Piano, Georg Kern am Saxophon und Jochen Manall an der Beatbox gaben dem Chorklang zusätzliche Farben. Während das Piano den Gesang stützte, setzte das Saxophon warme, teils schwebende Klangpunkte. Die Beatbox wiederum brachte ein überraschend modernes rhythmisches Element in die Basilika. Gerade aus diesem Wechselspiel entstand eine besondere Spannung zwischen getragenem Chorgesang und zeitgenössischer musikalischer Gestaltung.

Chorgesang, Solostimmen und unterschiedliche Klangfarben verschmolzen beim Konzert des Tiefenbronner Chores Joyful  zu einem stimmungsvollen Gesamterlebnis vor rund 250 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Basilika St. Maria Magdalena. Foto Georg Kost

Von „Sing Jubilate Deo“ über „Lobet Gott nicht nur mit Tönen“ und „All of Your Creation“ führte das Programm durch unterschiedliche Facetten geistlicher Musik. Mit „The Joy of the Lord“ trat Jana Sterk solistisch hervor, bevor bei „Der Blick geht nach oben“ mit Anke Fritschi und „Alles in Liebe“ mit Yvonne Röckle erneut einzelne Stimmen aus dem Chor heraus ihren eigenen musikalischen Akzent setzten. Die Solostimmen wurden dabei nicht zum Gegensatz des Chorklangs, sondern schienen aus ihm herauszuwachsen und wieder in ihn zurückzufinden.

Besonders eindrucksvoll zeigte sich dieses Zusammenspiel bei „Von allen Seiten umgibst Du mich“. Sabrina Renzino und Sandra Schmid gestalteten das Stück als Duett und verliehen ihm eine persönliche, beinahe intime Färbung. Auch „Mighty Wind“ mit Sandra Schmid und „Majesty Unveiled“ mit Sabrina Renzino öffneten den bis dahin geschlossenen Chorklang für individuelle Stimmen. Bei „Vater unser“ fanden beide Sängerinnen schließlich wieder zusammen.

Zwischen den musikalischen Momenten blieb immer wieder Raum für die Gedanken, die sich mit dem Konzerttitel verbanden. „So viel Gutes“, das Lied zur Jahreslosung 2025, wurde dabei zu einer Art musikalischem Mittelpunkt des Abends. Die Auswahl weiterer Stücke wie „Frieden finden“ und „Ich mache alles neu“, dem Lied zur Jahreslosung 2026, nahm unterschiedliche Facetten dieses Gedankens auf. Es ging um Glauben und Zuversicht, um Veränderung und Frieden, aber auch um die Möglichkeit, die Welt und das eigene Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrzunehmen. Die Musik ließ dafür genügend Raum, ohne Antworten vorzugeben.

Je weiter der Abend voranschritt, desto stärker trat neben dem kraftvollen Chorgesang auch die ruhigere Seite des Programms hervor. „Benediction“ leitete in eine zurückgenommene Klangwelt über, bevor Yvonne Röckle mit dem „Abendlied“ einen weiteren solistischen Akzent setzte. Das Licht nahm die ruhigere Stimmung auf und ließ den Altarraum in einer entsprechend gedämpften Atmosphäre erscheinen.

Doch mit dem letzten vorgesehenen Stück war der Abend noch nicht vorbei. Das Publikum belohnte die Sängerinnen und Sänger ebenso wie die Musiker mit lang anhaltendem Beifall und stehenden Ovationen. Als Zugabe erklang „Why We Sing“ – und damit ein Titel, der kaum passender hätte gewählt werden können. Denn an diesem Abend war zu erleben, wie aus vielen einzelnen Stimmen ein gemeinsamer Klang entsteht, der durch Piano, Saxophon, Beatbox und Lichtgestaltung immer wieder neue Facetten erhält.

So wurde das Konzert von Joyful in der voll besetzten Basilika zu einem Abend, der musikalische Vielfalt und gemeinsames Erleben miteinander verband. Der Chorgesang stand dabei stets im Mittelpunkt – getragen von Stimmen, die sich zu einem Klang fügten, der ebenso kraftvoll wie feinfühlig, ebenso modern wie von geistlicher Musik geprägt war.