
Symbolfoto: infopress24.de
ENZKREIS/CALW/BÖBLINGEN, 09.09.2026 (rsr/pm) – Am Donnerstag wird es um 11 Uhr in der Region laut: Sirenen heulen, Smartphones können Alarm schlagen und auch über Radio, Fernsehen und weitere Kanäle wird eine Probewarnung verbreitet. Der bundesweite Warntag betrifft längst nicht nur einzelne Städte oder Landkreise. Auch rund um Pforzheim, im Enzkreis und in den angrenzenden Regionen werden unterschiedliche Warnsysteme auf ihre Einsatzbereitschaft überprüft. Für die Bevölkerung besteht dabei keine Gefahr – dennoch steckt hinter dem Probealarm ein durchaus ernstes Anliegen: Im Ernstfall müssen Warnungen schnell, zuverlässig und möglichst flächendeckend ankommen.
Um 11 Uhr gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die zentrale Probewarnung über das Modulare Warnsystem des Bundes heraus. Von dort wird sie an zahlreiche angeschlossene Warnkanäle weitergeleitet. Dazu gehören unter anderem Warn-Apps, Cell Broadcast, Rundfunk- und Fernsehsender sowie digitale Informationssysteme. Parallel können Städte und Gemeinden ihre eigenen Warnmittel aktivieren – insbesondere Sirenen und Lautsprecherfahrzeuge.
Im Raum Pforzheim wird der Probealarm besonders deutlich wahrnehmbar sein. Die Feuerwehr Pforzheim löst um 11 Uhr alle 45 Sirenen im Stadtgebiet aus, darunter 13 neu installierte elektronische Sirenen. Um 11.45 Uhr folgt die Entwarnung.
Auch im Enzkreis beteiligen sich zahlreiche Kommunen an der Sirenenprobe. Dazu gehören unter anderem Neuhausen, Tiefenbronn, Friolzheim, Wimsheim, Wurmberg, Birkenfeld, Engelsbrand, Keltern, Mühlacker, Maulbronn und Remchingen. Zusätzlich stehen bei mehreren Feuerwehren mobile Lautsprecheranlagen zur Verfügung. Die Fachgruppen „Warnen“ der Feuerwehren in Engelsbrand, Ispringen, Maulbronn und Wurmberg können darüber hinaus kreisweit für die mobile Warnung eingesetzt werden.
Damit wird deutlich, worum es beim Warntag tatsächlich geht: Nicht ein einzelnes Warnmittel soll funktionieren, sondern ein ganzer Verbund. Fällt ein Kanal aus oder erreicht er einen Menschen nicht, können andere Systeme übernehmen.
Vom Sirenenton bis zur Warnung auf dem Smartphone
Die Sirene ist dabei vor allem ein Weckruf. Der einminütige auf- und abschwellende Heulton steht im Ernstfall für eine unmittelbare Gefahr. Wer ihn außerhalb eines Probealarms hört, sollte weitere Informationen über Radio, Warn-Apps oder andere verlässliche Informationsquellen einholen. Ein einminütiger Dauerton steht für die Entwarnung.
Besonders direkt arbeitet Cell Broadcast. Die Warnmeldung wird an Mobiltelefone übermittelt, die sich in einem entsprechenden Funkbereich befinden. Eine Anmeldung bei einem Dienst ist dafür nicht erforderlich. Neu beim Warntag 2026 ist, dass auch die Entwarnung über Cell Broadcast verschickt werden kann.
Parallel kann die Warn-App NINA Informationen aus dem Modularen Warnsystem empfangen. Dort können Behörden neben allgemeinen Warnungen auch konkrete Hinweise zur jeweiligen Gefahrenlage und zu empfohlenen Verhaltensweisen verbreiten.
Warum die Region unterschiedliche Warnsysteme braucht
Ob Hochwasser, schwere Unwetter, Waldbrand, Großbrand oder ein Schadensereignis mit gefährlichen Stoffen: Die möglichen Gefahrenlagen sind unterschiedlich – und ebenso unterschiedlich müssen Menschen erreicht werden. Gerade deshalb setzen Bund, Land, Landkreise und Kommunen auf einen Warnmix.
Der Warntag ist damit zugleich technischer Belastungstest und Übung für die Bevölkerung. Die Behörden können erkennen, wo Warnmittel nicht zuverlässig funktionieren oder verbessert werden müssen. Für die Bürger bietet der Tag die Möglichkeit, sich mit den verschiedenen Signalen und Warnkanälen vertraut zu machen. Das Land Baden-Württemberg bezeichnet den Warntag ausdrücklich als Gelegenheit, das Zusammenspiel der verschiedenen Warnmittel unter realen Bedingungen zu erproben.
Dass dabei nicht überall Sirenen zu hören sein müssen, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Warnung ausgeblieben ist. Welche kommunalen Warnmittel eingesetzt werden, entscheiden die jeweiligen Städte und Gemeinden. Die zentrale Probewarnung über die bundesweit angebundenen Systeme läuft davon unabhängig.
Was im Ernstfall zählt
Bei einer tatsächlichen Warnung gilt zunächst: Ruhe bewahren und Informationen einholen. Türen und Fenster können je nach Gefahrenlage geschlossen werden. Verlässliche Informationen liefern Warn-Apps, Radio, Fernsehen und die zuständigen Behörden.
Die Notrufnummern 110 und 112 sollten dagegen für tatsächliche Notfälle freigehalten werden. Wer lediglich wissen möchte, was eine Warnmeldung bedeutet, sollte dafür nicht die Leitstellen blockieren.
Am Donnerstag ist deshalb nicht nur interessant, ob irgendwo eine Sirene zu hören ist. Entscheidend ist vielmehr, ob die gesamte Warnkette funktioniert – von der zentralen Auslösung über Mobilfunk und Medien bis hin zu Sirenen und Lautsprecherfahrzeugen vor Ort. Genau dieses Zusammenspiel wird am 10. September in Pforzheim, im Enzkreis und weit darüber hinaus auf die Probe gestellt.
Das BBK wird einen Rückmeldekanal für die Bevölkerung einrichten. Die Bürgerinnen und Bürger können vom 10. bis 17. September unter www.warntag-umfrage.de ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen rund um den Warntag mitteilen.
