Schulsport und Vereine müssen erneut weichen

Kurzfristige Herrichtung als Drehscheibe für Menschen aus der Ukraine

bei Georg Kost

Kerschensteiner-Sporthalle in Mühlacker wird wieder für Flüchtlinge genutzt

In der Kerschensteiner Sporthalle in Mühlacker soll eine Aufnahmestelle für Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet werden. Foto: LRA Enzkreis/Hörstmann

ENZKREIS, 08.03.2022 (enz) –  Im Sommer 2015 hatte der Enzkreis die Sporthalle der Beruflichen Schule Mühlacker als Notunterkunft eingerichtet. Am heutigen Dienstag hat die Task Force Ukraine im Landratsamt die Entscheidung getroffen, erneut auf die kreiseigene Einrichtung zurückzugreifen. „Wir benötigen eine Anlaufstelle, mit der wir die Menschen, die uns von der LEA zugewiesen werden, aufnehmen können“, beschreibt Landrat Bastian Rosenau den Hintergrund. Von Mühlacker sollen die Menschen dann weiterverteilt werden in die vorläufige oder die Anschlussunterbringung oder direkt in private Wohnungen. Die Einrichtung soll bereits am kommenden Montag (14. März) den Betrieb aufnehmen.

„Wir sehen die stetig steigenden Flüchtlingszahlen aus der Ukraine und erwarten auch bei uns sehr schnell sehr viele Menschen“, sagt Rosenau. „Darauf müssen wir uns vorbereiten. In einem ersten Schritt können wir in der Halle 50 Plätze bereitstellen, in einem zweiten dann weitere 70.“ Dafür muss zunächst ein Holzboden verlegt werden, ehe Kabinenwände eingezogen und Betten gestellt werden. „Das bedeutet leider, dass wir die Halle erneut für den Schul- und Vereinssport schließen müssen“, bedauert Rosenau: Erst letzte Woche sei den Vereinen mitgeteilt worden, wie sie die Halle ab April nutzen können – „das wird nun leider nicht möglich sein.“

Im Gegensatz zu 2015 soll die Sporthalle in Mühlacker diesmal nicht für längere Aufenthalte von Geflüchteten dienen, sondern als Drehscheibe. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir die Menschen dort registrieren, vielleicht auch ärztlich untersuchen und ihnen die notwendigen Papiere ausstellen können, sie dann aber sehr schnell in Unterkünften und Wohnungen im ganzen Kreisgebiet unterbringen können“, sagt Lukas Klingenberg, der das Amt für Migration und Flüchtlinge leitet: „Die im Endausbau etwa 120 Betten sollen vor allem als Puffer dienen, damit wir bei der Suche nach der richtigen Unterbringung ein wenig Zeit gewinnen.“

Ausdrücklich nicht vorgesehen ist die Einrichtung als unmittelbare Anlaufstelle für privat eingereiste Flüchtlinge. Sie verweist Klingenberg an die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Karlsruhe: „Dort ist man auf Erst-Registrierung und die Erfassung aller notwendigen Daten eingerichtet.“ Das Land habe mittlerweile die Plätze in seinen LEAs auf 2.500 aufgestockt. „Das wird ganz sicher nicht lange reichen“, ist Landrat Rosenau überzeugt, weshalb man beim Enzkreis damit rechne, dass die Menschen sehr schnell weiterverteilt würden.

Wohnraum dringend gesucht
Beim Landratsamt sucht man nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten – sowohl in Gemeinschafts-Unterkünften als auch in privaten Wohnungen. „Die Geflüchteten aus der Ukraine bleiben maximal sechs Monate in der Obhut des Kreises, der sogenannten Vorläufigen Unterbringung“, erklärt Lukas Klingenberg. Danach übernehmen die Städte und Gemeinden die Anschluss-Unterbringung – können dies aber auch direkt anbieten. „Kostenträger bleibt in jedem Fall der Enzkreis als Untere Aufnahmebehörde“, so Klingenberg.

Bevorzugte Unterbringung, so der Amtsleiter, sei in jedem Fall eine langfristig gemietete Wohnung. „Dort können die geflüchteten Menschen am besten zur Ruhe kommen, haben ihren persönlichen Rückzugsraum und müssen nicht nach wenigen Wochen oder Monaten in eine neue Bleibe umziehen.“ Denn mit der Möglichkeit einer raschen Rückkehr in die Heimat sei bedauerlicherweise nach Lage der Dinge nicht zu rechnen.

Wie hoch die Miete ist, die das Amt übernehmen kann, hängt nicht nur von der Größe der Wohnung und deren Ausstattung ab, sondern auch davon, wie viele Menschen dort wohnen können. Ein Merkblatt werde derzeit erarbeitet und sei dann auf der Seite www.enzkreis.de/ukraine abrufbar. Wer eine Wohnung, ein Haus oder auch einen Platz für das Aufstellen von Wohncontainern anbieten möchte oder Fragen rund um das Thema hat, wendet sich am besten per E-Mail an ukraine-unterbringung@enzkreis.de.

Erfahrungen aus dem Jahr 2015 werden genutzt
„In Mühlacker können wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen und die bestehenden Pläne aus dem Jahr 2015 weitgehend unverändert nutzen“, erklärt Miriam Mayer. Die Leiterin des Amts für Technische Dienste war damals an vorderster Front dabei, als die Sporthalle der Beruflichen Schule das erste Mal zur Flüchtlings-Unterkunft wurde.

Auch bei der Ausstattung muss das Rad nicht neu erfunden werden – sogar einen großen Teil der notwendigen Inneneinrichtung hat das Landratsamt noch im Fundus. Lediglich die OSB-Platten, die den wertvollen Hallenboden schützen sollen, müssen neu beschafft werden. „Trennwände für den Aufbau der Kabinen sind ebenso vorhanden wie ausreichend Stockbetten“, so Miriam Mayer. Duschen und Toiletten stünden zunächst in der Halle zur Verfügung, weitere kämen in Form von externen Containern hinzu – „auch da haben wir noch einige in unserem Besitz.“