
Floorball-Schiedsrichter Frank Reuschling. Foto: TSV Calw
CALW/BAD LIEBENZELL, 14.08.2026 (pm/rsr) – Der Weg vom Spielertrainer zum Spitzenschiedsrichter ist für Frank Reuschling eine bemerkenswerte Entwicklung im deutschen Floorball. Der 33-Jährige aus Monakam hat sich mit viel Erfahrung, Engagement und konsequenter Arbeit inzwischen in der nationalen Spitze etabliert. Nun könnte der nächste Schritt folgen: der Sprung auf die internationale Bühne.
Für Reuschling ist Floorball weit mehr als ein Hobby. Seit mehr als 20 Jahren prägt der Sport sein Leben. Was einst durch einen Freund beim TSV Calw begann, führte ihn zunächst als Spieler und Trainer bis in die 2. Bundesliga und später auf einen anderen Weg: Mit der Pfeife in der Hand entwickelte sich Reuschling zu einem der besten Floorball-Schiedsrichter Deutschlands.
Gebürtig aus Sindelfingen, entdeckte Reuschling bereits als Jugendlicher seine Leidenschaft für Floorball. Zwar probierte er auch andere Sportarten aus, dauerhaft begeistern konnte ihn jedoch nur Floorball. Nach einer kurzen Pause kehrte er zum TSV Calw zurück und entwickelte sich dort über viele Jahre zu einer festen Größe.
Zu seinen größten Erfolgen als Spieler gehört der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dort übernahm Reuschling zusätzlich Verantwortung als Spielertrainer und führte die Mannschaft drei Spielzeiten lang durch die zweithöchste deutsche Liga. Nach einer Ligareform hätten für den TSV Calw künftig weite Auswärtsfahrten bis nach Ostdeutschland angestanden. Der Verein entschied sich deshalb für den freiwilligen Rückzug in die Regionalliga. Reuschling blieb zunächst Spielertrainer, konzentrierte sich anschließend jedoch wieder vollständig auf seine Aufgabe als Spieler.
Parallel dazu nahm seine Karriere als Schiedsrichter Fahrt auf. Da die Bundesliga von den Vereinen eine ausreichende Zahl lizenzierter Schiedsrichter verlangt, absolvierte Reuschling zunächst die entsprechende Ausbildung. Gemeinsam mit seinem damaligen Partner leitete er anschließend Spiele in der 2. und später auch in der 1. Bundesliga.
Mit dem freiwilligen Abstieg des TSV Calw wurde das Bundesligakontingent an Schiedsrichtern für den Verein jedoch nicht mehr benötigt. Sein damaliger Partner beendete seine Tätigkeit, auch Reuschling trat zunächst kürzer. Dann erreichte ihn der Anruf von Felix Stark. Der Schiedsrichter war auf der Suche nach einem neuen Partner und fragte Reuschling, ob er sich eine gemeinsame Tätigkeit vorstellen könne.
Die beiden wagten den Neustart – und legten dabei einen bemerkenswerten Start hin. Bereits in ihrer ersten gemeinsamen Saison wurden sie überwiegend für Partien der 1. Bundesliga angesetzt. Hinzu kam unmittelbar die Nominierung für das Final Four, die Endrunde des deutschen Floorball-Pokals. Dort kommen ausschließlich die besten Schiedsrichtergespanne Deutschlands zum Einsatz. „Dafür, dass wir das erst seit zwei Jahren gemeinsam machen, ist der Erfolg schon enorm“, sagt Reuschling.
Auch in der darauffolgenden Saison setzte sich die Entwicklung fort. Das Duo leitete erneut Spiele beim Final Four, war bei zahlreichen Play-off-Partien im Einsatz und wurde sogar mit dem Frauenfinale betraut. Inzwischen gehören beide zur Top-Gruppe der deutschen Schiedsrichter. Im Rahmen eines Förderprogramms werden sie zudem von erfahrenen finnischen Spitzenschiedsrichtern intensiv betreut.
Dabei geht es längst nicht nur um die korrekte Anwendung des Regelwerks. Spielmanagement, Kommunikation und Körpersprache gehören ebenfalls zu den Bereichen, in denen die beiden Schiedsrichter gezielt weiterentwickelt werden.
Der nächste Meilenstein folgte vor wenigen Wochen. Reuschling und sein Partner wurden von Floorball Deutschland für die Development Group des internationalen Floorball-Verbandes (IFF) nominiert. Bestehen sie die anstehenden Fitness-, Regel- und Sprachtests, könnten künftig internationale Einsätze folgen – von Freundschaftsspielen bis hin zu Weltmeisterschaften.
Für Reuschling wäre dies der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre. Gleichzeitig bleibt Floorball für den 33-Jährigen eine Leidenschaft, die neben dem Beruf ihren Platz finden muss. Reuschling arbeitet im Außendienst bei Hilti. Die zahlreichen Reisen quer durch Deutschland lassen sich dank flexibler Planung mit seinem Beruf vereinbaren. Dass dabei auch das Privatleben nicht zu kurz kommt, verdankt er nicht zuletzt der Unterstützung seiner Freundin.
Als Spieler hat Frank Reuschling bereits zahlreiche Höhepunkte erlebt. Die spannendsten Kapitel seiner Floorball-Laufbahn könnten allerdings noch vor ihm liegen – diesmal mit der Pfeife in der Hand.
