
Frank Tolksdorf, Mitarbeiter des Abwasserzweckverbands, erläutert die Funktion der neue Schlammentwässerungsanlage. Foto: Georg Kost
TIEFENBRONN/NEUHAUSEN, 25.06.2026 (rsr) – Täglich fallen in Haushalten, Gewerbebetrieben und öffentlichen Einrichtungen große Mengen Abwasser an. Dass dieses Wasser nach seiner Nutzung gereinigt und umweltgerecht in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Dafür sorgt der Zweckverband „Abwasserbeseitigung Biet“ mit Sitz in Tiefenbronn. Seine Kläranlage im Würmtal übernimmt eine zentrale Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge für die Gemeinden Tiefenbronn und Neuhausen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Gewässern, Natur und Umwelt.
Wie aufwendig moderne Abwasserreinigung heute ist und welche technischen Anforderungen damit verbunden sind, konnten die Gemeinderäte beider Verbandsgemeinden bei einer Besichtigung der Anlage aus erster Hand durch Frank Tolksdorf, Mitarbeiter des Abwasserzweckverbands erfahren.
Gemeinsam mit den Bürgermeistern Frank Spottek und Sabine Wagner sowie Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltungen informierten sie sich über die in den vergangenen Jahren umgesetzten Modernisierungsmaßnahmen und die zukünftige Entwicklung der Anlage.



Dabei wurde deutlich, dass hinter der scheinbar selbstverständlichen Entsorgung von Abwasser eine hochkomplexe technische Infrastruktur steht. Die Kläranlage reinigt die anfallenden Abwässer aus den angeschlossenen Gemeinden in mehreren mechanischen, biologischen und technischen Verfahrensschritten. Erst nach dieser aufwendigen Behandlung kann das gereinigte Wasser wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt werden. Gleichzeitig müssen dabei strenge gesetzliche Vorgaben des Gewässer- und Umweltschutzes dauerhaft eingehalten werden.
„Die Abwasserreinigung gehört zu den wichtigsten Pflichtaufgaben der Kommunen“, betonte Bürgermeister Frank Spottek während der Besichtigung. Die kontinuierliche Modernisierung der Anlage sei deshalb unerlässlich, um Betriebssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltstandards auch künftig gewährleisten zu können.
Moderne Technik für die Schlammbehandlung
Im Mittelpunkt der Besichtigung stand die neue Schlammentwässerungsanlage. Bei der biologischen Reinigung des Abwassers entsteht kontinuierlich sogenannter Überschussschlamm, der aus dem Reinigungssystem entfernt und für den weiteren Transport vorbereitet werden muss.
Bislang wurde dieser Schlamm zunächst mit einem Bandeindicker von einem Trockensubstanzgehalt von rund 0,6 Prozent auf etwa sechs Prozent eingedickt. Dadurch verringerte sich die anfallende Schlammmenge bereits auf etwa ein Zehntel ihres ursprünglichen Volumens. Anschließend erfolgte die weitere Entwässerung über eine Siebbandpresse, mit der ein Trockensubstanzgehalt von rund 21 Prozent erreicht wurde.
Die bisherige Technik war jedoch nach vielen Betriebsjahren zunehmend wartungsintensiv. Zudem war die Siebbandpresse nicht vollständig gekapselt. Der bei der Reinigung entstehende Feuchtigkeitsnebel belastete die Gebäudesubstanz und machte zusätzliche bauliche Maßnahmen erforderlich.



Mit der Modernisierung wurde die bisherige Technik durch eine leistungsfähige Schneckenpresse ersetzt. Diese ermöglicht eine direkte Entwässerung des Überschussschlamms, sodass künftig auf den bisherigen Bandeindicker verzichtet werden kann. Das Verfahren arbeitet weitgehend automatisiert und sorgt für einen gleichmäßigen Schlammabwurf in die bereitstehenden Container mit einem Fassungsvermögen von jeweils zehn Tonnen.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die Schlammentwässerung nun auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten betrieben werden kann. Da der Container automatisch beschickt wird, ist kein ständiger Personaleinsatz mehr erforderlich.
Wie Frank Spottek erläuterte, reduziert die neue Technik sowohl den Wartungsaufwand als auch den Stromverbrauch deutlich. Gleichzeitig erhöht sich die Betriebssicherheit. Darüber hinaus benötigt die Anlage weniger Platz. Der bislang für die Schlammeindickung genutzte Bereich kann künftig anderweitig verwendet werden, unter anderem für die Unterbringung des bereits angeschafften mobilen Notstromaggregats. Damit wird zugleich die Krisen- und Versorgungssicherheit der Anlage weiter verbessert.
Umsetzung zwischen 2023 und 2025
Die Erneuerung der Schlammentwässerung wurde über einen längeren Zeitraum vorbereitet und schließlich zwischen 2023 und 2025 realisiert. Mit den Planungsleistungen war die Firma iat GmbH beauftragt, die technische Umsetzung erfolgte durch die Firma ASW Anlagenbau.
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Mai 2025. Um den Betrieb der Kläranlage während des Umbaus ohne Unterbrechung aufrechterhalten zu können, kam vorübergehend eine mobile Schlammentwässerungsanlage zum Einsatz. Nach dem Rückbau der Altanlagen wurden zunächst Sanierungs- und Anpassungsarbeiten am Gebäude durchgeführt, bevor die neue Technik installiert werden konnte.

Im Zuge der Arbeiten wurden mehrere Risse an den Gebäudewänden festgestellt. Foto: Georg Kost
Ende September 2025 nahm die neue Schlammentwässerung ihren Betrieb auf. Die Gesamtmaßnahme wurde im November 2025 abgeschlossen.
Aktuell beschäftigt den Zweckverband noch ein offener Baumangel. Im Zuge der Arbeiten wurden Risse an den Gebäudewänden festgestellt. Das Verfahren zur Mängelbeseitigung läuft derzeit noch.
Investitionen stärken Zukunftsfähigkeit der Anlage
Auch die Finanzierung der Maßnahme war Gegenstand der Besichtigung. Für das Jahr 2023 waren im Haushalt 60.000 Euro vorgesehen und vollständig abgerechnet worden. Im Jahr 2024 standen ursprünglich 745.000 Euro zur Verfügung, von denen aufgrund von Terminverschiebungen zunächst lediglich rund 200.000 Euro benötigt wurden.
Für das Haushaltsjahr 2025 wurden weitere 500.000 Euro eingeplant. Insgesamt kalkulierte der Zweckverband mit Investitionskosten von rund 850.000 Euro. Nach aktuellem Stand fehlen noch etwa 100.000 Euro bis zur vollständigen Finanzierung der Maßnahme.
Gleichzeitig wurden die ebenfalls vorgesehenen Projekte „Sanierung der Trinkwasserleitung“ mit 300.000 Euro sowie die „Kanalsanierung“ mit 235.000 Euro im Jahr 2025 nicht umgesetzt. Dadurch konnte die notwendige Deckung innerhalb des Investitionshaushalts sichergestellt werden. Nach den Vorgaben der Gemeindehaushaltsverordnung können Ausgaben für sachlich zusammenhängende Maßnahmen gegenseitig deckungsfähig erklärt werden.
Wie Bürgermeister Frank Spottek erläuterte, kann der vorgesehene Finanzrahmen dadurch insgesamt eingehalten werden. Die Aufstellung eines Nachtragshaushalts sei nicht erforderlich.
Die Besichtigung machte deutlich, dass die Kläranlage im Würmtal weit mehr ist als eine technische Einrichtung zur Abwasserbehandlung. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der kommunalen Infrastruktur und gewährleistet Tag für Tag, dass die Abwässer aus Tiefenbronn und Neuhausen umweltgerecht gereinigt werden. Die nun abgeschlossene Modernisierung stärkt die Leistungsfähigkeit der Anlage und schafft die Voraussetzungen dafür, dass der Zweckverband seine wichtige Aufgabe auch künftig zuverlässig erfüllen kann.
