„Im Fluss der Zeit“ – Musikverein Neuhausen eröffnet Jubiläumsjahr mit bewegender Uraufführung

bei Georg Kost

Mit einem Konzertabend voller Emotionen, klanglicher Vielfalt und Heimatverbundenheit hat der Musikverein Neuhausen sein Jubiläumsjahr eröffnet. Foto: Georg Kost

NEUHAUSEN, 11.05.2026 (rsr) – Mit einem Konzertabend voller Emotionen, klanglicher Vielfalt und spürbarer Heimatverbundenheit hat der Musikverein Neuhausen e.V. am Sonntag sein Jubiläumsjahr eröffnet. Unter dem Titel „Im Fluss der Zeit“ wurde die Schwarzwaldhalle in Schellbronn zur Bühne eines besonderen musikalischen Erlebnisses: Rund 300 Besucherinnen und Besucher erlebten nicht nur ein facettenreiches Frühjahrskonzert, sondern zugleich die feierliche Welturaufführung des eigens komponierten Werkes „Timeflow – Ein Dorf im Fluss der Zeit“ von Komponist Mathias Wehr.

Der Verein feiert in diesem Jahr gleich zwei bedeutende Jubiläen: 150 Jahre Musik in Neuhausen und 100 Jahre Musikverein Neuhausen. Schon zu Beginn des Abends war spürbar, dass dieser Auftakt weit mehr sein sollte als ein klassisches Frühjahrskonzert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmolzen zu einem musikalischen Gesamtbild, das gleichermaßen feierlich wie modern wirkte.

Charmant, locker und mit feinem Gespür für die Geschichte des Vereins führte Julia Maurer durch das Programm. Sie erinnerte daran, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert habe, manches jedoch geblieben sei: „Egal wie sich die Zeit verändert – die Musik bleibt.“ Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend.

Seit 2019 steht Ralph Gundel am Dirigentenpult des Musikverein Neuhausen. Foto: Georg Kost

Bereits die Eröffnung machte die Verbindung aus Tradition und frischer Klangsprache hörbar. Mit „Let’s Celebrate“ des österreichischen Komponisten Otto M. Schwarz setzte das Vereinsorchester unter der Leitung von Ralph Gundel ein energiegeladenes Ausrufezeichen. Pop-Elemente, sinfonische Blasmusik und kraftvolle Rhythmen verbanden sich zu einem modernen Sound, den das Orchester mit hoher Präzision und bemerkenswerter Klangbalance präsentierte.

Seit 2019 steht Ralph Gundel am Dirigentenpult des Musikverein Neuhausen. Mit sicherer Hand führte er die Musikerinnen und Musiker durch ein anspruchsvolles Programm, das stilistisch immer wieder neue Farben und Stimmungen aufgriff. Dynamische Feinheiten, saubere Registerwechsel und ein homogenes Zusammenspiel verliehen dem Konzert eine durchgehend hohe musikalische Qualität.

Der emotionale Mittelpunkt des Abends war jedoch die Welturaufführung von „Timeflow – Ein Dorf im Fluss der Zeit“. Das Werk wurde eigens für das Jubiläum von Mathias Wehr komponiert, der die Komposition an diesem Abend selbst dirigierte. Schon die ersten Passagen machten deutlich, dass hier weit mehr als ein festliches Auftragswerk erklang: „Timeflow“ wurde zu einer musikalischen Reise durch Landschaft, Geschichte und Gemeinschaft der Region.

Mathias Wehr erläuterte dem Publikum die Gedankengänge hinter seiner Komposition. Foto: Georg Kost

Mathias Wehr erläuterte dem Publikum die Gedankengänge hinter seiner Komposition. Der erste Teil „A New Dawn“ beschreibe einen neuen Aufbruch und die Eindrücke, die ihn bei seinem ersten Besuch in Neuhausen inspiriert hätten. Sanfte Klangflächen und weit angelegte Melodien zeichneten dabei ein atmosphärisches Bild der Landschaft.

 

Im zweiten Abschnitt tauchte die Musik tief in die Stimmung des Schwarzwalds ein. Ruhige Passagen wechselten sich mit dichten Klangbildern ab und ließen die besondere Atmosphäre der Wälder beinahe greifbar werden.
Besonders eindrucksvoll geriet der dritte Teil des Werkes. Hier vertonte Wehr die Geschichte der sogenannten „Rassler“, die früher täglich von Neuhausen nach Pforzheim zur Arbeit gingen. Rhythmische Motive und antreibende musikalische Linien ließen diese Wege hörbar werden und verwandelten den Alltag vergangener Generationen in eine lebendige musikalische Erzählung.
Zum Abschluss richtete sich der Blick noch einmal auf das verbindende Element der Komposition: Landschaft, Flüsse und Gemeinschaft. Dabei wurde deutlich, wie eng Heimatgefühl und Musik in diesem Werk miteinander verwoben sind.

Komponist Mathias Wehr dirigierte sein Werk selbst bei der Welturaufführung. Foto: Georg Kost

Wie persönlich ihm die Komposition geworden sei, beschrieb Wehr mit bewegenden Worten: Komponieren sei oft ein stiller und einsamer Prozess am Klavier oder Schreibtisch. Umso besonderer sei es für ihn, das Werk schließlich gemeinsam mit dem Orchester auf die Bühne zu bringen und selbst dirigieren zu dürfen.

Die Begeisterung übertrug sich unmittelbar auf Publikum und Musiker. Aus den Reihen des Orchesters war immer wieder zu hören, wie treffend „Timeflow“ die Atmosphäre der Gemeinde und der gesamten Biet-Region einfange.

Auch der Vorsitzende des Musikverein Neuhausen, Michael Eck, zeigte sich tief beeindruckt. Man habe das Jubiläumsjahr bewusst anders gestalten wollen als viele andere Vereine, erklärte Eck. Das eigentliche Jubiläumskonzert werde am 28. November stattfinden, während dieses Frühjahrskonzert den emotionalen Auftakt bilde. Entscheidend seien für den Verein vor allem drei Dinge: Musik, Gemeinschaft und Heimat.

Musikalisch blieb der Abend auch nach der Uraufführung in Bewegung. Nahtlos schloss sich „Flow“ von Mario Bürki an, bevor das Orchester mit „My Dream“ von Peter Leitner einen weiteren gefühlvollen Akzent setzte. Besonders Michael Geiger überzeugte dabei mit seinem fein abgestimmten Flügelhornspiel.

Charmant, locker und mit feinem Gespür für die Geschichte des Vereins führte Julia Maurer durch das Programm. Foto: Georg Kost

Ein starkes Zeichen für die Zukunft des Vereins setzte anschließend „A Social Suite“ von Ennio Salvere. Gemeinsam mit den Nachwuchsmusikern der „Bietls“ entstand ein lebendiges musikalisches Miteinander der Generationen, das vom Publikum mit langem Applaus gefeiert wurde.
Bereits zu Beginn des Abends hatte das gemeinsame Jugendorchester aus Hohenwart, Steinegg und Neuhausen unter Leitung von Ralph Gundel mit frischer Energie und sichtbarer Spielfreude begeistert.

Mit „The Land of the Healing Waters“ von Rossano Galante öffnete sich danach noch einmal eine ruhige, fast cineastische Klangwelt, bevor das Konzertprogramm erneut Tempo aufnahm. Bei „LaBrassBanda in Concert“ brachte das Blasorchester die energiegeladene Mischung aus Brass, Reggae und moderner Blasmusik mit spürbarer Spielfreude auf die Bühne. Wechselnde Grooves, jazzige Übergänge und markante Bläserpassagen sorgten für Festivalstimmung in der Schwarzwaldhalle. Spätestens mit dem Titel „Autobahn“ sprang der Funke endgültig auf das Publikum über.

Zum Finale entführte das Orchester die Zuhörerinnen und Zuhörer mit „Puttin’ on the Ritz“ in die schillernde Welt der 1920er Jahre. Klarinettist Walter Beer setzte dabei einen weiteren musikalischen Glanzpunkt.

Emotionaler Schlusspunkt mit der Zugabe aus dem ersten Teil des Stücks Timeflow.  Foto: Georg Kost

Doch ohne Zugabe durfte das Orchester die Bühne nicht verlassen. Mit „Friday I’m in Love“ der Band The Cure folgte schließlich noch eine besondere Überraschung: Dirigent Ralph Gundel hatte den Song eigens für das Blasorchester arrangiert – eine kleine zusätzliche Premiere mit lässigem Retro-Charme und frischem Sound.

Den emotionalen Schlusspunkt setzte schließlich erneut Mathias Wehr am Dirigentenpult mit dem ersten Satz aus „Timeflow“. Damit schloss sich der Kreis eines Konzertabends, der eindrucksvoll zeigte, wie eng Musik, Geschichte, Heimat und Gemeinschaft in Neuhausen miteinander verbunden sind – und der dem Jubiläumsjahr des Musikverein Neuhausen einen ebenso festlichen wie berührenden Auftakt bescherte.