
Kohlmeisen in der Auswilderungsvoliere kurz vor der Auswilderung. Wie viele andere Wildtiere leiden auch sie derzeit unter Hitzestress. Foto: LRA Enzkreis, Sofie Bloß
ENZKREIS, 27.06.2026 (enz) – Die derzeit anhaltende Hitzewelle mit extremen Temperaturen stellt nicht nur für Menschen und Haustiere eine große Belastung dar, auch Wildtiere haben damit zu kämpfen. Besonders kritisch ist die Hitzewelle in der jahreszeitlich bedingten sensiblen Phase; viele Wildtiere ziehen derzeit ihre Jungtiere groß. Durch die hohen Temperaturen sind die Elterntiere einem weiteren Stressfaktor ausgesetzt und vielerorts kämpfen Jungtiere um ihr Leben, wie die Wildtierbeauftragte des Enzkreises, Sofie Bloß, berichtet.
„So viele Anrufe wegen aus der Höhle gefallenen Jungvögeln und Eichhörnchen wie zur Zeit hatte ich noch nie“, ergänzt der Mühlacker Revierförster Maximilian Rapp. Die meisten Jungtiere seien schon sehr weit entwickelt, bei normalen Temperaturen würden sie aber noch ein paar Tage im Nest bleiben, wie er berichtet. Besonders betroffen sind nach seinen Worten alle Tierarten, die ihren Nachwuchs in kaum beschatteten Höhlen großziehen. Meisen beispielsweise bauen ihr Nest durchaus auch in Dachrinnen. Bei den derzeitigen Temperaturen wird das aber schnell zur Todesfalle. „Hitzespringer“ nennt man dann diese Jungtiere, die aufgrund zu großer Hitze das Nest verlassen, um den lebensbedrohlich hohen Temperaturen zu entgehen.
Ob das Tier dann in menschlicher Obhut weiter aufgezogen werden soll, obliegt einer fachlichen Abwägung. „Einige Tiere können von ihren Eltern am Boden weiter versorgt werden“, so Rapp. Zudem dürfe man sie auch nicht mit den sogenannten Ästlingen verwechseln, die ebenfalls derzeit zu finden sind. Ästlinge sind deutlich weiter entwickelte Jungvögel. Sie sind bereits vollständig befiedert und können auf ihren Beinen stehen. Oft sitzen sie auf Ästen oder auf dem Boden und bewegen sich hüpfend bis flatternd fort. Diese Jungvögel werden von ihren Eltern versorgt und lernen das Fliegen, sie dürfen daher nicht „gerettet“ werden.
Wer jedoch ein offensichtlich verletztes oder geschwächtes Jungtier findet, sollte zuerst Kontakt zu einer fachkundigen Wildtier-Auffangstation aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Das Forstamt Enzkreis rät davon ab, Wildtiere ohne Erfahrung selbst großzuziehen. Das Ziel müsse jedenfalls immer die schnellstmögliche Auswilderung der Tiere sein. Dies gelinge nur mit viel Wissen, Erfahrung und einer entsprechenden Auswilderungsvoliere.
Neben der Hitzebelastung wirkt sich auch der Wassermangel auf die Tiere aus. „Flache Wasserstellen oder Vogeltränken im Garten, die regelmäßig gesäubert und mit frischem Wasser aufgefüllt werden, können den Tieren derzeit sehr helfen. Das gilt vor allem in Wohngebieten, die sich stark aufheizen“, so Sofie Bloß. Dennoch seien diese im wahrsten Sinne des Wortes nur der Tropfen auf dem heißen Stein. „Das große Problem dahinter – der Klimawandel mit zunehmenden Hitzeperioden – ist nun nicht mehr nur anhand steigender Durchschnittstemperaturen oder schwindender Gletscher sichtbar. Vielmehr zeigt er sich spätestens seit dem Extremsommer 2018 auch vor unserer eigenen Haustür und trifft neben den Bäumen auch immer mehr die Tiere. Wir sollten daher alles tun, um den Klimawandel zu bekämpfen. Und hier kann jeder und jede einen Beitrag leisten.“
