
Rathaus Weil der Stadt: Archivfoto: infopress24.de
WEIL DER STADT, 09.08.2026 (rsr) – Der Gemeinderat von Weil der Stadt hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause den Haushalt für das Jahr 2026 einstimmig beschlossen. Auch wenn die Zahlen für das kommende Jahr auf den ersten Blick vergleichsweise positiv erscheinen, sieht die Stadt darin lediglich eine vorübergehende Entwicklung. Bereits ab 2027 wird mit einer deutlichen Verschlechterung der finanziellen Situation gerechnet.
Der Ergebnishaushalt weist für 2026 ein rechnerisches Defizit von 1,3 Millionen Euro einschließlich Abschreibungen aus. Verantwortlich für das vergleichsweise geringe Minus sind hohe Gewerbesteuernachzahlungen aus den Vorjahren, die den Haushalt einmalig entlasten. Nach Einschätzung der Stadt handelt es sich dabei jedoch nicht um eine dauerhaft tragfähige Entwicklung.
Bürgermeister Christian Walter bezeichnete den Haushalt im Gemeinderat deshalb als „Übergangshaushalt“. Dies begründete er zum einen mit dem späten Beschluss des Etats infolge personeller Veränderungen in der Stadtkämmerei. Bereits nach der Sommerpause beginnen die Planungen für den Haushalt 2027. Zum anderen wurde die Haushaltsplanung erstmals von einem neuen Führungsduo in der Stadtkämmerei verantwortet. Entscheidend sei jedoch die finanzielle Situation: Während 2026 noch von außergewöhnlich hohen Gewerbesteuereinnahmen profitiere, werde für 2027 eine selbst für Weil der Stadt dramatische Haushaltslage erwartet.
Für das Haushaltsjahr 2026 kalkuliert die Stadt mit Einnahmen von rund 76,7 Millionen Euro. Die größten Ertragsquellen sind die Gewerbesteuer mit 25 Millionen Euro, der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer mit 17 Millionen Euro, Schlüsselzuweisungen des Landes in Höhe von 7,9 Millionen Euro, Gebühren mit 7,4 Millionen Euro sowie die Grundsteuer A und B mit zusammen vier Millionen Euro.
Den Einnahmen stehen Ausgaben von rund 78 Millionen Euro gegenüber. Den größten Anteil machen die Personalkosten mit 24,2 Millionen Euro aus. Hinzu kommen die Kreisumlage mit 15 Millionen Euro, die Finanzausgleichsumlage an das Land mit 9,6 Millionen Euro, Aufwendungen für die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Gebäude in Höhe von 6,4 Millionen Euro sowie Abschreibungen von 3,3 Millionen Euro.
Trotz der angespannten Perspektiven setzt die Stadt ihre Investitionen fort. Mit einem Volumen von 20,9 Millionen Euro erreicht das Investitionsprogramm erneut ein Rekordniveau. Nach Angaben der Verwaltung handelt es sich bei den meisten Maßnahmen um unaufschiebbare Pflichtaufgaben. Zu den größten Vorhaben zählen der erste Bauabschnitt des Schulcampus Jahnstraße mit dem Neubau der Grundschule für 3,1 Millionen Euro, der Neubau des Baubetriebshofs für 2,61 Millionen Euro sowie Ausgleichszahlungen in Höhe von 1,95 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Aufstufung der Südumfahrung zur Bundesstraße. Weitere Schwerpunkte sind der Neubau des Kindergartens im Kindergartenquartier an der Kirchenburg mit 1,2 Millionen Euro sowie die Beschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge für 1,1 Millionen Euro.
Neben den Pflichtaufgaben finanziert die Stadt auch zahlreiche freiwillige Leistungen. Die größten Ausgabeposten entfallen auf die Hallen in den Ortsteilen mit 1,9 Millionen Euro sowie die Kinder- und Jugendarbeit mit einer Million Euro. Weitere Mittel fließen unter anderem in die Pflege der Grünanlagen, Spielplätze, Tourismusförderung und Stadtmarketing, die Musikschule, Museen und Stadtarchiv, die Volkshochschule, Seniorenarbeit, die Bücherei sowie die Sportförderung. Das Hallenbad verursacht darüber hinaus Kosten von rund 287.000 Euro, die aufgrund seiner Organisation als Eigenbetrieb gesondert ausgewiesen werden.
Ein wesentlicher Punkt des Haushalts ist die geplante Kreditaufnahme. Zwar dürfen Kommunen Kredite ausschließlich für Investitionen aufnehmen, dennoch hatte Weil der Stadt seit 2022 auf neue Darlehen verzichtet und Investitionen stattdessen aus vorhandenen Mitteln finanziert. Diese Kreditaufnahmen sollen nun nachgeholt werden. Für 2026 ist eine Kreditaufnahme von 13,6 Millionen Euro vorgesehen. Zusammen mit den nachträglich aufgenommenen Krediten für die Jahre 2024 und 2025 beläuft sich das gesamte Kreditvolumen in diesem Jahr auf rund 35 Millionen Euro. Dadurch steigt der Schuldenstand nach derzeitiger Planung von rund 15 auf etwa 50 Millionen Euro. Nach Angaben der Stadt ist dieser Schritt notwendig, um die Finanzierung der bereits begonnenen Projekte sicherzustellen.
Der Blick auf die kommenden Jahre fällt deutlich kritischer aus. Für 2027 rechnet die Finanzplanung mit einem Defizit von rund 20 Millionen Euro im laufenden Betrieb, für 2028 sogar mit rund 25 Millionen Euro. In dieser Form wären die Haushalte nicht genehmigungsfähig, da kommunale Haushalte grundsätzlich ausgeglichen sein müssen.
Als Ursachen nennt die Stadt zum einen die bisherige Haushaltssteuerung, bei der Investitionen zunächst ohne Kreditaufnahme finanziert wurden. Zum anderen wirken sich die außergewöhnlich hohen Gewerbesteuernachzahlungen kurzfristig positiv aus, führen jedoch im kommunalen Finanzausgleich in den Folgejahren zu geringeren Landeszuweisungen und höheren Umlagen.
Verwaltung und Gemeinderat haben sich bereits in einer nichtöffentlichen Klausurtagung mit notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen befasst. Über konkrete Einsparungen soll der Gemeinderat in einer öffentlichen Sondersitzung am 22. September beraten und entscheiden. Bürgermeister Christian Walter machte im Gemeinderat die Dimension der Aufgabe deutlich: „Das wird eine Herkulesaufgabe und ein Kraftakt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zu konsolidieren. Wir sind gefangen in der Systematik der kommunalen Finanzen. Deshalb heißt es nun sparen, kürzen, schieben, wo es nur geht!“
