Deutsch-französische Freundschaft mit neuem Leben gefüllt

Musik, Tanz und Freundschaft ohne Grenzen: Wurmberg feiert die deutsch-französische Jugendbegegnung

bei Georg Kost

Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft zwischen Wurmberg und Queyras.   Foto: Georg Kost

WURMBERG, 22.08.2026 (rsr) – Junge Menschen aus zwei Ländern standen am Freitagabend gemeinsam auf der Bühne der Turn- und Festhalle Wurmberg, sangen, tanzten und musizierten. Damit wurde beim deutsch-französischen Abschlussabend sichtbar, was eine Partnerschaft im Kern ausmacht: gelebte Freundschaft.
Eine Woche lang hatten 22 Jugendliche aus dem französischen Queyras gemeinsam mit ihren Wurmberger Gastgebern Musik gemacht, getanzt, Ausflüge unternommen und neue Freundschaften geknüpft. Am Ende dieser Begegnungswoche wurde deutlich, worauf eine solche Jumelage tatsächlich baut: nicht auf Protokolle und offizielle Termine, sondern auf Menschen, persönliche Begegnungen und die Bereitschaft, die Kultur des anderen kennenzulernen und zu respektieren.

Der Abschlussabend, organisiert vom Musikverein Wurmberg und dem Verein „Freunde des Queyras – Amis du Queyras e.V.“, war deshalb weit mehr als eine musikalische Präsentation der zurückliegenden Freizeit. Auf der Bühne wurde sichtbar, was während der gesamten Woche gewachsen war: Aus französischen und deutschen Jugendlichen war eine Gemeinschaft geworden. Musik und Gesang, Tanz und gemeinsame Erlebnisse hatten Sprachbarrieren in den Hintergrund treten lassen. Französische und deutsche Fahnen wurden geschwenkt, gemeinsam gesungen und getanzt. Besonders beim Lied „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani entwickelte sich eine besondere Dynamik. Zum Schluss erklang Edith Piafs „Milord“ mit einem eigens verfassten Text und setzte einen stimmungsvollen und zugleich würdigen Schlusspunkt unter den Jugendaustausch.

Musik, Tanz und Freundschaft ohne Grenzen. Foto: Georg Kost

Im Mittelpunkt stand das deutsch-französische Jugendorchester unter der Leitung von Maik Widmann. Das Programm zeigte eindrucksvoll, wie unmittelbar Musik Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen kann. Beim Stück „You Are the Music in Me“ verschmolzen die verschiedenen musikalischen Erfahrungen zu einem gemeinsamen Klangbild. Junge Musikerinnen und Musiker traten zudem als Solisten hervor und begeisterten mit Jazzklängen und Tangorhythmen das Publikum in der Turn- und Festhalle.

Dass eine solche Gemeinschaft nicht allein auf der Bühne entsteht, zeigte sich bereits während der Proben. Maik Widmann sorgte mit viel Geduld dafür, dass sich die jungen Musiker aus Frankreich schnell in das gemeinsame Orchester einfinden konnten.
Auch Julia Teply und Angelea Grommek trugen dazu bei, dass die Jugendlichen mit Ruhe und Geschick zum gemeinsamen Tanzen fanden. Hinter den musikalischen Darbietungen stand damit eine Woche intensiver Zusammenarbeit, in der zunächst unterschiedliche Erfahrungen und Sprachen zusammenfinden mussten.

Für Mitorganisator Dietmar Schaan, der die Jugendfreizeit wie bereits in den vergangenen Jahren maßgeblich begleitete, standen deshalb Musik und Tanz im Mittelpunkt einer intensiven Begegnungswoche. Gerade darin liege die besondere Kraft des Austauschs: Musik könne Menschen miteinander verbinden, ohne dass dafür viele Worte notwendig seien.

Das deutsch-französische Jugendorchester unter der Leitung von Maik Widmann (links). Foto: Georg Kost

Genau hier liegt eine der besonderen Stärken solcher Begegnungen. Jugendliche müssen nicht dieselbe Sprache perfekt beherrschen, um gemeinsam Musik zu machen, zu tanzen, Sport zu treiben oder einen Ausflug zu unternehmen. Persönliche Begegnungen schaffen Verständnis dort, wo Distanz und Vorurteile entstehen können.

Wie viel Organisation hinter einer solchen Woche steckt, wurde beim Abschlussabend ebenfalls deutlich. Die 22 jungen Franzosen konnten dank eines dicht gefüllten Programms eine abwechslungsreiche Zeit in Wurmberg erleben. Neben den musikalischen Proben und gemeinsamen Aktivitäten standen unter anderem ein Boule-Spiel in Calw-Stammheim, ein Ausflug in den Erlebnispark Tripsdrill und weitere Unternehmungen auf dem Programm. Besonders die Gastfamilien waren dabei ein wichtiger Bestandteil des Austauschs, weil sie den Jugendlichen ermöglichten, eine Woche lang unmittelbar am Alltag ihrer Gastgeber teilzunehmen.

Auch die französische Seite hob diese Gastfreundschaft ausdrücklich hervor. Martine Dalmas, die den Abschlussabend aus persönlichen Gründen nicht miterleben konnte, hatte ihren Dank zuvor schriftlich formuliert. Zwei Jugendliche verlasen ihren Text in deutscher und französischer Sprache. Darin würdigte sie die herzliche Aufnahme durch die Wurmberger Familien ebenso wie das Engagement der zahlreichen Beteiligten. Besonders beeindruckt habe die Geduld und das Verständnis, die Dietmar Schaan während der gesamten Woche aufgebracht habe. Die Gastfamilien hätten wesentlich dazu beigetragen, dass sich die französischen Jugendlichen von Beginn an wohlfühlen konnten.

Dass die Verbindung nicht nur auf privater Ebene Bedeutung besitzt, wurde auch beim Blick auf ihre Zukunft deutlich. Bürgermeister Jörg-Michael Teply machte deutlich, wie wichtig das Engagement vieler Menschen für die deutsch-französische Freundschaft ist. Zugleich verband er damit die Hoffnung, dass diese Verbindung noch lange bestehen und von kommenden Generationen fortgeführt werden kann.

Gerade in politisch schwierigen Zeiten bekommt diese Form der Verständigung eine besondere Bedeutung. Europa mag auf dem Papier eng miteinander verbunden sein – lebendig bleibt diese Verbindung aber nur, wenn Menschen miteinander im Gespräch und im Austausch bleiben. Was Jugendliche dabei lernen, lässt sich kaum in einem Schulbuch vermitteln: Eine andere Sprache, andere Gewohnheiten oder eine andere musikalische Tradition müssen keine Grenzen errichten. Wer gemeinsam musiziert, tanzt, lacht und Zeit miteinander verbringt, erlebt Unterschiede unmittelbar und lernt zugleich, sie zu respektieren.

Dietmar Schaan und seine Dolmetscher. Foto: Georg Kost

Der erhobene Zeigefinger gehört dabei durchaus zu einem solchen Abend. In einer Zeit, in der Europa mit politischen Spannungen, Krisen und wachsender gesellschaftlicher Distanz umgehen muss, sind lebendige Partnerschaften zwischen Ländern keine Selbstverständlichkeit. Eine Jumelage besteht nicht allein aus offiziellen Besuchen, Urkunden und politischen Terminen. Sie lebt davon, dass Menschen sich tatsächlich begegnen. Besonders junge Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, andere Länder nicht nur aus Nachrichten oder sozialen Medien zu kennen, sondern deren Menschen, Sprache, Lebensweise, Musik und kulturelle Besonderheiten unmittelbar zu erleben.

Genau diesen Gedanken verfolgt der Verein „Freunde des Queyras – Amis du Queyras e.V.“ seit seiner Gründung im Jahr 2008. Er pflegt die historischen und kulturellen Verbindungen zwischen Wurmberg und dem französischen Queyras, organisiert Begegnungen und unterstützt den Austausch zwischen Menschen beider Länder. Im Juni 2014 wurde die offizielle Gemeindepartnerschaft besiegelt. Die Kontakte reichen allerdings deutlich weiter zurück: Bereits seit 1999 bestehen Verbindungen zur Region Queyras, zunächst vor allem auf privater Ebene und über familiäre Kontakte.

Die Geschichte dieser Partnerschaft hat zudem einen besonderen Hintergrund. Aus den französischen Hochalpen stammen die Gründer der früheren Waldenser-Kolonie Lucerne in Wurmberg. Das Queyras umfasst die Berggemeinden Abriès, Ristolas, Aiguilles, Arvieux, Ceillac, Château-Ville-Vieille, Molines und Saint-Véran. Die Orte liegen in Höhen zwischen rund 1.400 und 2.050 Metern und haben zusammen etwa 2.500 Einwohner. Die historischen Wurzeln der Verbindung sind damit eng mit der Geschichte Wurmbergs verbunden.

Nassire Hadjout richtete seinen Dank ebenfalls an die Wurmberger und blickte zugleich nach vorn. Foto: Georg Kost

1999 nahm eine Reisegruppe aus dem Queyras an den Feierlichkeiten zum 300-jährigen Bestehen der Ansiedlung in Wurmberg teil. 2003 folgte der erste offizielle Besuch einer Wurmberger Delegation in Frankreich. Weitere Besuche und Gegenbesuche schlossen sich an. 2007 wurde in Frankreich unter dem Motto „Retour en Queyras“ mit einem dreitägigen Fest an die Geschichte der dortigen Dörfer und ihre Emigrationen erinnert.

Dass diese historische Verbindung heute vor allem für junge Menschen mit neuem Leben gefüllt wird, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Partnerschaft. Das Deutsch-Französische Jugendwerk, das 1963 im Rahmen des Élysée-Vertrags gegründet wurde, unterstützt solche Begegnungen. Auch die Wurmberger Jugendfreizeit konnte von dieser Förderung profitieren, unter anderem bei der Finanzierung des Busses.

Und die nächste Begegnung ist bereits in Sicht. Nassire Hadjout richtete seinen Dank ebenfalls an die Wurmberger und blickte zugleich nach vorn: 2028 sollen die Wurmberger Jugendlichen und ihre Begleiter im Queyras willkommen geheißen werden. Die nächste Begegnung wird damit dort stattfinden, wo die Geschichte der Wurmberger Waldenser-Gründer ihren Ausgang nahm.

Bis dahin bleibt von der Jugendfreizeit vor allem das, was sich nicht in Programmpunkten oder Förderbeträgen messen lässt: gemeinsame Erfahrungen, neue Freundschaften und die Erkenntnis, dass kulturelle Unterschiede kein Hindernis sein müssen. Auf der Bühne der Turn- und Festhalle war davon am Freitagabend einiges zu sehen – im gemeinsamen Takt der Musik, in den Tänzen, im Gesang und schließlich in einem französischen Klassiker, der mit neuem Text noch einmal ganz auf die Freundschaft zwischen Wurmberg und dem Queyras zugeschnitten wurde.