
Ein Faltblatt über das Kaselkreuz erzählt de Geschichte des textilen Kunstwerk in der Kirche in Tiefenbronn. Foto: Georg Kost
TIEFENBRONN, 03.04.2026 (rsr) – In der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Tiefenbronn befindet sich ein außergewöhnliches Zeugnis mittelalterlicher Textilkunst: das sogenannte Kaselkreuz. Gerade in der Osterzeit, wenn sich der Blick besonders auf Passion und Auferstehung richtet, lohnt sich ein Besuch der Kirche, um dieses seltene Kunstwerk näher zu betrachten.
Mit dem im Jahr 1469 vollendeten und aufgerichteten Hochaltar erhielt die Tiefenbronner Kirche innerhalb weniger Jahre eine vollständig neue liturgische Ausstattung von bemerkenswerter Qualität. In diesem Zusammenhang dürfte auch ein kostbares Messgewand angeschafft worden sein, von dem sich bis heute ein bedeutender Rest erhalten hat: das Kaselkreuz mit seiner kunstvollen figürlichen Stickerei.

Foto: Georg Kost
Das heute noch vorhandene textile Kunstwerk schmückte einst die Rückseite eines Messgewandes, einer sogenannten Kasel. Da der Priester damals mit dem Rücken zur Gemeinde am Altar zelebrierte, hatte die Gemeinde das Bildmotiv während der Messe stets vor Augen. Dargestellt ist der gekreuzigte Christus an einem grünen Astkreuz, das als Hinweis auf die Auferstehung verstanden wird. Am unteren Bildrand befindet sich die trauernde Maria, während im oberen Bereich der Kopf des Jüngers Johannes zu sehen ist. Engel mit bewegten Flügeln fangen in Kelchen das Blut Christi aus Hand-, Fuß- und Seitenwunde auf. Diese Darstellung verweist zugleich auf die Einsetzung des Altarsakraments.
Das im nordbadischen Raum heute singuläre und überaus kostbare Kunstwerk dürfte um das Jahr 1450 entstanden sein. Wahrscheinlich wurde es in späterer Zeit auf ein neues Messgewand übertragen. Darauf verweist eine Veröffentlichung aus dem Buch „Wandelbare Heilsgeschichte – Hans Schüchlins Hochaltar in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena zu Tiefenbronn“ von Mathias Köhler. Die Publikation ist mit Fotografien von Ewald Freiburger dokumentiert und liegt als Faltblatt in der Kirche St. Maria Magdalena aus. Die Kirche kann immer sonntags von 14.30 bis 16.30 Uhr besichtigt werden.
