Auftakt für mehr Austausch: Tiefenbronn startet Unternehmerdialog

bei Georg Kost

Groß war das Interesse beim 1. Tiefenbronner Unternehmerdialog zu welchem Bürgermeister Frank Spottek über 50 Teilnehmende im Bürgerhaus Lehningen begrüßen konnte. Foto Georg Kost

TIEFENBRONN, 01.05.2026 (rsr) – Mit einem neuen Veranstaltungsformat intensiviert die Gemeinde Tiefenbronn den Dialog mit der örtlichen Wirtschaft. Mehr als 50 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Mitglieder des Gemeinderats folgten am Mittwochabend (29. April) der Einladung zum ersten „Tiefenbronner Unternehmerdialog“ ins Bürgerhaus im Ortsteil Lehningen. Im Fokus standen aktuelle wirtschaftliche Themen, strategische Entwicklungen und vor allem der direkte Austausch zwischen Unternehmen und Verwaltung.

 

Plattform für Vernetzung und Dialog
Bereits zur Begrüßung machte Bürgermeister Frank Spottek deutlich, dass die Gemeinde den Kontakt zur lokalen Wirtschaft künftig enger gestalten will. Ziel sei es, die Anliegen, Herausforderungen und Perspektiven der Betriebe besser zu verstehen und gemeinsam Impulse für die Weiterentwicklung des Standorts zu erarbeiten.
Der Unternehmerdialog ist dabei als Plattform angelegt, die sowohl fachliche Impulse als auch persönliche Gespräche ermöglicht. Gleichzeitig soll das Format die Vernetzung der Unternehmen untereinander fördern. Perspektivisch ist geplant, den Austausch weiter auszubauen – etwa durch regelmäßige Firmenbesuche und eine jährliche Fortführung der Veranstaltung.

Einblick in kommunale Aufgaben und Herausforderungen
In seinem Beitrag stellte Frank Spottek die Gemeinde als Unternehmen mit vielfältigen Aufgaben dar. Dazu zählen unter anderem die Sicherstellung der Ganztagesbetreuung an Grundschulen, die Haushaltsplanung, die Entwicklung von Gewerbeflächen sowie infrastrukturelle Themen wie die Verbesserung der Verkehrsanbindung entlang der Landstraße 573 in Richtung Heimsheim und Autobahn.
Zugleich unterstrich er die zentrale Rolle der Unternehmen für die Gemeinde: Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden Fachkräfte aus und investieren vor Ort. Gleichzeitig sehe sich die Wirtschaft – wie auch die Verwaltung – mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert, darunter Fachkräftemangel, steigende Kosten und zunehmende bürokratische Anforderungen. Vor diesem Hintergrund formulierte Spottek den Anspruch, Verwaltungsprozesse möglichst effizient und unternehmensfreundlich zu gestalten, indem klare Ansprechpartner und kurze Wege gewährleistet werden.

Gewerbeentwicklung und Infrastruktur im Fokus
Ein wesentliches Thema des Abends war die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen. Informiert wurde über die laufende Erschließung des Gewerbegebiets Ost (Bauabschnitt 1) sowie die Vorbereitung eines weiteren Abschnitts. Die gezielte Ansiedlung und Erweiterung von Unternehmen wird dabei als wichtiger Baustein gesehen, um Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu stärken. Energie Tiefenbronn GmbH als Zukunftsprojekt Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vorstellung der Energie Tiefenbronn GmbH. Gemeinsam mit Christian Flack (ENCW), sowie den Geschäftsführern Allegra Weinmann (Energie Calw) und Manuel Rausch wurde das Projekt präsentiert. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die künftige Arbeit und Angebote beispielsweiße der Stromversorgung sowie in Wechselmöglichkeiten zur neuen Gesellschaft. Als vorläufige Anlaufstelle wird das Bürger- und Kulturhaus „Rose“ dienen. Aus Sicht der Gemeinde eröffnet die Gründung der GmbH insbesondere für die örtlichen Unternehmen Perspektiven für eine langfristig stabile und zukunftsorientierte Energieversorgung.

Impulse aus Wirtschaftsförderung und Netzwerken

Jochen Enke von der Wirtschaftsförderung des Enzkreises. Foto: Georg Kost

Unter dem Leitthema „Netzwerke bilden“ folgten mehrere Fachbeiträge. Matthias Rink von Baden-Württemberg International stellte Unterstützungsangebote vor, die von der Flächensuche über Fachkräftegewinnung bis hin zu Förderprogrammen und internationaler Vernetzung reichen. Herbert Wackenhut präsentierte das Industrienetzwerk Hochform e.V. im Wirtschaftsraum Pforzheim. Das Zentrum für Präzisionstechnik auf dem Campus der Hochschule dient als Plattform für Technologietransfer, Gründerförderung sowie Aus- und Weiterbildung. Mit über 100 Mitgliedsunternehmen deckt das Netzwerk weite Teile der industriellen Wertschöpfungskette ab, insbesondere in der Metall- und Kunststoffverarbeitung. Ergänzend informierte Jochen Enke von der Wirtschaftsförderung des Enzkreises über aktuelle Unterstützungsangebote. Dabei sprach er auch die derzeit verbreitete Kurzarbeit in Teilen der Industrie an, vor allem im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung. Als größere Herausforderung wurde jedoch der anhaltende Fachkräftemangel benannt, der die wirtschaftliche Entwicklung vieler Betriebe bremst.

Stimmen aus der Unternehmerschaft
Im anschließenden offenen Austausch nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zur Diskussion und Vernetzung. Unternehmer Roman Hess, seit über 25 Jahren mit Softwarelösungen in Tiefenbronn tätig, bewertete die Veranstaltung als sehr informativ – insbesondere im Hinblick auf die Perspektiven der Energie Tiefenbronn GmbH. Auch Thomas Weidner, der auf jahrzehntelange Erfahrung in der Stanz- und Umformtechnik sowie im Werkzeugbau zurückblickt, zeigte großes Interesse am ersten Unternehmerdialog und den vorgestellten Möglichkeiten des Netzwerks Hochform.

Auftakt mit Perspektive
Zum Abschluss wurde von Bürgermeister Frank Spottek noch einmal die Bedeutung des direkten Dialogs zwischen Verwaltung und Wirtschaft hervorgehoben. Der persönliche Austausch gelte als zentrale Grundlage, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln und gemeinsame Projekte voranzubringen. Mit dem ersten Unternehmerdialog habe man in Tiefenbronn ein Format gestartet, das künftig als feste Größe etabliert werden soll – als Bindeglied zwischen Gemeinde und Wirtschaft und als Impulsgeber für die weitere Entwicklung des Standorts.

Foto Georg Kost
Der Austausch und Dialog stand beim 1. Tiefenbronner Unternehmerdialog im Mittelpunkt. Foto Georg Kost