
Viele trainieren ausschließlich aus Fitness- und Gesundheitsgründen, andere verfolgen das Ziel, später einmal in den Ring zu steigen. Foto: Manuel Kamuf, lightworkart.
CALW, 07.07.2026 (pm) – Die Box-Abteilung des TSV Calw blickt nach einer schwierigen Phase wieder nach vorne. Die Mitgliederzahlen steigen, neue Trainer wachsen heran und immer mehr Sportler entdecken den Boxsport für sich – ob als Fitnesssport oder mit dem Ziel, später einmal in den Ring zu steigen.
Neustart nach schwieriger Phase
Seit gut einem Jahr leitet Susanne Ruffert die Box-Abteilung. Eigentlich eher zufällig: Um den Fortbestand der Abteilung zu sichern, übernahm sie die Verantwortung, nachdem sich die bisherige Leitung zurückgezogen hatte. Heute blickt sie optimistisch nach vorne, denn inzwischen ist wieder Ruhe in der Abteilung eingekehrt. Die Mitgliederzahlen steigen, und der Zulauf ist erfreulich. Trainiert wird dienstags und mittwochs jeweils von 19 bis 21 Uhr. Dienstags nehmen meist zehn bis zwanzig Sportler teil, mittwochs kommen teilweise bis zu 30 Boxerinnen und Boxer ins Training. Mitmachen kann grundsätzlich jeder ab etwa zwölf Jahren. Trainiert wird in gemischten Gruppen: Jugendliche und Erwachsene, Frauen und Männer stehen gemeinsam in der Halle.
Viele trainieren ausschließlich aus Fitness- und Gesundheitsgründen, andere verfolgen das Ziel, später einmal in den Ring zu steigen. Da die Leistungsunterschiede groß sind, wird das Training individuell gestaltet. Während Anfänger die Grundlagen erlernen, übernehmen erfahrene Mitglieder immer wieder kleinere Gruppen und unterstützen Neueinsteiger. Gerade dieses Miteinander zeichnet die Box-Abteilung aus: Trainer, Übungsleiter und erfahrene Sportler greifen ineinander und sorgen dafür, dass jeder individuell gefördert wird.
Erfahrene Trainer und Verstärkung in Sicht
Das Training wird derzeit von Hans-Joachim von Hacht und Rudi Milbradt geleitet. Unterstützung erhalten sie von Salvatore Pinnelli, der aktuell die C-Trainerlizenz absolviert und bereits regelmäßig Teile des Trainings übernimmt.
Pinnelli boxt seit rund zehn Jahren. Ihn begeistert vor allem die Disziplin, die der Sport verlangt. „Wenn du sagst, dass du nicht mehr kannst, dann hast du verloren. Das unterscheidet Boxen von vielen anderen Sportarten.“ Für ihn stehen dabei Technik, Kondition und Konzentration im Mittelpunkt. Mit seiner Trainerausbildung möchte er künftig noch mehr Verantwortung übernehmen und die Abteilung langfristig unterstützen.
Boxen als Sport für Körper und Kopf
Dass Boxen weit mehr ist als reine Schlagkraft, betont Trainer Rudi Milbradt immer wieder. Der frühere Amateur- und Profiboxer sieht einen der größten Vorteile des Sports darin, dass Körper und Geist gleichermaßen gefordert werden.
„90 Prozent des Boxens laufen im Kopf ab“, sagt Milbradt. Entscheidend seien nicht allein Kraft oder Körpergröße, sondern vor allem Konzentration, Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, Situationen richtig einzuschätzen. Gerade deshalb wirke Boxen oft deeskalierend. „Es geht nicht darum, nach einem Treffer sofort zurückzuschlagen. Wer erfolgreich boxen will, muss ruhig bleiben und überlegt handeln.“
Nach seiner Erfahrung profitieren besonders Kinder und Jugendliche davon. Das Training stärke nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch Selbstvertrauen, Disziplin und die Fähigkeit, in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren – Eigenschaften, die sich häufig auch im Schulalltag positiv bemerkbar machten.
Jahrzehntelange Erfahrung
Eine besondere Persönlichkeit der Abteilung ist Hans-Joachim von Hacht. Der heute 79-Jährige begann bereits mit zwölf Jahren zu boxen und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Er wurde mehrfach Württembergischer Meister, Baden-Württembergischer Meister und Deutscher Polizeimeister. Zudem stand er für die A-Nationalmannschaft im Ring und gehörte zeitweise zu den besten Boxern Deutschlands.
Heute gibt er seine jahrzehntelange Erfahrung an die nächste Generation weiter. Noch immer steht er dienstags als Trainer in der Halle und legt besonderen Wert auf die Grundlagen des Boxsports. „Das ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen – ohne Grundlagen geht es nicht“, sagt von Hacht. Sein Ziel sei es, jeden Sportler individuell zu fördern: „Ich möchte mich mit jedem beschäftigen und jedem zeigen, wie es richtig geht.“
Erste Wettkämpfer in Vorbereitung
Während viele Mitglieder den Boxsport als vielseitiges Training für Körper und Kopf betreiben, entwickeln sich in der Abteilung auch wieder Wettkampfambitionen. Drei junge Erwachsene bereiten sich derzeit auf ihre ersten offiziellen Kämpfe vor. Dazu gehören zusätzliches Techniktraining, Sparring sowie gemeinsame Trainingseinheiten mit Boxvereinen aus der Region.
Doch bis zum Sparring ist Geduld gefragt. „Viele Anfänger möchten möglichst schnell Sparring machen. Aber zuerst müssen Technik, Disziplin und Fitness stimmen“, erklärt Salvatore Pinnelli. Erst wenn diese Grundlagen sicher beherrscht werden, folgt der nächste Schritt in Richtung Wettkampf. Die Zusammenarbeit mit benachbarten Vereinen bietet den angehenden Wettkämpfern dabei die Möglichkeit, erste Erfahrungen unter realistischen Bedingungen zu sammeln und sich gezielt weiterzuentwickeln.
Wer offiziell an Wettkämpfen teilnehmen möchte, benötigt zudem einen Boxpass und muss sich ärztlich untersuchen lassen. Gesundheit und Sicherheit haben im Boxsport einen hohen Stellenwert.
Gemeinschaft steht im Mittelpunkt
Trotz aller sportlichen Ziele beschreibt die Abteilung vor allem eines: eine starke Gemeinschaft. Junge und ältere Sportler trainieren gemeinsam, erfahrene Boxer unterstützen Anfänger, und mehrere Übungsleiter helfen sich gegenseitig im Training.
