
Die evangelische Michaelskirche in Wimsheim wurde am Samstagabend zum Resonanzraum für das, was viele Menschen derzeit bewegt: Sehnsucht nach Frieden. Foto: Georg Kost
WIMSHEIM, 18.05.2026 (rsr) – Die evangelische Michaelskirche in Wimsheim wurde am Samstagabend nicht einfach nur zum Konzertsaal. Sie wurde zum Resonanzraum für das, was viele Menschen derzeit bewegt: Sehnsucht nach Frieden, Zusammenhalt, Hoffnung – und nach Momenten, die verbinden. Unter dem Titel „Starke Stimmen, sanfte Klänge“ setzte der Männergesangverein Freundschaft Wimsheim gemeinsam mit jungen Sängerinnen und Sängern sowie dem Wimsheimer Streichquartett ein musikalisches Zeichen, das weit über klassischen Chorgesang hinausging.
Schon der programmatische Spannungsbogen machte klar, dass Chorleiter Sascha Rieger an diesem Abend mehr wollte als bloße Unterhaltung. Mit rund 30 Männerstimmen des Chores und etwa 20 Mädchen und Jungen des Grundschulchors „Good ViBes“ der Verbandschule im Biet unter der Leitung von Ulrike Scholz entstand ein generationenübergreifendes Klangbild, das berührte, aufrüttelte und zugleich wohltuend harmonisch wirkte.

Wimsheim erlebt ein Konzert voller Hoffnung, Kraft und Gänsehautmomente. Foto Georg Kost
Von Beginn an lag eine besondere Atmosphäre über der voll besetzten Kirche. Bereits der „Festgesang – Musik, du heilige Kunst“ machte deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: um die Kraft der Musik selbst. Stücke wie „Sancta Maria“ oder „La Montanara“ ließen klassische Chortradition aufblühen, bevor das Programm bewusst den Sprung in moderne Klangwelten wagte.
Einen wesentlichen Anteil an der musikalischen Dichte des Abends hatte dabei Alex Rieger, der das gesamte Konzert am Klavier beziehungsweise Keyboard begleitete. Mit feinem Gespür für Dynamik, Timing und Atmosphäre verband er Chor, Solostimmen und Streicher zu einem homogenen Gesamtklang. Gerade in den ruhigeren Passagen verlieh sein sensibles Spiel vielen Stücken zusätzliche emotionale Tiefe, während er in den modernen Arrangements immer wieder kraftvolle Akzente setzte.
Gerade dieser Wechsel verlieh dem Konzert seine enorme Spannung. Wenn plötzlich Westernhagens „Freiheit“ erklang oder Udo Lindenbergs „Wir ziehen in den Frieden“, wurde spürbar, wie nah Chormusik an gesellschaftlichen Fragen sein kann, ohne dabei belehrend zu wirken. Sascha Rieger bewies dabei ein feines Gespür für Dramaturgie. Die Stückauswahl wirkte nie zufällig, sondern wie ein musikalisches Narrativ durch eine Zeit voller Unsicherheiten.
Besonders eindrucksvoll geriet dabei „Ich glaube“. Unterstützt vom Streicherquartett Wimsheim entfaltete das Stück eine emotionale Wucht, die den gesamten Kirchenraum erfasste. Die Streicher setzten warme, fast filmische Akzente und verliehen dem Lied eine Tiefe, die es zur heimlichen Hymne des Abends machte.

Wimsheim erlebte beim Konzert des Männergesangverein und des Grundschulchors „Good ViBes“ der Verbandschule im Biet ein Konzert voller Hoffnung, Kraft und Gänsehautmomente. Foto Georg Kost
Überhaupt waren es die Kontraste, die dieses Konzert so stark werden ließen. Neben den kraftvollen Männerstimmen sorgten gerade die jungen Sängerinnen und Sänger von „Good ViBes“ immer wieder für bewegende Momente. Mit „Trommelklänge“ und „Das Leben ist schön“ brachten sie Leichtigkeit und Optimismus auf die Bühne, ehe sie gemeinsam mit dem Männerchor bei „Menschenkinder“, „Wir ziehen in den Frieden“ und Peter Maffays „Ich wollte nie erwachsen sein“ emotionale Botschaften voller Menschlichkeit und Zusammenhalt sendeten.
Dabei wirkte nichts aufgesetzt. Die jungen Stimmen standen nicht symbolisch neben dem Chor – sie waren elementarer Bestandteil dieses Konzertabends. Genau darin lag die besondere Stärke des Projekts: Generationen sangen nicht nebeneinander, sondern miteinander.
Auch sonst zeigte sich das Konzert bemerkenswert vielseitig. „One Moment in Time“ oder „Thank You for the Music“ wurden zur liebevollen Hommage an die Musik selbst – an ihre Fähigkeit, Menschen unabhängig von Alter oder Herkunft zusammenzubringen. Gleichzeitig blitzte immer wieder pure Lebensfreude auf. Spätestens bei „Bella Ciao“ war die Energie im Kirchenschiff greifbar.

Licht und Schatten: Die Stückauswahl wirkte nie zufällig, sondern wie ein musikalisches Narrativ durch eine Zeit voller Unsicherheiten. Foto: Georg Kost
Dass die Begeisterung des Publikums am Ende regelrecht explodierte, überraschte kaum noch. Die ausverkaufte Michaelskirche feierte die Mitwirkenden mit langanhaltendem Applaus und stürmisch geforderten Zugaben. Für Sascha Rieger, der seit 2023 den Chor in Wimsheim leitet, wurde dieses erste große Konzert damit zu einem eindrucksvollen Ausrufezeichen.
Durch den Abend führte der Vorsitzende des Männergesangverein Freundschaft Wimsheim, Heiko Duderstadt, der am Ende sichtlich bewegt bekannte, stolz darauf zu sein, Teil dieses Chores zu sein.
Und tatsächlich blieb nach diesem Abend genau dieses Gefühl zurück: Stolz auf das, was Musik schaffen kann, wenn Menschen gemeinsam ihre Stimmen erheben. Nicht laut um des Lärms willen, sondern stark in ihrer Botschaft und sanft in ihrer Wirkung.
