Wenn die Narren unterm Narrenbaum tanzen

Fasnetauftakt im Biet zwischen Brauch, Klang und närrischer Vorfreude

bei Georg Kost

Den Auftakt in die närrische Zeit feiert der TCV in Tiefenbronn mit Narrenbaumtaufe am 3.Januar. Archivfoto: Infopress24.de

TIEFENBRONN / NEUHAUSEN-SCHELLBRONN, 01.01.2026 (rsr) – Mit dem neuen Jahr rückt im Biet jene besondere Zeit näher, in der sich Alltag und Ordnung für einige Wochen dem gelebten Brauchtum unterordnen. Rund um den Dreikönigstag beginnt in den Fasnetshochburgen Tiefenbronn, Schellbronn und im gesamten Biet traditionell die schwäbisch-alemannische Fasnet. Spätestens wenn die Narrenbäume gestellt, die Zunftzeichen angebracht und das Häs aus dem Schränken geholt wird, ist klar: Die närrische Zeit hat offiziell das Kommando übernommen.

Schon der Auftakt folgt festen Ritualen, die weit mehr sind als Folklore. Die Taufe des Narrenbaums, geschmückt mit den Zunftzeichen der Häsgruppen, markiert symbolisch den Beginn einer Phase, in der Geschichte, Gemeinschaft und ausgelassene Lebensfreude eine untrennbare Verbindung eingehen. Begleitet wird dieser Moment vielerorts vom traditionellen Abstauben der Masken und Häser – ein Akt, der sinnbildlich den Übergang vom ruhenden Winterbrauchtum zur lebendigen Fasnet vollzieht.

Fasnetbeginn zwischen Dreikönig und Aschermittwoch
Mit dem 6. Januar nimmt die Fasnet 2026 in Baden-Württemberg offiziell ihren Lauf. Bis zum Aschermittwoch, an dem Geldbeutelwäsche oder Fischessen den Schlusspunkt setzen, bestimmen Umzüge, Prunksitzungen und närrische Rituale das Geschehen. Höhepunkte bilden der Schmutzige Donnerstag beziehungsweise die Weiberfasnet am 12. Februar sowie der Fasnetsdienstag am 17. Februar, an dem Winter und Narrentum gleichermaßen verabschiedet werden.

Tiefenbronn: Schmellenhopfer setzen frühes Zeichen
In Tiefenbronn läuten die Schmellenhopfer die närrische Zeit bereits am Abend des 3. Januar ein. Mit dem Stellen des Narrenbaums, dem Anbringen der Zunftzeichen und dessen feierlicher Taufe beginnt dort die heiße Phase der Fasnet. Der 1954 gegründete Verein hält damit an einem Brauch fest, der tief im örtlichen Selbstverständnis verwurzelt ist.
Aufgrund der Sanierung der Gemmingenhalle findet das Narrenbaumstellen erneut am Forcheneck statt, dort, wo die Schmellenhopfer ihre Narrhalla ihr Eigen nennen. Dieser Ort ist nicht nur Auftakt, sondern auch Endpunkt der Fasnet, wenn mit der traditionellen Schneemannsverbrennung der Winter symbolisch verabschiedet wird – ein Brauch, der älter ist als die Narrenbaumtaufe selbst.

Ab dem frühen Abend versammeln sich die Zunftgruppen, bevor Schmellenprinz Alexander I. gegen 18 Uhr den bunt mit Zunftzeichen geschmückten Narrenbaum tauft. Seit 2007 wird der Baum in Tiefenbronn mit den Wurzeln nach oben gestellt – ein sichtbares Zeichen dafür, dass während der Fasnet die Welt bewusst auf den Kopf gestellt wird.

Narrenbaum und Hexentaufe beim Schellau Schellbronn. Archivfoto: infopress24.de

Schellbronn: Dreikönigstag als Startschuss und Blick auf ein Jubiläum
Auch in Schellbronn beginnt das närrische Treiben traditionell am Dreikönigstag. Am 6. Januar bringt der Narrenbund Schellau im Ortskern die Zunftzeichen am Narrenbaum an. Begleitet von launigen Worten und närrischem Zeremoniell folgt die Hexentaufe der Schellenhexen. Beginn der Veranstaltung ist um 17.11 Uhr an der Kreuzung Hohenwarterstraße und Unterreichenbacherstraße.

Das Anbringen der Zunftzeichen markiert zugleich den Auftakt zur intensiven Vorbereitungsphase auf einen der Höhepunkte der regionalen Fasnet: den Schellbronner Nachtumzug. Am 10. Januar zieht dieser bereits zum 25. Mal durch die Gassen der Biet-Gemeinde. Mehr als 2000 Hästräger aus ganz Baden-Württemberg werden erwartet, begleitet von Guggenmusik, die den Maskengruppen den rhythmischen Takt vorgibt. Der Umzug startet um 18.11 Uhr, während bereits ab 16 Uhr der Zunftmeisterempfang in der Schwarzwaldhalle stattfindet.

Gelebtes Brauchtum mit Zukunft
Ob Narrenbaumtaufe, Häsabstauben oder Hexentaufe – in Tiefenbronn und Schellbronn zeigt sich die Fasnet als lebendiges Kulturgut, das von Generation zu Generation weitergetragen wird. Mit dem Dreikönigstag beginnt eine Zeit, in der das Biet nicht nur bunt und laut, sondern vor allem traditionsbewusst und gemeinschaftlich feiert.