
200 Bar und die Band PhineX (Foto) sorgten dafür, dass die Motoren im Takt des Rock’n’Roll beim Open-Air tanzten. Foto: Georg Kost
TIEFENBRONN-LEHNINGEN, 17.08.2026 (rsr) – 35 Grad im Schatten. Staubige Wege. Motorengeräusche, die über das Gelände hallen. Dazwischen der Geruch von Diesel, Öl und vertrocknetem Gras. Während viele Menschen an diesem Samstag einen Platz im Schatten suchen, arbeiten auf dem Talbachhof knapp 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an ihrer Belastungsgrenze. Getränke müssen gekühlt, Essen ausgegeben, Besucher versorgt und unzählige Abläufe koordiniert werden.
Der zweite Traktoren- und Oldtimertreff entwickelt sich trotz der extremen Temperaturen zu einem Publikumsmagneten.
Den ganzen Tag über herrscht auf dem Gelände ein ständiges Kommen und Gehen. Viele Besucher sind ausschließlich wegen der historischen Fahrzeuge angereist. Andere möchten die besondere Atmosphäre auf dem Talbachhof genießen. Wieder andere fiebern bereits dem musikalischen Abendprogramm entgegen. Genau diese Mischung macht den Charakter der Veranstaltung aus.

Traktoren & Oldtimerausstellung Talbachhof Bossert. Foto: Georg Kost
Zwischen den Reihen der ausgestellten Fahrzeuge wird gefachsimpelt, diskutiert und erinnert. Ein Lanz-Bulldog zieht die Blicke auf sich. Sein markantes Stampfen, der unverwechselbare Klang des Einzylinder-Glühkopfmotors und die nahezu schon zeremonielle Startprozedur faszinieren Traktorfreunde seit Generationen. Für viele Liebhaber ist der Lanz weit mehr als ein landwirtschaftliches Arbeitsgerät. Er steht für eine Zeit, in der Mechanik noch sichtbar, Technik noch greifbar und Reparaturen vielfach reine Handarbeit waren.
Daneben präsentieren sich Porsche und Hanomag -Traktoren, die einst auf zahlreichen Höfen zum alltäglichen Erscheinungsbild gehörten. Ihre robuste Bauweise, die einfache Konstruktion und die zuverlässige Technik machen sie bis heute zu begehrten Sammlerstücken. Immer wieder bleiben Besucher stehen, diskutieren über Motorvarianten, Baujahre und technische Besonderheiten. Dabei geht es oft um weit mehr als reine Zahlen. Es geht um Erinnerungen.
Doch nicht nur die Traktoren erzählen Geschichten. Auch historische Motorräder, Mopeds und Automobile sorgen für Gesprächsstoff. Der legendäre VW Käfer oder die BMW Isetta die bis 1962 gebaut wurde gehört ebenso zur automobilen Erinnerungskultur wie weitere Klassiker, die bei Oldtimerliebhabern für regelrechte Wallungen sorgen. Geöffnete Motorhauben werden zu Treffpunkten für Kenner. Es wird über Originalteile, Restaurierungen, Lackierungen und technische Details gesprochen. Der Stolz der Besitzer ist dabei unübersehbar. Viele Fahrzeuge wurden eigens für diesen Tag auf Hochglanz gebracht und präsentieren sich in beeindruckendem Zustand.

Traktoren & Oldtimerausstellung Talbachhof Bossert. Foto: Georg Kost
Große Augen bei den Besuchern, nostalgische Momente zwischen den Fahrzeugreihen und immer wieder kleine Geschichten aus vergangenen Jahrzehnten prägen das Bild. Technik und Schönheit verschmelzen auf dem Talbachhof zu einem lebendigen Freilichtmuseum, in dem nicht nur Maschinen, sondern auch Erinnerungen ausgestellt werden.
Mit dem Abend verändert sich die Stimmung auf dem Talbachhof grundlegend. Die Sonne verliert langsam ihre Kraft und taucht das Gelände in ein warmes Licht. Die drückende Hitze des Tages weicht einer ganz eigenen Atmosphäre. Dort, wo kurz zuvor noch über Glühkopfmotoren, Getriebe und Zylinderzahlen gesprochen wurde, übernehmen plötzlich Gitarrenriffs und Rockhymnen den Takt.
Die Band 200 Bar aus dem Raum Böblingen eröffnet den musikalischen Teil des Abends. Später übernimmt PhineX die Bühne. Das Publikum ist bunt gemischt. Familien, Oldtimerfreunde, junge Besucher und Musikliebhaber feiern gemeinsam. Wenn die Motoren im Takt des Rock’n’Roll zu tanzen scheinen, verschmelzen auf dem Talbachhof zwei Welten zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Die Band 200Bar heißte bei der Traktoren & Oldtimerausstellung auf dem Talbachhof kräftig ein. Foto: Georg Kost
Selbst ein kurzfristiger Stromausfall, verursacht durch einen streikenden Generator, kann die gute Stimmung nicht bremsen. Kaum ist die Technik wieder einsatzbereit, folgt mit einem kurzen Regenschauer die nächste Überraschung. Doch die Hartgesottenen bleiben. Sie tanzen weiter und feiern ein Veranstaltungsformat, das sich bereits bei seiner zweiten Auflage zu einem echten Hingucker im Grenzgebiet zwischen Enzkreis, Böblingen und dem Kreis Calw entwickelt hat.
„Es sei alles familienfreundlich und mit Herzblut organisiert“, sagt Silvia Heinkel aus Tiefenbronn. Besonders beeindrucke sie, dass die Veranstaltung vom Engagement vieler Menschen lebe. Dazu gehörten ausdrücklich auch die Musiker. Außerdem schätze sie die persönliche Atmosphäre. Viele Besucher würden sich kennen, das Fest sei noch nicht überlaufen. Auch Eva Roming aus Neuhausen spricht von einer gelungenen Mischung aus Technik, Livemusik und generationsübergreifender Begegnung in einer außergewöhnlichen Kulisse. Der weite Blick über das Heckengäu verleiht dem Talbachhof einen besonderen Reiz.

Der Talbachhof begeistert mit Oldtimern, Livemusik und ganz viel Herzblut. Foto: Georg Kost
Für Marvin Bossert ist genau das der eigentliche Antrieb. „Ich glaube, wir haben da wieder etwas richtig Gutes auf die Beine gestellt, um dabei an die Familie und meinen Opa zu erinnern, der letztlich den Anstoß für das neue Leben auf dem Talbachhof gegeben hat.“
Die Veranstaltung bei freiem Eintritt sei allerdings immer auch ein Spiel mit dem Wetter, erklärt Bossert. Ein vollständig verregneter Veranstaltungstag ließe sich finanziell nicht auffangen. Gleichzeitig bedeute das Fest einen enormen organisatorischen Aufwand. Die Vorbereitungen beginnen lange vor dem eigentlichen Veranstaltungstag und beschäftigen die ehrenamtlichen Helfer noch weit über den letzten Gitarrenakkord hinaus. < Fotogalerie >
