Wenn die Hagenschießhalle lacht, bebt und schunkelt

Prunksitzung der Hurrassel als närrischer Volltreffer

bei Georg Kost

Tanz, Glanz und jede Menge Akrobatik bot die Prunksitzung am Samstag in Wimsheim. Foto: privat

WIMSHEIM, 09.02.2026 (rsr) – Ein Abend, der keine Aufwärmphase kannte: Kaum waren die Türen der ausverkauften Hagenschießhalle geschlossen, marschierte auch schon die närrische Übermacht ein. Mit Guggemusik, Pauken, Trompeten und einer ordentlichen Portion Konfetti im Herzen eröffneten die Hurrassel ihre Prunksitzung – und machten unmissverständlich klar, dass Zurückhaltung an diesem Abend Hausverbot hatte. Präsident Andreas Hummel hatte geladen, und Wimsheim folgte bereitwillig dem Ruf in die fünfte Jahreszeit.
Was folgte, war ein 19 Punkte umfassendes Bühnenprogramm, das in Tempo, Vielfalt und närrischer Fantasie kaum Wünsche offenließ. Der Einmarsch mit Guggenmusik setzte den Takt, die Stimmung stieg sofort auf Hochbetrieb – und blieb dort bis weit über die letzte Schunkelrunde hinaus.

Tanz, Glanz und jede Menge Akrobatik
Ein zentrales Fundament des Abends bildeten die Tänze der Hurrassel-Familie. Von den Kleinen und Großen Bambini über die Kleine Garde bis hin zur Junioren- und Präsidentengarde präsentierte sich der tänzerische Nachwuchs ebenso engagiert wie eindrucksvoll. Spätestens beim Auftritt von Tanzmariechen Emily Boßert hielt das Publikum den Atem an: Spagat, Rad und Handstand gingen bei ihr so fließend ineinander über, als hätte die Schwerkraft für diesen Abend Urlaub genommen.
Für einen echten Showhöhepunkt sorgten die „Knallerfrauen“, die das Publikum mit ihrem Showtanz kurzerhand ins schillernd-verruchte Moulin Rouge entführten. Glitzer, Glamour und ein Augenzwinkern inklusive – ein optischer Knall, der seinem Namen alle Ehre machte.

Die „Bü-Hoi Cravallos“ heizten die Prunksitzung mächtig an. Foto: privat

Bütt mit Biss und Lachsalven-Garantie
Politisch-närrisch wurde es mit einem der jüngsten Redner des Abends: Der 16-jährige Linus Fleck erklomm die Bütt und erklärte – fastnachtlich durchaus ernst gemeint – seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Mit dem Schlachtruf „Wer haut jeden Gegner weg – Linus Fleck“ brachte er die Halle zum Kochen. Seine Wahlversprechen? Gemeinderatssitzungen im Kostüm, ein Kasten Bier für jede Nein-Stimme, kostenlose Parkplätze am Rathaus und Freibier für alle. Auch der schleppende Breitbandausbau bekam sein Fett weg: Die Internetverbindung sei so langsam, dass die Fotos der letzten Prunksitzung noch immer nicht hochgeladen seien. Amtsinhaber Mario Weisbrich bewies Humor, lachte herzhaft mit – und stimmte lautstark in den närrischen Wahlkampfgesang ein.
Ebenso treffsicher setzte die Damenrunde mit, Nadine Dekreon ,Carmen Gerlich und Sabrina Apel ihre Pointen. „Geschwätz hoch drei“ hieß ihr Beitrag – und der Titel war Programm. Mit scharfem Witz, viel Selbstironie und einem feinen Gespür für Alltagswahnsinn nahmen sie Mama-Dasein, Ernährungstrends und die Tücken der Erotik in der Ehe auseinander. Die Lachsalven waren programmiert.

Die „Chaoten“ standen dem in nichts nach und bewiesen, dass es für ein Hobby weder Logik noch Wasser braucht – Schwimmen ohne Wasser inklusive. Närrischer Unsinn in Reinform, genau nach dem Geschmack des Publikums.

Mystik, Musik und ein Hauch Gänsehaut
Düsterer, aber nicht minder eindrucksvoll wurde es mit den Häsgruppen Zäpflestrolle und Donnerdämonen. Besonders der Hästanz der Donnerdämonen sorgte für Gänsehaut und verlieh dem Programm eine mystische Note. Musikalisch heizten die „Bü-Hoi Cravallos“ aus Büchenbronn kräftig ein und ließen keinen Zweifel daran, dass Guggenmusik auch im tiefsten Winter zuverlässig einheizt.
Ein Sketch rund um die gesundheitlichen Befindlichkeiten der Fastnachter zeigte zudem: Selbstironie gehört bei den Hurrassel fest zum Programm – und das Lachen über sich selbst ist oft das herzlichste.

Hurrassel Präsident Hummel und Bürgermeister Weisbrich (rechts) bei der Ordensverleihung. Foto: privat

Orden, Abschied und gemeinsames Schunkeln
Feierlich-närrisch gestaltetet sich die Ordensvorstellung. Der diesjährige Orden ist dem Abschied der WCV-Hütte gewidmet, die lange als Materiallager diente – ein närrischer Gruß mit einem kleinen Anflug von Wehmut. Doch spätestens bei den gemeinsamen Schunkelrunden war klar: Diese Prunksitzung blickt nicht zurück, sondern feiert das Jetzt.
Die Hurrassel haben einmal mehr gezeigt, dass Fastnacht in Wimsheim kein Termin im Kalender ist, sondern ein Lebensgefühl. Die Hagenschießhalle hat gelacht, gebebt und geschunkelt – und Wimsheim ist mehr als bereit für die närrische Zeit.