Unterreichenbach feierte seine Flößertradition auf der Nagold

Talhubenfest lockte mit Floßfahrten, Musik, Familienprogramm und großer Lasershow

bei Georg Kost

Unterreichenbach feierte seine Flößertradition auf der Nagold mit dem Talhubenfest. Foto: Baltruweit

UNTERREICHENBACH, 07.09.2026 (rsr) – Die Nagold war am Wochenende in Unterreichenbach nicht einfach nur Fluss, sondern mittendrin im Festgeschehen. Beim 16. Talhubenfest gingen die Flößer wieder auf Fahrt, Besucher konnten selbst an Bord gehen und die historische Flößerei aus nächster Nähe erleben. Rund um Schulhof und Nagold herrschte an beiden Tagen reges Treiben. Musik, Kinderaktionen, kulinarische Angebote und am Samstagabend eine große Lasershow machten das Fest zu einer lebendigen Mischung aus Geschichte und Gegenwart.

Schon der Name des Festes führt zurück in jene Zeit, als Holz noch auf dem Wasser transportiert wurde. Eine Talhuben war ein Talbecken am Fluss, an dem Flößer Baumstämme zu Gestören und großen Flößen zusammenbanden. In Unterreichenbach lag eine solche Einbindestätte an der Flutmulde der Nagold. Das dort angestaute Wasser bot die nötige Tiefe, um die schweren Holzverbände auf den Fluss zu bringen. Heute wurde genau dieser historische Zusammenhang beim Talhubenfest wieder sichtbar.

Den Auftakt machten die Talhubenflößer mit ihrer Ankunft am Kurt-Fischer-Weg. Bürgermeister Lukas Klingenberg stieg zur Eröffnung selbst auf das Floß und erlebte damit seine erste Fahrt auf der Nagold. Anschließend ging es zum Schulhof, wo mit dem traditionellen Fassanstich das Fest offiziell eröffnet wurde.

Großen Zuspruch fanden die öffentlichen Floßfahrten beim Talhubenfest in Unterreichenbach. Foto: Baltruweit

Besonders großen Zuspruch fanden die öffentlichen Floßfahrten. Zahlreiche Besucher wollten die historische Flößerei nicht nur vom Ufer aus beobachten, sondern selbst auf dem imposanten Holzverband Platz nehmen. Auf der Nagold unterwegs zu sein, die langen Stämme unter den Füßen und die Flößer bei der Arbeit direkt vor Augen – das machte die Geschichte für viele Gäste unmittelbar erlebbar. Die Fahrten zeigten zugleich, dass es einiges an Erfahrung und Geschick braucht, um einen mehr als 100 Meter langen Holzverband sicher über den Fluss zu steuern.

Dafür sorgen die Talhubenflößer Unterreichenbach. Nachfahren alter Flößerfamilien gründeten den Verein 1980 und halten seither das Wissen um das traditionelle Handwerk lebendig. Mit ihrem eigenen Floß fahren sie auf der Nagold und demonstrieren, wie die historischen Holzverbände bewegt und gesteuert wurden. Auch beim Flößerfest in Neuenbürg sind die Unterreichenbacher regelmäßig mit dabei.

Während auf dem Wasser die Flößer für die spektakulären Bilder sorgten, spielte sich rund um den Schulhof das übrige Festleben ab. Familien fanden zahlreiche Angebote vor. Kinder konnten sich beim Torwandschießen und Fußballdart messen, auf der Schulwiese lockte eine Hüpfburg. Bei Kinderfloßfahrten ging es ebenfalls aufs Wasser. Der Kindergarten Tannbergwichtel beteiligte sich mit Kinderschminken und verschiedenen Mitmachaktionen.

Wer tiefer in die Geschichte eintauchen wollte, konnte bei Führungen das Flößer- und Dorfmuseum kennenlernen. Werkzeuge, Bilder und Modelle erzählen dort von einer Zeit, in der der Nordschwarzwald ein bedeutendes Holzrevier war. Die Stämme wurden aus den Wäldern ins Tal gebracht und mit sogenannten Wieden, biegsamen Verbindungen aus jungen Tannen- oder Fichtenstämmchen, zu großen Flößen zusammengefügt. Über Nagold, Enz und Neckar gelangte das Holz schließlich bis zum Rhein und weiter in die Niederlande.

Für Unterreichenbach war die Flößerei über Jahrhunderte weit mehr als ein Transportweg. Sie brachte Arbeit und Handel in den Ort und prägte das Leben ganzer Generationen. Mit dem Ausbau von Eisenbahn und Straßen änderte sich das. Die Nagoldtalbahn zwischen Calw und Pforzheim und die verbesserten Verkehrswege machten den Transport auf Schiene und Straße zunehmend wichtiger. 1911 fuhr das letzte gewerbliche Floß die Nagold hinunter.

Die Erinnerung daran ist jedoch geblieben – und wird seit 1978 beim Talhubenfest regelmäßig lebendig. Die Idee dazu ging auf den damaligen Bürgermeister Hartmut Kuhlmann zurück. Seitdem wird das Fest im dreijährigen Rhythmus gefeiert. Der Förderverein für Unterreichenbach unterstützt die Veranstaltung und engagiert sich darüber hinaus für die Ortsgeschichte, das Flößermuseum und den Flößerweg entlang der Nagold.

Auch musikalisch war an beiden Festtagen einiges geboten. Am Samstag sorgten unter anderem das Schlagzeugensemble FAB4, „Herb & Tom unplugged“ und die Band „INCORRECT“ für Unterhaltung. Dazu kamen der Musikverein Renningen, die Trachtenkapelle Altburg und der Musikverein Althengstett. Am Sonntag übernahmen der Musikverein Gondelsheim, der Musikverein Feldrennach und der Musikverein Friolzheim den musikalischen Part.

Auch musikalisch war an beiden Festtagen einiges geboten.  Foto: Baltruweit

Der zweite Festtag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt vor der Schule, bei dem der Posaunenchor mitwirkte. Danach ging es rund um die Nagold weiter. Floßfahrt, Seifenblasenwerkstatt und Büchereiflohmarkt boten Abwechslung für die Besucher. Die Zumba-Gruppe des 1. FCU brachte mit ihren Auftritten Bewegung auf die Bühne und den Schulhof. Gleichzeitig öffnete die Tagespflege des DRK ihre Türen.

Ein besonderer Hingucker war am Samstagabend die Nacht- und Fackelfahrt. Beleuchtet von Fackeln glitt das Floß durch die dunkle Nagold. Weil das ursprünglich geplante Feuerwerk aufgrund der Trockenheit nicht stattfinden konnte, wurde der Abend mit einer großen Lasershow abgeschlossen.

Talhubenfest 2026 – Fotogalerie – infopress24.de