
In der noch ungewohnten Atmosphäre der modernisierten Gemmingenhalle informierte Bürgermeister Frank Spottek bei der Einwohnerversammlung über aktuelle Themen. Foto Georg Kost
TIEFENBRONN, 06.07.2026 (rsr) – Die Neugier war am Montagabend groß. Noch bevor die umfassend sanierte Gemmingenhalle offiziell eingeweiht wird, öffnete sie erstmals ihre Türen für die Einwohnerversammlung der Gemeinde Tiefenbronn. Rund eineinhalb Jahre war das Gebäude wegen der grundlegenden Sanierung geschlossen. Entsprechend wollten viele Bürgerinnen und Bürger nicht nur einen ersten Blick auf die modernisierte Halle werfen, sondern auch erfahren, wie die erheblichen Investitionen in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro eingesetzt wurden. Das Stimmungsbild fiel überwiegend positiv aus. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil Bürgermeister Frank Spottek deutlich machte, dass ein kompletter Neubau um ein Vielfaches teurer gewesen wäre.
In der noch ungewohnten Atmosphäre der modernisierten Halle informierte Spottek über die aktuelle Entwicklung der Gemeinde, anstehende Projekte und die finanzielle Situation. Auffällig dabei: Die Bürgerschaft zeigte sich ungewöhnlich zurückhaltend. Lediglich eine Frage zur kommunalen Wärmeplanung wurde aus dem Publikum gestellt. Der Eindruck des Abends: Die Arbeit von Verwaltung und Gemeinderat genießt derzeit ein hohes Maß an Vertrauen.
Im Mittelpunkt der Ausführungen standen die großen Investitionen der Gemeinde. Während die Sanierung der Gemmingenhalle mit bislang rund 4,5 Millionen Euro zu Buche schlägt und die Gesamtkosten voraussichtlich bei etwa 6,5 Millionen Euro liegen werden, richtet sich der Blick bereits auf die nächste Großbaustelle. Für die Erweiterung des Gewerbegebiets Ost soll bereits am Donnerstag der erste Spatenstich erfolgen. Weitere Investitionen betreffen unter anderem den zweiten Bauabschnitt des Gewerbegebiets, die Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs, die PER-Elimination in der Wasserversorgung Mühlhausen, die Sanierung von Abwasserkanälen, das Bauhofgebäude sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik.
Spontanen Beifall erhielt nicht Bürgermeister Spottek selbst, sondern die 120 ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen, denen er ausdrücklich für ihren Einsatz dankte. Rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche, stünden sie bereit, um den Menschen in der Gemeinde zu helfen.
Neben den Investitionen zeichnete Spottek ein umfassendes Bild der Gemeinde. Nach dem Zensus 2022 sank die Einwohnerzahl von ursprünglich rund 5.450 auf 5.354 Personen. Aktuell leben 5.244 Menschen in Tiefenbronn, davon 2.419 im Hauptort, 1.712 in Mühlhausen und 1.113 in Lehningen. Die demografische Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen.
Gleichzeitig unterhält die Gemeinde mit ihren 105 Beschäftigten eine umfangreiche Infrastruktur: 39 Kilometer Straßen sowie Kanal- und Wasserleitungen, drei Feuerwehrhäuser, eine Grundschule, drei Kindertageseinrichtungen, zwei Mehrzweckhallen, das Bürger- und Kulturhaus Rose, das Hasenhäusle, zwölf Spielplätze, einen Jugendraum und zwei Friedhöfe. Rund 30 Vereine und Organisationen prägen darüber hinaus das gesellschaftliche Leben.
Zudem kündigte Spottek an, dass die kommunale Energiegesellschaft „Energie Tiefenbronn GmbH“ ab August mit einem Büro im Bürger- und Kulturhaus Rose vertreten sein wird.
Im Bildungs- und Betreuungsbereich verwies Spottek darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren sämtliche Kindertageseinrichtungen saniert oder neu gebaut wurden. Die vorhandenen Plätze seien derzeit ausreichend. Eine Organisationsuntersuchung soll nun das bestehende Angebot und den künftigen Bedarf bewerten. An der Lucas-Moser-Grundschule werden aktuell 207 Kinder unterrichtet.
Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 greift zwar der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler, eine Ganztagsschule sei aufgrund der derzeit fehlenden Nachfrage jedoch nicht erforderlich.
Die mehrjährige Sanierung der Schule wurde inzwischen abgeschlossen. Insgesamt flossen rund zwei Millionen Euro in das Gebäude, davon 660.000 Euro aus Fördermitteln.
Ausführlich stellte Spottek auch die Haushaltszahlen vor. Der Ergebnishaushalt 2026 umfasst Erträge von 17,6 Millionen Euro und Aufwendungen von 18,05 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein Defizit von rund 450.000 Euro.
Dem gegenüber stehen Investitionen von 9,66 Millionen Euro, für die Zuschüsse von knapp fünf Millionen Euro eingeplant sind. „Trotz der angespannten Lage investieren wir gezielt in die Infrastruktur, Gewerbeansiedlung und Daseinsvorsorge unserer Gemeinde“, erklärte Spottek.
Dabei verwies er auch auf die vergleichsweise solide Finanzlage. Zum Jahresende 2025 betrug der Schuldenstand 1,92 Millionen Euro beziehungsweise 359 Euro je Einwohner. Dem stellte Spottek den Landesdurchschnitt von 1.469 Euro sowie den Durchschnitt im Enzkreis von 700 Euro gegenüber.
Die ursprünglich vorgesehene Kreditaufnahme von 3,2 Millionen Euro für die Sanierung der Gemmingenhalle könnte entfallen. Hintergrund ist die Unterstützung aus dem Sondervermögen des Bundes in Höhe von insgesamt 3,5 Millionen Euro, von denen bereits 2,8 Millionen Euro abgerufen wurden.
Zum 1. Juli 2026 verfügte die Gemeinde zudem über liquide Mittel von rund 2,27 Millionen Euro. Weitere 1,73 Millionen Euro sind bis 2030 fest angelegt.
Zum Abschluss richtete Spottek den Blick auf die langfristige Entwicklung der Gemeinde. Neben dem Ausbau digitaler Verwaltungsangebote und der IT-Infrastruktur nimmt die fünfte Fortschreibung des gemeinsamen Flächennutzungsplans mit der Gemeinde Neuhausen Gestalt an. Vorgesehen sind neue Sonderbauflächen für die Nahversorgung in Mühlhausen und Lehningen sowie ein Sport- und Bikepark in Lehningen. Damit setzt Tiefenbronn seinen eingeschlagenen Kurs fort – mit Investitionen in Infrastruktur, einer vergleichsweise stabilen Finanzlage und dem Anspruch, die Gemeinde auch künftig attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten.
