
Sabine Wagner wirbelte bei der Hau Hu Prunksitzung über die Bühne wie ein närrischer Tausendsassa, hier in der Rolle als Rapperin. Foto Georg Kost
NEUHAUSEN, 27.01.2026 (rsr) – Manchmal entstehen die besten Geschichten aus einem närrischen Zwischenruf. Im vergangenen November, bei der Fasneteröffnung des Hau Hu Neuhausen, war es genauso ein Moment, der den Grundstein für das legte, was am Samstagabend die ausverkaufte Monbachhalle in ein fröhliches Tollhaus verwandelte. Die Challenge „Schlag die Bürgermeisterin“ war geboren – und entpuppte sich bei der Prunksitzung als pointierte, selbstironische und erstaunlich vielschichtige Liebeserklärung an die Fasnet.
Damals wurde Bürgermeisterin Sabine Wagner gemeinsam mit CDU-Landtagskandidat Nico Gunzelmann und FDP-Landtagsabgeordnetem Erik Schweikert öffentlich herausgefordert: eine Büttenrede sollte es sein. Wagner nahm an – und erhöhte den Einsatz, indem sie kurzerhand auch die Hau-Hu-Gruppe „Oerwardederweise“ mit in die Pflicht nahm. Was nach spontanem Übermut klang, entwickelte sich zu einem der meistbeachteten Programmpunkte des Abends.

Dass Bürgermeister Wagner (Mitte) auch Gardetanz kann, hat sie schon bei der Jubiläumsgala „50 Jahre Neuhausen“ und jetzt bei der Prunksitzung beim Hau Hu bewiesen. Foto Georg Kost
Schon beim ersten Auftritt war klar: Hier will niemand geschniegelt gefallen, sondern mit Lust am Risiko unterhalten. Sabine Wagner wirbelte über die Bühne wie ein närrischer Tausendsassa – Gardetänzerin, Büttenrednerin, Rapperin. Oder, wie man auf der Fasnet sagt: eine echte Rampensau. Spätestens beim Einstieg in den Rap-Part, mit dem selbstbewussten „Neuhausen – can I have your attention, please?“, hatte sie die Halle auf ihrer Seite. Bürgermeister-Shady stand auf – und blieb stehen.
In der Büttenrede zeigte sich dann die feine ausgearbeitete Seite des Abends. „Hau Hu ihr Leut, wär hätts gedacht, dass auch ich hier mal eine Büttenrede mach“, eröffnete Wagner – und setzte damit den Ton für das, was folgte: Lokalpolitik in Reimform, verpackt in Humor, Selbstironie und spürbare Nähe zum Ort. Tempo 30, Neubaugebiet im Falter, Edeka mit Drogeriemarkt, Falter und Butterfly, der freundschaftliche Schlagabtausch mit Tiefenbronn – alles bekam sein Fett weg, ohne je ins Abrechnende zu kippen. Gerade diese Balance machte den Auftritt stark.
Sabine Wagner lachte nicht über andere, sondern zuerst über sich selbst. Sie thematisierte den Spagat des Bürgermeisterinnenalltags, die vielen Erwartungen, den knappen Haushalt, die endlosen Debatten über Radwege, Straßenbreiten oder zu laute Hähne. Und sie tat es mit einer Gelassenheit, die deutlich machte: Wer sich selbst nicht zu ernst nimmt, kann auch Kritik aushalten.
Der Rap-Song setzte schließlich einen ganz eigenen Akzent. Statt politischer Pointen stand hier der Teamgedanke im Vordergrund. Bauhof, Rathaus, Zusammenarbeit von früh bis spät – ein Blick hinter die Kulissen des kommunalen Alltags, verpackt in Dialekt, Rhythmus und augenzwinkernde Selbststilisierung. „Und morgen geht’s weiter, ganz ohne Drama, gleicher Ort, gleiches Team – same Gemeinde, same Karma“. Selten klang Verwaltungsarbeit so närrisch und so sympathisch zugleich.

Reden halten gehört zum Geschäft einer Bürgermeisterin. In der Bütt beim Hau Hu war Sabine Wagner eine echte Bereicherung. Foto Georg Kost
In den Tagen nach der Prunksitzung war Sabine Wagner Gesprächsthema im Ort. Beim Bäcker, auf der Straße, im Wartezimmer beim Arzt oder im Büro. Die Resonanz: überwiegend positiv. Ja, es gab auch einige wenige kritische Stimmen. Viel häufiger war zu hören, dass dieser Auftritt der Prunksitzung gutgetan habe – gerade, weil er zeigte, was möglich ist, wenn Mut, Ideen und Fasnet aufeinandertreffen, auch wenn es im Vorfeld mitunter chaotisch zuging, wie Insider beim Hau Hu gestanden.
So bleibt von „Schlag die Bürgermeisterin“ vor allem eines in Erinnerung: das fröhliche, unbekümmerte Wesen der Fasnet. Eine Rathauschefin, die ihre Rolle für einen Abend abstreift, die Krawatte sinnbildlich löst und sich mitten hineinbegibt ins närrische Getümmel. Mit Witz, mit Haltung und mit der klaren Botschaft, dass Engagement auch Spaß machen darf. Oder, um es mit einem ihrer letzten Sätze zu sagen: Wer keinen Spaß versteht, ist beim Hau Hu hier echt fehl am Platz.
