Rathaus in Narrenhand

Neuhausen startet mit Pauken und Trompeten ins Fasnetsfinale

bei Georg Kost

Der Rathausschlüssel in Neuhausen ist in Narrenhand und Bürgermeisterin Sabine Wagner (Hintergrund) im Ruhestand. Foto Georg Kost

NEUHAUSEN, 13.02.2026 (rsr) – Wenn am schmotzigen Donnerstag vor dem Rathaus der Playmanstrain auf die Pauke haut, Trompeten schmettern und drei Zylinder gen Himmel ragen, weiß man in Neuhausen: Jetzt ist Schluss mit Winterblues, jetzt regiert die Fasnet. Mit einem lautstark inszenierten Rathaussturm haben die Fasnetsvereine vom Narrenbund Schellau und dem Faschingsverein Hau Hu symbolisch die Macht im Amtssitz von Bürgermeisterin Sabine Wagner übernommen – zumindest bis Aschermittwoch.

Lautstark zog Playmanstrain ins Rathaus. Foto: Georg Kost

Angeführt von Hau-Hu-Ehrenpräsident Reimund Kristof, Vizepräsidentin Melanie Bourges, Schellau-Präsidentin Sandra Hehn und einer stattlichen Abordnung an Elferräten formierte sich der bunte Zug vor und im Rathaus. Mit dabei: das Hau-Hu-Prinzenpaar Sara I. und Lars I., Schellau-Prinzessin Chantal I. sowie das Hau-Hu-Kinderprinzenpaar Prinzessin Zoé I. und Prinz Max I. – begleitet von viel Selbstbewusstsein und der festen Überzeugung, dass kommunale Schlüssel in närrische Hände gehören. Entsprechend energisch pochten die Narren an die Türen der kommunalen Machtzentrale.

Bürgermeisterin kontert mit politischer Bilanz
Bürgermeisterin Sabine Wagner stellte sich dem Ansturm zunächst mit einer gereimten Rede entgegen – und nutzte die Bühne für einen pointierten Rückblick auf kommunalpolitische Projekte. Sie erinnerte an das erfolgreiche Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen, sprach vom zügigen Fortschritt im Neubaugebiet „Falter“, wo im Sommer die Erschließung abgeschlossen sein soll und die ersten Häuser entstehen.

Mit einem augenzwinkernden gab Bürgermeisterin Sabine Wagner den Narren den Ratschlag mit auf den Weg: „Wer Verantwortung trage, brauche ein dickes Fell und solle nicht versuchen, es allen recht zu machen“.  Foto Georg Kost

Das Kinderbildungszentrum sei eingeweiht, der Bildungscampus Biet wachse weiter. Für die geplante Sportanlage hoffe die Gemeinde auf eine zusätzliche Finanzspritze, um die Belastungen im Haushalt zu begrenzen.
Auch in Sachen Nahversorgung gebe es Bewegung: Der EDEKA-Markt stehe kurz vor dem ersten Spatenstich. Künftig müsse für den Einkauf nicht mehr in die Nachbargemeinde ausgewichen werden. Mit der offiziellen Gründung der „Energie Neuhausen“ stelle sich der Ort zudem energetisch neu auf. Ihr augenzwinkernder Appell an die Narren: Energie sparen und es in den kommenden Tagen nicht übertreiben.
Neben politischen Themen gab Wagner den künftigen Rathausregenten auch einen augenzwinkernden Ratschlag mit auf den Weg: Wer Verantwortung trage, brauche ein dickes Fell und solle nicht versuchen, es allen recht zu machen. Bis Aschermittwoch überlasse sie den Schlüssel der Narrenschaft, danach gehe er wieder an sie zurück. Für die kommenden Tage kündigte sie an, selbst als „Raben-Mama“ unterwegs zu sein. Mit einem dreifachen „Schellau“ und kräftigem „Hau Hu“ endete ihre Ansprache.

Zylinder als sichtbares Machtzeichen
Lange hielt der symbolische Widerstand nicht. Unter dem Jubel der Menge wechselte der Rathausschlüssel den Besitzer. Unweit des Amtssitzes setzte der Faschingsverein Hau Hu mit dem feierlichen Hissen von drei Zylindern ein weithin sichtbares Zeichen: Neuhausen steht nun ganz im Zeichen der Fasnet.

Bereits am Vormittag probten die Kindergartenkinder in Neuhausen vor dem Rathaus mit bemerkenswerter Entschlossenheit den närrischen Aufstand. Foto: Georg Kost

Bereits am Vormittag hatte sich gezeigt, dass der Rathaussturm keine reine Angelegenheit der Erwachsenen bleibt. Kindergartenkinder probten vor dem Rathaus mit bemerkenswerter Entschlossenheit den närrischen Aufstand – ein deutliches Signal für den gesicherten Nachwuchs in der Neuhausener Fasnet.

64 Gruppen beim großen Umzug erwartet
Der Rathaussturm markiert zugleich den Auftakt in das sechstägige Finale der laufenden Kampagne. Höhepunkt ist der große Umzug am Sonntag.
Ab 13.30 Uhr ziehen insgesamt 64 angemeldete Gruppen durch Neuhausen – beste Voraussetzungen für einen farbenfrohen, lauten und ausgelassenen Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Bis Aschermittwoch gilt damit auch in Neuhausen: Die Narren regieren – zumindest symbolisch, aber mit spürbarer Begeisterung.