
Das Bühnenstück „Nicht fertig werden“ feiert am 16. März Premiere in der Theaterschachtel Neuhausen. Foto: Selda Falke
NEUHAUSEN, 11.03.2026 (rsr) – Manchmal entsteht Theater nicht aus einem fertigen Text, sondern aus Begegnungen, Fragen und dem Mut, sich auf einen offenen Prozess einzulassen. Genau dieser künstlerische Weg führt nun zur Premiere von „Nicht fertig werden oder Alltag in Neuhausen“, einem ungewöhnlichen Amateurtheaterprojekt, das am Donnerstag, 26. März 2026, um 19 Uhr in der Theaterschachtel in Neuhausen erstmals auf die Bühne kommt. Zwei weitere Aufführungen folgen am 27. und 28. März, ebenfalls jeweils um 19 Uhr.
Das Stück, geschrieben und inszeniert von Selda Falke, ist weniger ein klassisches Theaterwerk als vielmehr ein lebendiger Blick in einen kreativen Entstehungsprozess. Was als experimentelles Projekt begann, entwickelte sich seit dem Probenstart im Oktober des vergangenen Jahres Schritt für Schritt zu einem Bühnenabend, der Alltag, Improvisation und persönliche Geschichten miteinander verbindet.
Ein Theaterprojekt aus Begegnungen
Die Geschichte beginnt mit einer Situation, die zugleich Programm ist: Sechs Frauen treffen sich in der Theaterschachtel, um gemeinsam ein Theaterprojekt zu beginnen. Die Gruppenleiterin Konstanze Stehgrad eröffnet das Vorhaben mit einer bemerkenswerten Feststellung – ein fertiges Stück existiert noch nicht. Alles soll erst im Probenprozess entstehen.
Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich ein offener, manchmal chaotischer, oft überraschender Theaterabend. Szenen entstehen aus Improvisationen, greifen Beobachtungen aus dem Alltag rund um Neuhausen auf und werden immer wieder verworfen, verändert oder neu gedacht. Musikalische Übergänge verbinden die einzelnen Episoden, während persönliche Monologe dem Geschehen eine überraschende Tiefe verleihen. Zwischen humorvollen Momenten und stillen Reflexionen entsteht so ein vielschichtiges Bühnenbild des Alltags.
Von der ersten Idee zur Premiere
Der Ursprung des Projekts reicht zurück in den Oktober des vergangenen Jahres. Damals erfüllten lebhafte Gespräche, Lachen und eine spürbare Aufbruchsstimmung die Räume der Theaterschachtel. Anlass war der Auftakt zu einem besonderen Vorhaben im Jubiläumsjahr der Gemeinde Neuhausen.
Unter dem Arbeitstitel „Vier Dörfer, ein Theater“ sollte ein Stück entstehen, das Menschen aus Neuhausen sowie den Ortsteilen Steinegg, Hamberg und Schellbronn zusammenführt. Die Theaterschachtel, getragen von einem engagierten Verein, wollte damit einen kulturellen Beitrag zum Jubiläum „50 Jahre Gemeinde Neuhausen“ leisten.
Bei diesem ersten Treffen begrüßte die Leiterin der Theaterschachtel, Anne von der Vring, die Teilnehmerinnen und die künstlerische Leiterin Selda Falke mit sichtbarer Begeisterung. Ein kleines Ensemble hatte sich zusammengefunden – ausschließlich Frauen, viele aus der Region rund um Pforzheim, Unterreichenbach oder Bad Liebenzell. Eine klassische Theatergruppe war es nicht, vielmehr ein Ensemble, das sich erst finden musste.
Theater als gemeinsamer Prozess
Selda Falke, Schauspielerin, Autorin und Regisseurin, verfolgt in ihrer Arbeit einen bewusst offenen Ansatz. Die gebürtige Mühlackerin, ausgebildet an der Schauspielschule Stuttgart und vielen Theaterbesuchern noch aus ihrer Zeit am Theater Pforzheim bekannt, entwickelt ihre Stücke im engen Austausch mit den Mitwirkenden.
Für sie steht nicht der fertige Text am Anfang, sondern die Menschen selbst. Ihre Erfahrungen, Geschichten und Talente bilden das Material für den Bühnenabend. Improvisationen, Gespräche und spontane Ideen fließen in die Szenen ein. Singen, kleine Bewegungssequenzen oder humorvolle Einfälle dürfen ebenso Teil der Aufführung werden wie persönliche Erinnerungen.
Dieser Ansatz verlangt Mut und Offenheit – von der Regisseurin ebenso wie von den Spielerinnen. Doch gerade darin liegt der Reiz des Projekts: Theater entsteht hier sichtbar aus dem Prozess heraus.
Sechs Spielerinnen bringen Neuhauser Alltag auf die Bühne
Auf der Bühne stehen Isabelle Barkmeijer, Nicole Burgert, Sabine Hecker, Carolin Kröner, Ingeborg Schmidl und Elisabeth Ullrich. Gemeinsam tragen sie den Abend, wechseln zwischen Spielszenen, Monologen und improvisierten Momenten.
Das Publikum wird dabei nicht nur Zuschauer eines fertigen Werkes, sondern gewissermaßen Begleiter eines kreativen Weges. „Nicht fertig werden“ erzählt deshalb nicht nur Geschichten aus dem Alltag – es erzählt auch vom Theatermachen selbst.
Drei Abende voller Überraschungen
Die Premiere findet am Donnerstag, 26. März 2026, um 19 Uhr in der Theaterschachtel Neuhausen statt.
Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 27. März, und Samstag, 28. März, ebenfalls jeweils um 19 Uhr.
Der Eintritt kostet 12 Euro im Vorverkauf (zzgl. Gebühren), 15 Euro an der Abendkasse.
Wer neugierig ist auf ein Theater, das sich bewusst zwischen Improvisation, Humor und leisen Momenten bewegt, dürfte hier einen besonderen Abend erleben. Denn „Nicht fertig werden“ ist kein Stück im klassischen Sinn – sondern eine Einladung, den kreativen Prozess selbst mitzuerleben. < Weitere Hintergrund-Informationen >
