
Das Wirtschaftsforum in Neuhausen rückt regionale Wirtschaft und Energiezukunft in den Mittelpunkt. Foto: Georg Kost
NEUHAUSEN, 13.03.2026 (rsr) – Neuhausen setzt ein klares Signal für die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinde. Beim 4. Neuhausener Wirtschaftsforum wurde deutlich, dass die Kommune ihre Standortentwicklung aktiv gestalten möchte – gemeinsam mit der örtlichen Wirtschaft. Im Mittelpunkt des Abends stand dabei insbesondere die geplante Gründung der kommunalen Energiegesellschaft „Energie Neuhausen“, die neue Perspektiven für Unternehmen, Handwerk und Landwirtschaft eröffnen soll.
Das Wirtschaftsforum hat sich in den vergangenen Jahren als strategisches Instrument der lokalen Wirtschaftsförderung etabliert. Die Veranstaltung bringt Unternehmerinnen und Unternehmer, Fachleute sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung zusammen und schafft eine Plattform für direkten Austausch und neue Kooperationen. Initiiert wurde das Format von Bürgermeisterin Sabine Wagner in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein GSL Neuhausen, die damit bewusst auf kurze Wege, transparente Kommunikation und belastbare Netzwerke setzt. Diese Faktoren gelten als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Neuhausen.
Unter dem Motto „Gemeinsam.Zukunft.Gestalten“ bot das Forum Raum für die Diskussion aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen und strategischer Entwicklungsperspektiven.
In ihrer Rede hob Bürgermeisterin Sabine Wagner am Donnerstagabend in der Schwarzwaldhalle im Ortsteil Schellbronn hervor, dass Neuhausen zwar keine Metropole sei, jedoch von einem starken Zusammenhalt zwischen Unternehmen, Handwerk, Landwirtschaft und Kommune profitiere. Gerade dieses Zusammenspiel bilde eine wichtige Grundlage für die wirtschaftliche Stabilität und Entwicklung des Standorts.
Ein zentraler Schwerpunkt des Abends war die Vorstellung der geplanten Energiegesellschaft Energie Neuhausen GmbH & Co. KG. Mit diesem Projekt verfolgt die Gemeinde das Ziel, die Energieversorgung langfristig stärker selbst zu gestalten und gleichzeitig wirtschaftliche Impulse vor Ort zu setzen. Nach Angaben von Bürgermeisterin Sabine Wagner geht es dabei nicht nur um energiepolitische Fragen, sondern auch um regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und neue Entwicklungsmöglichkeiten für die örtlichen Betriebe.
Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit der ENCW – Energie Calw GmbH, die an der neuen Gesellschaft mit 49 Prozent beteiligt sein wird. Die Gemeinde Neuhausen hält mit 51 Prozent die Mehrheitsanteile. Die Geschäftsführung der Energie Neuhausen obliegt Larissa Schlecht. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft wird Bürgermeisterin Sabine Wagner als Vorsitzende fungieren, während ENCW-Geschäftsführer Horst Graef die Position des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden übernimmt. Als weiteres Mitglied gehört Michael Ehringer dem Aufsichtsgremium an.
Die konzeptionelle Ausrichtung der neuen Gesellschaft stellte zunächst ENCW-Geschäftsführer Horst Graef vor. Er hob hervor, dass kommunale Energiegesellschaften zunehmend an Bedeutung gewinnen, weil sie Gemeinden mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen und gleichzeitig Investitionen in der Region halten. Ziel sei es, die Energiewende nicht nur administrativ zu begleiten, sondern aktiv vor Ort umzusetzen und dadurch auch wirtschaftliche Chancen für regionale Unternehmen zu schaffen.
Im Anschluss erläuterte Christian Flack die geplanten Geschäftsfelder der Energie Neuhausen und deren Potenziale für die örtliche Wirtschaft. Das Leistungsspektrum des künftigen Energieversorgers umfasst unter anderem Strom, Gas, Photovoltaik und E-Mobilität. Insbesondere für Gewerbe- und Industriekunden sollen maßgeschneiderte Energielösungen entwickelt werden, die sich am jeweiligen Leistungsbedarf orientieren. Durch die starke Partnerschaft zwischen Kommune und Energieversorger sollen langfristig stabile und attraktive Energiepreise ermöglicht werden.

Die Energie Neuhausen. Christian Flack, Leiter Beteiligungsmanagement ENCW, ENCW-Geschäftsführer Horst Graef, Bürgermeisterin Sabine Wagner, Geschäftsführerin Larissa Schlecht und Aufsichtsrat Michael Ehringer. (v.l.n.r) Foto Georg Kost
Flack skizzierte zudem die nächsten organisatorischen Schritte beim Aufbau des Unternehmens. Zunächst sei vorgesehen, ein Vertriebsbüro im Rathaus Neuhausen einzurichten, mit der Perspektive später ein eigenes Büro zu beziehen. Parallel dazu soll eine Informationskampagne starten, um die neue Energiegesellschaft im Ort bekannt zu machen. Neben einer Flyerverteilung und Anzeigen im Gemeindeblatt ist auch eine offizielle Eröffnungsveranstaltung geplant.
In einem weiteren Schritt soll der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden beginnen. Dadurch soll der Anteil des lokal erzeugten Stroms erhöht und gleichzeitig die Menge an zugekaufter Energie reduziert werden.
Die Gründung der Energie Neuhausen soll nach Angaben von Christian Flack am 2. April 2026 mit der notariellen Beurkundung rechtskräftig werden. Langfristig strebt die Gesellschaft an, sich als regionaler Energieversorger mit klarem Fokus auf erneuerbare Energien zu etablieren. Dabei stehen Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit sowie eine enge Partnerschaft mit der örtlichen Wirtschaft im Mittelpunkt.
Im Anschluss stellte sich Larissa Schlecht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor. Sie gab einen Einblick in weitere Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Gewerbeleitsystems, eine stärkere Präsenz des Wirtschaftsstandorts auf Plattformen wie LinkedIn sowie die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen und Gewerbegrundstücken in der Gemeinde.
Beim anschließenden Austausch nutzten zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Kontakte zu knüpfen. Neben den Referenten standen auch weitere Vertreter der Energiebranche und Projektpartner für Gespräche zur Verfügung. Dazu gehörten unter anderem Manfred Schwärzer, Dirk Müller, David Benk und Luca Schmidt von der Energie Calw sowie Selina Söhner und Carolin Bauer von der „DEER“ und Stefan Koudelka von „schwarzwald nature“.
Mit dem Wirtschaftsforum setzt Neuhausen damit ein deutliches Zeichen für eine aktive und dialogorientierte Wirtschaftspolitik. Die Veranstaltung versteht sich nicht nur als Informationsplattform, sondern als Impulsgeber für Kooperationen und gemeinsame Projekte. Für die Gemeinde ist das Forum damit weit mehr als ein Termin im Veranstaltungskalender: Es ist Ausdruck eines klaren politischen Willens, die wirtschaftliche Entwicklung Neuhausens gemeinsam mit den örtlichen Betrieben zu gestalten und langfristig zu sichern.
Das 5. Wirtschaftsforum ist auf den 11. März 2027 terminiert.
