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LEONBERG, 29.10.2026 (pm/rsr) – Vereine, Initiativen, Einrichtungen, Religionsgemeinschaften und Stadtverwaltung wollen in Leonberg künftig enger zusammenarbeiten. Mehr als 100 Menschen kamen am Donnerstag, 22. Oktober, im Atrium des Albert-Schweitzer-Gymnasiums zusammen, um ein Netzwerk für gesellschaftliche Teilhabe zu gründen. Es soll bestehende Angebote besser miteinander verbinden, gemeinsame Projekte ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Angesichts knapper finanzieller Mittel und wachsender Herausforderungen für das Ehrenamt gewinnt die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg an Bedeutung.
Den Auftakt gestaltete die Percussion-AG der Ostertag-Realschule mit dem Titel „We will rock you“. Anschließend stellte Netzwerkkoordinatorin Wiebke Hebold das Vorhaben vor. Ein erstmals gezeigtes Erklärvideo erläuterte die Idee hinter dem Zusammenschluss. Die Veranstaltung machte deutlich, dass zahlreiche Akteure bereit sind, sich mit ihren Erfahrungen und Vorstellungen einzubringen.
Gemeinsam statt nebeneinander
Wie lassen sich neue Ehrenamtliche gewinnen? Wie können bestehende Angebote erhalten bleiben, wenn die finanziellen Spielräume enger werden? Und wie lassen sich Kräfte bündeln, ohne dass einzelne Einrichtungen ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen? Mit solchen Fragen beschäftigen sich viele Vereine und Institutionen.
Florian Streib, Leiter des Amts für Kultur und Sport, erläuterte den Ansatz des Netzwerks. Es soll die Öffnung gegenüber anderen Akteuren fördern, den Austausch erleichtern und gegenseitige Unterstützung ermöglichen. Kooperationen gibt es in Leonberg bereits. Neu ist jedoch, dass die Vernetzung ausdrücklich über die Grenzen einzelner Themen- und Arbeitsbereiche hinweg angelegt ist.
Die ersten Überlegungen dazu entstanden im Sommer 2025 in einem kleinen Kreis engagierter Akteure. Eine anschließende Umfrage und mehrere Gesprächsrunden bildeten die Grundlage für das nun gegründete Netzwerk.
Oberbürgermeister Tobias Degode unterstrich bei der Veranstaltung die Bedeutung des persönlichen Austauschs. Die Stadt könne organisatorische Voraussetzungen schaffen und Verbindungen herstellen. Entscheidend sei jedoch, dass die beteiligten Menschen die Zusammenarbeit mit Leben füllten. Vertrauen entstehe dort, wo sich zeige, dass gemeinsame Vorhaben tatsächlich funktionierten.
Drei Ebenen für die Zusammenarbeit
Damit aus dem Zusammenschluss konkrete Projekte entstehen können, ist das Netzwerk in drei Ebenen gegliedert. Anke Wagner, Leiterin des Amts für Jugend, Familie und Schule, stellte die vorgesehene Struktur vor.
Das Plenum bildet die gemeinsame Grundlage. Alle Mitglieder sollen sich mindestens einmal im Jahr treffen. Darüber hinaus können sie sich über eine digitale Plattform austauschen und Informationen zu Angeboten, Ansprechpartnern und Aktivitäten teilen.
In Arbeitsgruppen sollen die Beteiligten konkrete Maßnahmen entwickeln. Die Themen können sich aus aktuellen Anlässen ergeben oder von den Mitgliedern selbst vorgeschlagen werden. Jede Arbeitsgruppe bestimmt eine Leitung, die die Zusammenarbeit organisiert.
Die Steuerungsgruppe soll die Arbeit der verschiedenen Gruppen zusammenführen, deren Berichte aufbereiten und als zentrale Anlaufstelle nach außen dienen. Das erste Netzwerktreffen ist für den 30. November vorgesehen. Bei diesem Termin soll auch die Steuerungsgruppe gegründet werden.
Ob die gewählte Struktur den gewünschten Nutzen bringt, soll nach zwei Jahren überprüft werden. Bei dieser Auswertung geht es darum, welche Wirkungen die Maßnahmen erzielt haben und an welchen Stellen das Netzwerk angepasst werden muss.
Leitlinien für gemeinsame Projekte
Ein Grundlagendokument hält die Ziele und Regeln der Zusammenarbeit fest. Oberbürgermeister Degode unterzeichnete es im Rahmen der Gründungsveranstaltung. Darin ist festgelegt, dass das Netzwerk durch die enge Zusammenarbeit lokaler Akteure die gesellschaftliche Teilhabe fördern will. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaft, Bildung, Integration und Inklusion.
Welche Möglichkeiten ein solcher Zusammenschluss eröffnet, wurde anschließend in einer Podiumsdiskussion erörtert. Hannes Schuster, stellvertretender Geschäftsführer der Allianz für Beteiligung, und Veronika Kienzle aus dem Referat Bürger- und Jugendbeteiligung des Staatsministeriums sprachen über die Bedeutung gemeinsamer Strukturen. Wenn Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt würden, könnten Projekte frühzeitig angegangen und vorhandene Ressourcen besser genutzt werden.
Wie sich die Zusammenarbeit konkret entwickeln könnte, zeigte sich bereits beim anschließenden Austausch. Bei Häppchen der Pestalozzischule kamen die Gäste in verschiedenen Räumen und an thematisch ausgerichteten Tafeln miteinander ins Gespräch. Dabei entstanden erste Ideen für mögliche gemeinsame Vorhaben. Mit Klebepunkten konnten die Teilnehmer außerdem ihre thematischen Interessen kenntlich machen.
Wer Mitglied werden kann
Das Netzwerk richtet sich an Leonberger Institutionen. Dazu zählen Vereine, Initiativen, Einrichtungen, Religionsgemeinschaften, die Stadtverwaltung und weitere Zusammenschlüsse. Einzelpersonen können nicht unmittelbar Mitglied werden, sich aber über eine beteiligte Institution einbringen.
Der Beitritt ist kostenlos. Voraussetzung ist eine Beitrittserklärung, mit der sich die jeweilige Institution zu den Grundsätzen des Netzwerks bekennt. Nach Eingang der Erklärung schaltet die Netzwerkkoordination das Mitglied für die digitale Plattform frei.
