Mit klammen Kassen und klarem Wasser

Schellau wäscht den Fasnetskater aus

bei Georg Kost

Mit klammen Kassen und klarem Wasser: Schellau wäscht den Fasnetskater aus. Foto Georg Kost

NEUHAUSEN-SCHELLBRONN, 18. 02. 2026 (rsr) – Der Aschermittwoch konfrontierte die Unentwegten des Narrenbund Schellau gleich doppelt mit der Realität nach den tollen Tagen: Die Hexenverbrennung am Dienstagabend markierte das endgültige Fasnetsende – und ein prüfender Blick in die Geldbeutel offenbarte eine ebenso ernüchternde Leere. Entsprechend gedämpft, aber nicht ohne augenzwinkernde Selbstironie, fiel die traditionelle Geldbeutelwäsche mit Fischessen am Mittwochvormittag in der Ortsmitte von Schellbronn aus.

Abschied von der närrischen Zeit
Mit dem Aschermittwoch endet nicht nur die fünfte Jahreszeit; zugleich beginnt die 40-tägige christliche Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern. Nach Tagen voller Umzüge, Masken und nächtlicher Ausgelassenheit kehrte in Schellbronn spürbar Ruhe ein. Die Stimmung war gedämpft, doch zwischen den Gesprächen blitzte bereits die Vorfreude auf die nächste Kampagne durch.

Zeremonie mit Zylinder und trockenem Humor

Mit einem letzten Schellau ging die Fasnet am Aschermittwoch bei der Geldbeutelwäsche zu Ende. Foto Georg Kost

Zeremonienmeister Gerhard Kocherscheid, Initiator der Schellbronner Geldbeutelwäsche, erschien standesgemäß im schwarzen Frack und mit Zylinder. Gemeinsam mit Schellau Präsidentin Sandra Hehn und Bürgermeisterin Sabine Wagner leitete er die symbolische Reinigung der leeren Geldbörsen. Der alte Brauch folgt einem einfachen Prinzip: Sind die Beutel leer, werden sie gewaschen – in der Hoffnung, dass sich im neuen Jahr wieder frisches Geld darin sammelt, oder wie es Gerhard Kocherscheid zu diesem Anlass gerne mit trockenem Humor formuliert: Man tue dies, „damit wieder frisches Geld reinkommt, nachdem alles versoffen wurde.“

Dorfbrunnen ohne Wasser – Bürger bringen Nachschub
Normalerweise werden die Geldbeutel im Dorfbrunnen ausgespült. Doch zu dieser Jahreszeit bleibt der Brunnen trocken. Die Schellbronner halfen sich pragmatisch: Wasser wurde kurzerhand in Sprudelflaschen mitgebracht und gemeinschaftlich eingesetzt – eine logistische Meisterleistung im Kleinformat.

Zwischen Wehmut und Vorfreude
Trotz leerer Kassen überwog letztlich die Zufriedenheit. Präsidentin Sandra Hehn zeigte sich, trotz hörbar angegriffener Stimme, hochzufrieden mit der Kampagnenzeit. Diese sei „überaus gelungen und mit vielen schönen Momenten“ gewesen. Besonders erfreulich: Die närrischen Tage verliefen friedlich und ohne Zwischenfälle.
Hehn kündigte an, dass die Vorläufigen Vorbereitungen für die kommende Saison in Kürze beginnen. Auch Evi Kocherscheid wird bereits im März wieder die Redaktionsarbeit für das Schellbronner Narrenblättle aufnehmen.

Schlüsselübergabe mit augenzwinkernder Pointe. Foto Georg Kost

Schlüsselübergabe mit augenzwinkernder Pointe
Ein besonderer Moment war neben der Geldbeutelwäsche die Übergabe des Rathausschlüssels. Dieser war in der Kampagne nie wirklich in Narrenhand gewesen – umso größer die Heiterkeit, als Bürgermeisterin Wagner ihn persönlich zur Zeremonie mitbrachte.

Ein Ritual gegen leere Taschen und für neue Hoffnung
So blieb am Ende ein Bild, das typisch für Schellbronn ist: leere Geldbeutel, improvisiertes Brunnenwasser und Menschen, die trotz Fasnetsabschied mit Humor und Gemeinschaftssinn nach vorne blicken. Die Beutel sind nun gereinigt – und die Hoffnung frisch ausgespült, dass sie sich im kommenden Jahr wieder füllen werden.