MINT zum Mitmachen: Girls’ Day 2026

bei Georg Kost

„Nachhaltige Produktentwicklung“ Elektroschrott und entdecken, welche Materialien in alten Geräten stecken und wie daraus neue Kreisläufe entstehen können. Foto: Tobias Schütz

PFORZHEIM, 08.05.2026 (pm) – Wie fühlt es sich an, technische Systeme zu verstehen, Materialien zu erforschen oder eigene Ideen in greifbare Produkte zu verwandeln?
Antworten darauf erhielten Schülerinnen beim Girls’ Day 2026 an der Hochschule Pforzheim. In praxisnahen Workshops gewannen sie Einblicke in MINT-Studiengänge und Berufsfelder und konnten selbst aktiv werden.

Schon am Morgen wurde deutlich, dass dieser Tag anders funktioniert als klassischer Unterricht. In den Laboren der Fakultät für Technik wurde nicht zugehört, sondern ausprobiert. Schülerinnen saßen vor Bildschirmen, diskutierten Entwürfe, testeten Ideen und hielten wenig später erste Ergebnisse in den Händen. MINT zeigte sich hier nicht als abstrakte Disziplin, sondern als etwas, das gestaltet werden kann.

Wie aus einer Idee ein konkretes Produkt entsteht, konnten die Teilnehmerinnen im Workshop „Von der Idee zum Produkt“ Schritt für Schritt nachvollziehen. Am Anfang stand ein digitaler Entwurf am Computer. Daraus wurde ein reales Objekt, gefertigt mithilfe einer Fräsmaschine. Am Ende blieb nicht nur ein Schlüsselanhänger, sondern auch ein Eindruck davon, wie viel Präzision und Planung in technischen Prozessen steckt.

Einen anderen Zugang eröffnete die „Digital Art Challenge“. Hier verschoben sich die Grenzen zwischen Technik und Gestaltung. Die Schülerinnen arbeiteten mit Vektorgrafiken, setzten sich mit Bézierkurven auseinander und entwickelten eigene digitale Designs. Was zunächst theoretisch wirkte, wurde im Verlauf des Workshops greifbar und zeigte, wie eng mathematische Prinzipien und kreative Prozesse miteinander verbunden sind. Im Workshop „Werde Wissenschaftlerin für einen Tag!“ rückte das experimentelle Arbeiten in den Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen untersuchten Materialien, führten eigene Versuche durch und näherten sich naturwissenschaftlichen Fragestellungen aus einer forschenden Perspektive. Beobachten, Hypothesen bilden, überprüfen und neu denken gehörten hier selbstverständlich dazu.

Ein besonders anschaulicher Zugang zur Welt der Materialien bot der Workshop „Werkstoffkunde“. Unter dem Leitgedanken „Werkstofftechnologie & Nachhaltigkeit“ wurde deutlich, dass Materialien am Anfang und am Ende jeder technischen Idee stehen. Die Schülerinnen gingen grundlegenden Fragen nach: Warum glänzen Metalle? Weshalb werden PET-Flaschen recycelt? Und warum ist Glas durchsichtig? Dabei erhielten sie Einblicke in die Eigenschaften und Verarbeitung verschiedener Werkstoffe und entwickelten ein Verständnis dafür, wie eng Materialien und Innovation miteinander verknüpft sind. Am Ende konnten sie ihre Erkenntnisse in einem persönlichen Sticker-Buch mit Materialproben festhalten und als Erinnerung und Inspiration zugleich mitnehmen.

Nachhaltigkeit als zentrales Zukunftsthema griff der Workshop „Nachhaltige Produktentwicklung – Kreislaufführung von Metallen und Kunststoffen“ auf. Hier ging es darum, wie Materialien genutzt, wiederverwertet und in Kreisläufen geführt werden können. Die Schülerinnen setzten sich mit den Grundlagen nachhaltiger Entwicklung auseinander und bekamen Einblicke, wie technische Lösungen Ressourcen schonen können.

Dass Technik und Gestaltung sich nicht ausschließen, zeigte auch der Workshop „Designe Deine eigene Tasche“. Von der Idee über die Auswahl von Materialien bis zur Umsetzung entstand ein eigenes Produkt. Dabei wurde deutlich, dass auch hinter scheinbar alltäglichen Gegenständen technische Überlegungen und Entwicklungsprozesse stehen.

Der Besuch der Mensa gehörte ebenso dazu und machte den Tag zu einer kleinen Momentaufnahme des Hochschullebens. Dank der finanziellen Unterstützung der Beauftragten für Chancengleichheit und Gleichstellung der Hochschule Pforzheim konnten sich die Schülerinnen alle zusammen bei diesem Mittagessen treffen, ihre Erlebnisse austauschen und neue Kontakte knüpfen.

Am Ende bleibt weniger ein einzelnes Ergebnis als vielmehr eine Erfahrung, die nachwirkt. Technik erscheint nach diesem Tag für viele nicht mehr fern, sondern zugänglich und formbar. Genau darin liegt die Stärke des Girls’ Day: Perspektiven öffnen und zeigen, dass MINT-Bereiche Raum für unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten bieten.