
Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Frank Spottek an Prinz Alexander I. Foto: Georg Kost
TIEFENBRONN, 01.02.2026 (rsr) – Mit einem Auftakt, der sofort unter die Haut ging und keinen Zweifel daran ließ, wohin die Reise an diesem Abend führen würde, startete der Tiefenbronner Carnevalsverein (TCV) in der Würmtalhalle Mühlhausen in die heiße Phase der Fasnet. Der feierlich-stimmungsvolle Einzug der Narren setzte gleich zu Beginn ein kraftvolles Ausrufezeichen: Gardemädchen, Zünfte und Elferräte zogen geschlossen in die Halle ein, angeführt von Präsident Marcel Wild und Schmellenprinz Alexander I.
Binnen weniger Minuten verwandelte sich die Würmtalhalle in ein farbenfrohes Tollhaus, getragen von Musik, Vorfreude und dem sicheren Gefühl, dass die Fasnet nun endgültig angekommen war.
Was folgte, präsentierte sich dem Publikum wie ein großzügig geworfener Konfettiregen: schillernd, abwechslungsreich und voller Tempo. Mit zwei glanzvollen Prunksitzungen am Freitag und Samstag stieg der TCV kraftvoll in die Hochsaison ein und versetzte die gesamte Gemeinde in einen fröhlichen Ausnahmezustand. Tiefenbronn zeigte eindrucksvoll, dass närrischer Frohsinn hier keine Grenzen kennt und der TCV seine Rolle als einer der prägenden Stimmungsmacher der Region mit Selbstbewusstsein ausfüllt.

Von ällem ebbes: Die Prunksitzung Tiefenbronn sparte nicht mit Überraschungen. Foto: Georg Kost
Den roten Faden durch den Abend spannten Marlen Etzel, Vanessa Benzinger und Marc Heinkel. Mit Souveränität, Charme und feinem Gespür für Timing führten sie durch das Programm, verbanden Information mit Humor und verstanden es immer wieder, das Publikum mitzunehmen und die Stimmung spürbar anzuheizen. Rund 150 Aktive hatten in den vergangenen Monaten trainiert, geprobt und an ihren Darbietungen gefeilt – der anhaltende Applaus aus dem Saal spiegelte eindrucksvoll die Wertschätzung für dieses große ehrenamtliche Engagement wider.
Gleich zu Beginn ging es tänzerisch hoch hinaus. Das Kinderballett entführte das Publikum in alpine Höhen, vom Gipfelkreuz bis in die urige Après-Ski-Hütte. Mit sichtbarer Freude, fantasievollen Bildern eroberten die jüngsten Akteure die Bühne und die Herzen der Zuschauer im Sturm. Daran schloss sich eine närrische Zeitreise nach Mühlhausen an: Die Mühlhausener Bandle bewiesen anlässlich ihres 1×11-jährigen Jubiläums eindrucksvoll, dass aus einer einst rebellischen Idee längst ein fester und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Fasnet geworden ist. Selbstironisch angekündigt, entwickelte sich ihr Auftritt zu einem der charmantesten Höhepunkte des Abends.

Tanzmariechen Tanzmariechen Emma Collmer. Foto: Georg Kost
Richtig laut, kraftvoll und energiegeladen wurde es mit den Grün-Weiß-Spatzen. Wer bei diesem Namen an sanftes Zwitschern dachte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Mit einer Darbietung, die eher an ein Rockkonzert als an eine klassische Prunksitzung erinnerte, brachten sie die Halle zum Kochen und sorgten für ausgelassene Begeisterung.
Nostalgie, Glanz und augenzwinkernde Perfektion vereinten Anny Döring und Finn Regelmann als Tanzpaar Barbie und Ken. In schillernden Rollenbildern, präzise choreografiert und mit viel Ausdruck tanzten sie sich durch eine Welt zwischen Puppentraum und Popkultur. Der tosende Beifall machte deutlich, dass dieser Auftritt lange nachwirkte – nicht ohne eine verdiente Zugabe durften die beiden die Bühne verlassen.
Musikalisch breit und ideenreich präsentierte sich die Gruppe „Von ällem ebbes“. Mit einer rasanten Reise durch bekannte Musicalklassiker von Queen über Grease, Phantom der Oper und Cats bis hin zur Rocky Horror Picture Show zeigten sie eindrucksvoll, wie wandlungsfähig, kreativ und modern Fasnet sein kann. Rätselhaft, rhythmisch und voller Dynamik folgte die Pinkgarde. Mit präziser Choreografie und beeindruckender Ausdruckskraft versetzten die Tänzerinnen die Halle in kollektive Begeisterung und bestätigten einmal mehr ihren festen Platz im Programm.
Nicht minder eindrucksvoll zeigten sich die TCV-Garden insgesamt. Eleganz, Anmut, Akrobatik und Temperament verbanden sich zu stimmigen choreografischen Bildern, in denen auch die intensive und engagierte Arbeit der Trainerinnen sichtbar wurde.
Prinz Alexander I. von den Gemmingenhexen präsentierte sich über den gesamten Abend hinweg in Hochform. Stets nah an seinem närrischen Volk, häufig selbst im Mittelpunkt des Geschehens und mit sicherem Gespür für Stimmung und Timing führte er souverän durch seine Regentschaft. Besonders mächtig fiel der Auftritt der Gemmingenhexen aus, die stilecht, dynamisch und mit großer Ausdruckskraft die Bühne eroberten.
Ein zentraler Moment der Prunksitzung war die traditionelle Rathaus-Schlüsselübergabe. Bürgermeister Frank Spottek übergab Schmellenprinz Alexander I. feierlich die närrische Macht bis Aschermittwoch und würdigte dabei die Bedeutung der Fasnet für die Gemeinde sowie die tiefe Verwurzelung des Prinzen in Tiefenbronn. Mit der Übergabe des neu geschaffenen, Prinz Alexander I. gewidmeten Ordens wurde zugleich eine lang gepflegte Tiefenbronner Tradition fortgeführt.

Die TCV Prinzengarde. Foto: Georg Kost
Großen Eindruck hinterließ auch Tanzmariechen Emma Collmer. Mit außergewöhnlicher Beweglichkeit, Präzision und scheinbarer Leichtigkeit verband sie Akrobatik und Ausdruck.
Für humorvolle Überraschungen sorgte Elferrat Michael Rau, der mit einer ungewöhnlichen Sportleidenschaft dem Hobby-Dogging für Staunen und herzhaftes Gelächter gleichermaßen sorgte und damit einmal mehr die thematische Bandbreite der Tiefenbronner Fasnet unter Beweis stellte.
Mediterranes Flair zog mit der Prinzengarde in die Würmtalhalle ein. Sie entführte das Publikum an die sonnige Adriaküste und überzeugte mit südlichem Temperament und tänzerischer Leichtigkeit. Den krönenden tänzerischen Abschluss lieferte schließlich das Männerballett: kraftvoll, selbstironisch und mit erstaunlicher Synchronität, die das Publikum mitriss.
Zum großen Finale richteten die Sitzungspräsidentinnen und der Sitzungspräsident den Blick hinter die Kulissen. Ihr Dank galt den zahlreichen Helferinnen und Helfern in Küche und Ausschank, den Trainerinnen und Trainern, allen Mitwirkenden sowie dem Musikverein Mühlhausen. Ein besonderer Dank ging an das Publikum, das den Abend nicht nur verfolgte, sondern ihn mit Begeisterung mittrug. Mit dem gemeinsamen Singen des TCV-Liedes ( Sandra Erler, Chiara Erler, Anna-Lena Erler, Sabrina Renzino, Vanessa Benzinger, Jana Sterk und Jessica Pfeiffer) klang eine Prunksitzung aus, die durch gelebte Gemeinschaft, spürbares Engagement und farbenfrohe Vielfalt lange nachhallte. < Fotogalerie >
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