
Michelle Christin Komor (r.) und Merle Matthies (l.) präsentierten eine täuschend echt inszenierte Inversionswetterlage aus dem Jahr 1974, mithilfe von KI. Foto: Cornelia Kamper/Hochschule Pforzheim.
PFORZHEIM, 29.01.2026 (pm) – Im Masterkurs KI und Kreativität des Studiengangs Creative Communication and Brand Management der Hochschule Pforzheim haben Studierende die Potenziale und Grenzen von Künstlicher Intelligenz in kreativen Prozessen erforscht. Am Freitag wurden die Ergebnisse in einer Vernissage präsentiert, die Einblicke in die vielfältigen Herangehensweisen der Studierenden bot.
Unter der Leitung des Lehrbeauftragten Benjamin Bertram beschäftigten sich die Studierenden intensiv damit, KI nicht nur als Werkzeug zu nutzen, sondern ihre Funktionsweisen kritisch zu hinterfragen. Bertram hatte zu Beginn des Kurses einen KI-Chatbot mit allen Inhalten trainiert, sodass die Studierenden gezielt Rückfragen stellen konnten. „Heutzutage setzen Jugendliche und junge Erwachsene KI oft ein, um Shortcuts zu finden, zum Beispiel eine Hausarbeit erstellen zu lassen – also sehr passiv. Im Kurs haben die Studierenden aber gelernt, dass KI ein Tool mit vielen Vor- und Nachteilen ist, das moderiert und erlernt werden muss, ähnlich wie der Umgang mit einer Suchmaschine und das konnten alle Teilnehmer*innen im Kurs erfahren“, so sein Fazit.
Die Studierenden arbeiteten in fünf Gruppen an den drei Clustern DRUCK, ECHT und GOLD. Jede Gruppe setzte sich dabei mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinander:

Lehrbeauftragter Benjamin Bertram (rechts) im Austausch mit Studierenden des Masterstudiengangs Creative Communication & Brand Management bei der KI-Vernissage an der Hochschule Pforzheim. Foto: Cornelia Kamper / Hochschule Pforzheim
Die Gruppe Syncreate – Mensch-Maschine Co-Creation probierte beispielsweise KI-unterstütztes Produktdesign aus und erforschte dabei, wie kreative Prozesse effizient unterstützt werden können, ohne dass der menschliche Feinschliff verloren geht. Dabei entstanden anhand von rudimentären Skizzen Kerzenständer aus dem 3D-Drucker und passende Produktfotografien. Unter dem Arbeitstitel „Synthetics Memories“ erarbeiteten Michelle Komor und Merle Matthies fiktive Erinnerungen in Pforzheim rund um eine Inversionswetterlage. Merle erklärte in ihrer Präsentation: „Je vertrauter ein Bild ist, desto weniger merkt man, ob die Fakten stimmen. Das hat uns gezeigt, dass man wachsam bleiben und Inhalte hinterfragen muss, gerade, wenn irgendwann keine Zeitzeugen mehr vorhanden sind.“ Die Gruppe AI-Influencer fragte sich, wie KI-gestützte Influencer Inhalte mit Mehrwert erzeugen können, ohne falsche Ideale zu vermitteln und die Gruppe Golden Ideal analysierte, wie KI Schönheitsideale reproduziert und die Wahrnehmung beeinflusst. Das letzte Zweierteam arbeitete mit Fokus auf unsere Abhängigkeit in Bezug auf moderne Medien wie KI oder Social Media und reflektierte deren Einfluss auf Nutzerverhalten. Ein zentrales Learning der Studierenden lautete dabei: Zuerst selbst überlegen, bevor man KI einsetzt, damit die Technologie ein unterstützendes Tool bleibt und nicht das eigene Denken ersetzt.
Max und Wiki von Syncreate ziehen folgendes Fazit: „Eindeutig menschlich bleibt der Feinschliff. KI ist mittlerweile ein Tool, der Dirigent muss jedoch der Mensch bleiben.“ Die Veranstaltung bot den Studierenden die Möglichkeit, ihre Ergebnisse zu präsentieren, sich auszutauschen und die Vielfalt der kreativen Ansätze sichtbar zu machen. Die Vernissage machte deutlich, dass KI zwar ein mächtiges Werkzeug für Kreativität ist, aber kritisches Denken und Reflexion unerlässlich bleiben. Gleichzeitig wurde klar; die Auseinandersetzung mit KI muss früh beginnen. Benjamin Bertram fasst es wie folgt zusammen: „Die ersten Gesetzesentwürfe werden voraussichtlich im August 2026 verabschiedet – aus meiner Sicht deutlich zu spät. KI-generierter Content wird längst genutzt, um Meinungen zu beeinflussen oder Konsum zu steuern, oft mit spaltender Wirkung. Statt allein auf Verbote zu setzen, braucht es vor allem Aufklärung und Kompetenzvermittlung, etwa schon in der frühen schulischen Bildung.“
