
Mit Harald Hasslach ist eine Persönlichkeit gestorben, die 37 Jahre lang am Dirigentenpult beim Musikverein Mühlhausen stand. Archivfoto: Georg Kost
TIEFENBRONN-MÜHLHAUSEN, 01.08.2026 (rsr) – Manche Menschen hinterlassen ihre Spuren nicht nur in Erinnerungen, sondern in dem, was nach ihnen weiterklingt. Mit Harald Hasslach ist am 23. Juli nach langer Krankheit eine Persönlichkeit gestorben, deren Leben über Jahrzehnte eng mit dem Musikverein Mühlhausen und seinem Orchester verbunden war. 37 Jahre lang stand er am Dirigentenpult, prägte Generationen von Musikerinnen und Musikern und entwickelte den Klangkörper mit großer Beharrlichkeit, Kreativität und musikalischem Gespür weiter. Vieles von dem, was den Musikverein Mühlhausen heute auszeichnet und ihm weit über die Gemeindegrenzen hinaus Anerkennung verschafft hat, trägt auch seine Handschrift.
Harald Hasslach wurde am 5. August 1957 geboren. Die Verbindung zwischen ihm und dem Musikverein Mühlhausen begann bereits in seiner Kindheit. Im Alter von zehn Jahren trat er dem Verein bei und erlernte das Tenorhorn. Was zunächst mit der Begeisterung eines jungen Musikers begann, wurde im Laufe der Jahre zu einer außergewöhnlichen Verbindung, die sein Leben und die Entwicklung des Vereins gleichermaßen prägen sollte. 1982 übernahm Hasslach zunächst als Krankheitsvertretung die musikalische Leitung des Orchesters. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt absehen, dass daraus eine 37 Jahre dauernde Ära am Dirigentenpult entstehen würde. Die Musikerinnen und Musiker erkannten jedoch bald, welche Möglichkeiten in seinem musikalischen Denken lagen, und entschieden sich in einer richtungsweisenden Abstimmung für ihn als ihren Dirigenten.
Hasslach war Autodidakt und gerade deshalb ein Dirigent, der sich niemals mit dem Erreichten zufriedengab. Er hörte Musik, nahm neue Eindrücke auf, entwickelte Ideen weiter, arrangierte Werke und eignete sich kontinuierlich neues Wissen an. Sein musikalischer Weg war von der Bereitschaft geprägt, Bestehendes zu hinterfragen und dem Orchester immer wieder neue Perspektiven zu eröffnen. Der Gedanke, dass das jeweils nächste Projekt wieder besser werden sollte als das vorherige, war dabei mehr als ein Anspruch. Er wurde zum Antrieb für eine stetige musikalische Weiterentwicklung.
Diese Entwicklung war im Musikverein Mühlhausen über die Jahre deutlich zu spüren. Unter Hasslachs Leitung öffnete sich das Orchester zunehmend für moderne Konzertliteratur. Zahlreiche Werke wurden von ihm eigens für die Besetzung des Vereins arrangiert. Gleichzeitig entstand ein umfangreicher Notenfundus, der bis heute eine Grundlage für die musikalische Arbeit des Orchesters bildet. Hasslach verstand Musik nicht als statisches Repertoire, sondern als etwas, das sich weiterentwickeln und immer wieder neu entdeckt werden konnte.
Dabei reichte sein Blick weit über das große Orchester hinaus. Er förderte Ensembles, gründete die MVM Big Band und suchte die Zusammenarbeit mit Chören und Solisten. Dadurch entstanden neue musikalische Formate und Begegnungen, die das Vereinsleben bereicherten und dem Musikverein zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten eröffneten. Die Vielfalt war dabei kein Selbstzweck. Sie war Teil eines musikalischen Verständnisses, das den Verein offen für unterschiedliche Stilrichtungen und neue Formen der Konzertgestaltung machte.
Eine besondere Spur hinterließ Hasslach bei den Frühjahrskonzerten. Aus den traditionellen Auftritten entwickelte sich unter seiner Leitung eine Reihe aufwendig gestalteter Mottokonzerte, die Musik, Inszenierung und besondere Themen miteinander verbanden. Sie wurden zu Veranstaltungen, auf die sich das Publikum in Mühlhausen und darüber hinaus regelmäßig freute. Der Musikverein zeigte damit, dass Blasmusik weit mehr sein konnte als die Aneinanderreihung einzelner Konzertstücke. Auch die Weihnachtskonzerte, die heute selbstverständlich zum musikalischen Jahreslauf des Vereins gehören, wurden unter seiner Leitung zu einem festen Bestandteil des Vereinslebens.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit blieb dennoch stets das Orchester als Gemeinschaft. Hasslach leitete in seinen 37 Jahren mehr als 1.500 Proben. Kaum eine davon fiel aus. Über Jahrzehnte hinweg begleitete er Musikerinnen und Musiker verschiedener Generationen, förderte deren Fähigkeiten und führte sie zu einem gemeinsamen musikalischen Ausdruck zusammen. Nicht der einzelne Musiker sollte dabei im Vordergrund stehen, sondern das Zusammenspiel vieler Menschen zu einem gemeinsamen Klang. Gerade darin lag ein wesentlicher Teil seiner Arbeit als Dirigent.
Seine Fähigkeit, musikalischen Anspruch mit ungewöhnlichen Ideen zu verbinden, zeigte sich noch einmal bei seinem letzten Frühjahrskonzert im Jahr 2019. Unter dem Titel „Disco Disco“ brachte der Musikverein Mühlhausen ein Programm auf die Bühne, für das Hasslach einen großen Teil der Musikstücke selbst arrangiert hatte. In der Würmtalhalle wurde daraus ein Konzertabend, der die Grenzen zwischen klassischem Blasorchester und ausgelassener Disco-Atmosphäre bewusst hinter sich ließ. Es war zugleich sein letzter großer Auftritt als musikalischer Leiter des Vereins.
Noch im selben Jahr musste Harald Hasslach aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock aus der Hand legen. Nach 37 Jahren endete damit eine außergewöhnlich lange Dirigentenzeit. Was jedoch blieb, war weit mehr als ein umfangreicher Notenbestand oder eine Sammlung von Arrangements. Es blieb eine musikalische Prägung, die sich in den Menschen fortsetzte, die er ausgebildet, gefördert und über viele Jahre begleitet hatte. Es blieb ein Orchester, dessen musikalisches Selbstverständnis in wesentlichen Teilen während seiner Amtszeit gewachsen war.
Auch deshalb endet Hasslachs Geschichte beim Musikverein Mühlhausen nicht mit seinem Rückzug vom Dirigentenpult. Seine Arrangements werden weiterhin gespielt, seine Ideen sind in der Konzertgestaltung des Vereins erkennbar und die von ihm geschaffenen Strukturen wirken fort. Vor allem aber ist die musikalische Entwicklung des Orchesters untrennbar mit den 37 Jahren verbunden, in denen er dessen Klang und Ausrichtung entscheidend mitbestimmte.
Harald Hasslach kam als Zehnjähriger mit seinem Tenorhorn zum Musikverein Mühlhausen. Jahrzehnte später hinterließ er dort einen Klangkörper, der musikalisch gereift war und sich mit seinem eigenen Profil auch über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht hatte. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten lagen unzählige Proben, Konzerte, Arrangements, Begegnungen und gemeinsame musikalische Erlebnisse.
Mit seinem Tod verliert der Musikverein Mühlhausen einen seiner prägendsten Musiker und Musikdirektoren. Seine Arbeit gehört zu jener Vereinsgeschichte, die nicht allein in Jahreszahlen und Konzertprogrammen festgehalten werden kann. Sie klingt weiter – in den Arrangements, im Orchester und in den Musikerinnen und Musikern, die einen Teil seines musikalischen Weges mit ihm gegangen sind. Harald Hasslach hat dem Musikverein Mühlhausen 37 Jahre seines musikalischen Lebens gegeben. Was daraus entstanden ist, bleibt Teil des Vereins.
Die Urnenbeisetzung findet am Freitag, 7. August 2026, um 14 Uhr auf dem Friedhof in Tiefenbronn – Mühlhausen statt. Für persönliche Worte des Gedenkens liegt ein Kondolenzbuch auf.
