
Die Slot Racing Weltmeisterschaft findet in diesem Jahr in Neuhausen-Hamberg statt. Foto: Veranstalter
NEUHAUSEN-HAMBERG, 03.05.2026 (rsr) – Wenn ab dem 10. Mai in Neuhausen-Hamberg die Motoren surren, dann geht es nicht um klassischen Motorsport, sondern um eine der schnellsten Modellrennsportarten der Welt. Die Wing Car Slot Racing Weltmeisterschaft bringt Fahrer aus mehreren Kontinenten in den Nordschwarzwald und rückt die Biet-Gemeinde in den Mittelpunkt einer internationalen Highspeed-Szene, die außerhalb des Modellrennsports kaum bekannt ist, innerhalb der Szene jedoch seit Jahren einen festen Platz hat.
Dass die Weltmeisterschaft ausgerechnet in Hamberg stattfindet, ist vor allem dem Engagement der lokalen Szene zu verdanken. Die Organisation liegt in den Händen von Marcus Schrod und Gregory Pilarsch, die seit Jahren im Slot-Racing aktiv sind und die Veranstaltung nach Hamberg geholt haben. Beide erklären, dass die Vorbereitungen bereits lange laufen, denn eine Weltmeisterschaft dieser Größenordnung erfordert nicht nur eine geeignete Rennbahn, sondern auch Logistik, Technik, Zeitnahme, Livestream und die komplette Infrastruktur für Teilnehmer und Zuschauer. Für die Organisatoren ist die Veranstaltung nicht nur ein Rennen, sondern ein internationales Treffen der gesamten Szene.

Die Organisation liegt in den Händen von Marcus Schrod (Bild rechts) sowie Gergory Pilarsch. Foto: Veranstalter
Die Wing-Car-Szene gilt als Königsklasse des Slot Racings. Während viele Slotcars an Serienfahrzeuge erinnern, haben Wing Cars mit klassischen Modellautos kaum noch etwas gemeinsam. Die extrem flachen Fahrzeuge mit ihren großen seitlichen Flügeln sind vollständig auf Geschwindigkeit ausgelegt. Aerodynamik, Motorleistung und minimale Reibung stehen im Mittelpunkt. Auf großen Rennbahnen erreichen diese Modellfahrzeuge Geschwindigkeiten, die – auf die reale Größe hochgerechnet – deutlich über denen echter Rennwagen liegen würden. Gefahren wird über einen Handregler, mit dem die Fahrer die Stromzufuhr und damit die Geschwindigkeit exakt steuern. Präzision und Konstanz sind entscheidend, denn ein kleiner Fahrfehler kann sofort mehrere Runden kosten.
Die Weltmeisterschaft ist das wichtigste Ereignis dieser Szene und wechselt jedes Jahr den Austragungsort. Nach Stationen in Südamerika und den USA findet die WM 2026 nun erstmals in Neuhausen-Hamberg in der Halle des Sportheims beim 1. FC Alemannia Hamberg statt.
Bereits im Vorfeld zeigt sich die internationale Bedeutung der Veranstaltung: Teilnehmer aus Argentinien, Brasilien, den USA, Kanada, mehreren Ländern der Karibik sowie aus Finnland, Schweden und Deutschland reisen an. Für viele Fahrer ist die Weltmeisterschaft der Höhepunkt des Jahres, auf den sie monatelang hinarbeiten.
Die Rennwoche folgt einem festen Ablauf. Nach dem Training beginnen Qualifikation und Gruppenrennen. Zunächst wird eine Qualifikationszeit gefahren, danach werden die Fahrer in Leistungsgruppen eingeteilt. In jedem Rennen treten acht Fahrer gegeneinander an. Ein Rennen besteht aus acht Läufen, wobei jeder Fahrer einmal auf jeder Spur fährt. Da jede Spur leicht unterschiedliche Fahreigenschaften besitzt, entscheidet nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Konstanz und Strategie bei Wartungsarbeiten während der Pausen. Gewonnen hat am Ende der Fahrer mit den meisten gefahrenen Runden.

Die Rennautos werden nicht fertig gekauft, sondern selbst gebaut. Foto: Veranstalter
Im Laufe der Woche steigern sich die Rennklassen deutlich in Leistung und Geschwindigkeit. Die frühen Klassen gelten noch als Einstiegsklassen, doch je weiter die Woche voranschreitet, desto leistungsstärker werden die Motoren. Am Ende steht die offene Klasse G7, die in der Szene als absolute Königsklasse gilt. Hier sind fast alle technischen Möglichkeiten erlaubt, sogar Motorwechsel zwischen den einzelnen Läufen. In dieser Klasse bewegen sich die Fahrzeuge am absoluten Limit von Material und Technik.
Eine Besonderheit der Wing-Car-Szene ist, dass nahezu alle Fahrzeuge in Handarbeit entstehen. Die Autos werden nicht fertig gekauft, sondern aus Einzelteilen aufgebaut.
Chassis werden erodiert und vernickelt, Motoren werden abgestimmt und eingelötet, Achsen hergestellt und Karosserien geklebt und angepasst.
Viele Fahrer bauen ihre Motoren selbst und testen über Monate verschiedene Abstimmungen. Kleinste Veränderungen an Reifen, Übersetzung oder Magnetkraft können über Sieg oder Niederlage entscheiden. Um dennoch Chancengleichheit zu gewährleisten, müssen bei der Weltmeisterschaft einheitliche Reifen verwendet werden, die direkt beim Veranstalter ausgegeben werden. Die Felgen für die Veranstaltung werden sogar direkt in Hamberg von der Firma Ottmar Mayer produziert, was zeigt, wie viel lokale Arbeit in diesem internationalen Event steckt.
Gefahren wird auf einer sogenannten Blue-King-Bahn, einer weltweit genormten Rennstrecke für große Slot-Racing-Wettbewerbe. Die Bahn ist über 47 Meter lang, hat acht Spuren und zahlreiche schnelle Kurvenkombinationen. Für die Weltmeisterschaft wurde die Strecke technisch überarbeitet und die Stromversorgung erneuert, da bei den leistungsstarken Motoren sehr hohe Ströme fließen.

Gefahren wird auf einer sogenannten Blue-King-Bahn, einer weltweit genormten Rennstrecke für große Slot-Racing-Wettbewerbe. Die Bahn ist über 47 Meter lang, hat acht Spuren und zahlreiche schnelle Kurvenkombinationen.Foto: Veranstalter
Die komplette Veranstaltung wird per Livestream übertragen, sodass Zuschauer weltweit die Rennen verfolgen können. In der Halle sowie im Außenbereich werden Bildschirme aufgebaut, auf denen Rundenzeiten, Positionen und Rennverläufe live zu sehen sind. Damit wird die Weltmeisterschaft nicht nur zu einem Wettbewerb, sondern zu einem internationalen Treffen der Slot-Racing-Szene.
Mit der Wing-Car Slot Racing Weltmeisterschaft kommt damit ein hochspezialisierter Motorsport in den Enzkreis. Für Außenstehende sind es kleine Autos auf einer Bahn, für die Teilnehmer ist es jedoch Hightech, Präzision und Wettbewerb auf Weltklasseniveau. Eine Woche lang steht Neuhausen-Hamberg damit im Zentrum einer internationalen Szene, in der es nur um eines geht: maximale Geschwindigkeit auf wenigen Zentimetern Spur.
